Eine "abgespacede" Idee: Germeringer Brauhaus schickt Hopfen mit Hopstronautix ins Weltall

"Völlig losgelöst von der Erde..."

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Thomas Sinn (links) und Markus Geiss (Dritter von links) von den Hopstronautix starten gemeinsam mit Daniel Vitt (Zweiter von links), Harald Heitmeir (Zweiter von rechts) und Holger Dietz (rechts) vom Brauhaus das Projekt „Space Beer“.

Germering – Malz, Wasser, Hopfen und Hefe – mehr braucht es nicht, um Bier zu brauen, eigentlich, so sollte man meinen. Warum aber nicht einer ganz anderen, einer „abgespaceden“ Idee nachgehen: Hopfen ins Weltall schicken, um später daraus „Space Beer“ zu brauen.

Das Germeringer Brauhaus wurde von der launigen Idee dreier in der Raumfahrt ansässigen Wissenschaftler übermannt. Thomas Sinn, Markus Geiss und Daniel Gillies sind die drei Köpfe der Hopstronautix, einem Start-Up, welches sich der Frage widmet, ob man Bier und das Weltall miteinander kombinieren kann – und man kann, wie ein Versuch in den USA bereits zeigte. „Wir wollen das Thema Weltall der breiten Masse näher bringen und das über unsere Leidenschaft Bier“, erzählt der 29-jährige Geiss. Gemeinsam mit einer amerikanischen Brauerei schickten sie bereits Hopfen in die Umlaufbahn, wenn sie damals auch nur die 60 und nicht die entscheidende 100 Kilometer Marke durchbrochen haben. Um das Projekt nun auch in Deutschland anzusiedeln, waren die Hopstronautix auf der Suche nach einem passenden Partner. Für den Neu-Germeringer Sinn sowie seinen Geschäftspartner Geiss, der in Gilching wohnt, und die beide in der Raumfahrttechnik promoviert haben und in den USA studierten, gab es folglich nur eine Lösung: eine Kooperation mit dem Germeringer Brauhaus. 

Start einer ambitionierten Mission

„Es hat gleich Klick gemacht. Das Konzept hat uns sofort überzeugt“, sagt Geschäftsführer des Brauhauses Daniel Vitt. Außerdem lieben sie alles, was neu und interessant ist und wie er mit einem Schmunzeln sagt „den Horizont erweitert“. Bei diesem Projekt soll aber nun nicht das Bier an sich, sondern der Hopfen in den Mittelpunkt gerückt werden. 250 Gramm des sogenannten „Simcoe Hopfens“ des weltgrößten Hopfenlieferanten Barth Haas, der auch bereits beim Germeringer Trosthammer Bier verwendet wird und eine fruchtige Note hat, soll voraussichtlich Ende August in einem kleinen Würfel von den USA aus ins Weltall geschickt werden. Bei dem Suborbitalflug werde der Hopfen dann einige Minuten in der Schwerelosigkeit schweben. „Die Einwirkung von Druck und weiteren Faktoren wirkt sich dann auf den Hopfen aus“, sagt der 36 Jahre alte Sinn. Genau 500 Gramm soll der Kasten jedoch erreichen bevor er hochgeschossen würde. „Unter anderem geht auch eine SD-Karte auf dem ein Video-Kunstprojekt ist mit hoch“, sagt Geschäftsführer Harald Heitmeir. Grundsätzlich, so sagen es die Brauer, soll das Thema „Space“ in den nächsten Monaten weiter ergänzt werden. Immerhin stecke ein großes Ziel hinter den Plänen der Hopstronauten und Germeringer Braumeister, sie wollen Weltmarktführer mit ihrem Space Beer werden. „Der Idee sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Vitt. 

Dieser kleine Würfel wird ins Weltall befördert.

Aber zunächst werde ein Schritt nach dem anderen gemacht. Mit Germering soll der deutsche Markt und später der europäische erobert werden, so die Geschäftsmänner. Immerhin sei nicht nur der Plan ein ambitionierter, auch das Bier soll später den Horizont erweitern. Wichtig, so Vitt, sei es, dass es nicht zu teuer würde, etwa 3,50 Euro pro Flasche solle zunächst veranschlagt werden. „Die Menge an Hopfen ergibt in etwa 20 Hektoliter Bier – das sind gut zwei Kessel und rund 5.000 Flaschen von einem doppelt eingebrauten Indian Pale Ale (Double IPA)“, erklärt Vitt. Es solle ein besonderes Bier werden, nicht unbedingt ein alltägliches. Zudem dürfe man die Kosten des Raketenfluges nicht außer Acht lassen, und man wisse nicht, ob die Mission erfolgreich in der Wüste New Mexikos zu Ende gebracht werde, wenn der Fallschirm mit der wertvollen Fracht wieder zu Boden kommt. So ein Flug könne zwischen 10.000 und 100.000 Euro kosten, er sei unbemannt und würde mit einer Fallschirmlandung beendet, wie Geiss berichtet. Leider, und das bedauern sowohl die beiden Hopstronauten als auch die Germeringer Brauer, können sie nicht bei dem Start dabei sein. Wie so oft, würde Corona ihnen da einen Strich durch die Rechnung machen. Dennoch hoffen sie bis zum Starttermin auf weitere Lockerungen und denken bereits über ein gemeinsames Public Viewing in ihrem Trosthammerstube im Alten Dorf nach. Wenn alles nach Plan laufe, dann können die Germeringer Anfang Dezember mit der Verkostung des ersten intergalaktischen Bieres rechnen.

Claudia Becker

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