Kultur- und Werkausschuss

Brucker Stadtmuseum als wirtschaftliche Größe?

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Das Brucker Stadtmuseum zählte 2016 mehr als 8.000 Besucher (ohne Schulklassen).

Die stellvertretende Museumsleiterin Eva von Seckendorff überrascht im Kultur- und Werkausschuss mit einer Studie zur kommunalen Wertschöpfung des Brucker Stadtmuseums.

Fürstenfeldbruck – Darin versucht sie über den Imagefaktor hinaus, einen berechenbaren wirtschaftlichen Nutzen aufzuzeigen. Demzufolge hätte das Stadtmuseum Fürstenfeldbruck im Jahr 2016 einen Überschuss von 351.058 Euro erwirtschaftet.

Fehlbetrag von 400.000 Euro ausgewiesen

Ein Museum muss man sich leisten können. Es hängt meist – wie viele andere Einrichtungen des Kulturbetriebs auch – am Tropf der öffentlichen Hand. So auch das Stadtmuseum Fürstenfeldbruck, für das im Haushaltsjahr 2016 im Etat der Großen Kreisstadt ein Fehlbetrag von mehr als 400.000 Euro ausgewiesen ist.

"Weiche Standortfaktoren"

Museen verfolgen keine kommerziellen Ziele und sind auch nicht da, um Gewinne abzuwerfen, sondern haben einen kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Auftrag. Sie haben jedoch als Image- oder Wirtschaftsfaktor durchaus Bedeutung für die kommunale Wertschöpfung. Kulturelle Aspekte spielen bekanntermaßen eine wesentliche Rolle bei der Bewertung der Lebensqualität und der Attraktivität eines Standortes. So lassen sich beispielsweise qualifizierte Fach- und Führungskräfte nur dann als Mitarbeiter gewinnen, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen und die Region gute Lebensbedingungen bietet. Man spricht dann von „weichen Standortfaktoren“.

Museum als wirtschaftliche Größe?

Die vorliegende Studie versucht nun das Stadtmuseum als Institution über den Imagefaktor hinaus, der sich naturgemäß schwer in konkreten Zahlen beziffern lässt, auch als ernst zu nehmende wirtschaftliche Größe einzuordnen. Das Zauberwort hierfür heißt „Umweg-Rentabilität“. Die Rechnung stellt sich wie folgt dar: Den Gesamtausgaben von knapp 450.000 Euro in 2016 (inklusive Personalkosten) werden Rückflüsse von etwas über 800.00 Euro entgegengestellt. Diese ergeben sich aus unterschiedlichen Faktoren. So gibt statistisch jeder Museumsbesucher in der Stadt durchschnittlich 34 Euro für Einkäufe, Restaurantbesuche und Ähnliches aus – ergibt bei 8.073 Besuchern rund 275.000 Euro. Steuern und Konsumausgaben des Museumspersonals belaufen sich auf mindestens 200.000 Euro jährlich. Die Rechnungen und Ausgaben der Einrichtung werden auf Gemeindeebene beziehungsweise in der Region bezahlt und fließen so als Geldmittel in die regionale Wirtschaft zurück. In 2016 waren dies insgesamt 88.000 Euro. Hinzu kommt der Werbewert des Museums für die Stadt, der mit 237.656 Euro beziffert wird. Summa summarum ergibt sich daraus ein Überschuss von 350.000 Euro.

Frage der Sichtweise

„Da kann man jeder Kommune nur raten, mehr Museen zu bauen“, argwöhnte BBV-Stadtrat und zweiter Bürgermeister Christian Götz. Für Kulturreferent Klaus Wollenberg (FDP) ist dies hingegen „eine gängige Methode, die Wertschöpfung von Institutionen, die ihre Produkte nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien verkaufen, festzustellen.“ Dies wäre „ein Jahrzehnte altes Verfahren, das man auch bei Sportvereinen, Festspielen oder Festivals anwenden kann“, ergänzte der Wirtschaftsprofessor. Götz tat sich trotzdem schwer, „das in harte Zahlen gießen zu wollen.“ Für ihn „ist es selbstverständlich, dass wir ein Museum brauchen und dass wir so etwas auch bezuschussen.“ Und daran besteht kein Zweifel, denn im aktuellen Haushaltsplan der Stadt ist, wie auch für die kommenden Jahre, für das Museum ein Fehlbetrag von knapp einer halben Million Euro ausgewiesen. Es ist eben – wie so oft im Leben – alles eine Frage der Sichtweise.

Peter Fischer

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