Gedenkminuten am 27. Januar

Ein "lebendiges" Mahnmal

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Fürstenfeldbruck – Gauting 1985: Auf den Schreibtisch von Bürgermeister Ekkehard Knobloch liegen drei Denkmalanträge. Der Erste soll an Flucht und Vertreibung erinnern, der Zweite die deutsche Teilung thematisieren und der Dritte der Opfer des Faschismus gedenken.

Knobloch entscheidet sich für ein Denkmal für die Opfer von Faschismus. Mit dieser Entscheidung macht er den Weg frei für das erste von inzwischen 23 identischen Mahnmalen. Eines davon steht auch in Fürstenfeldbruck.

„Wir waren nicht stärker betroffen, als andere Gemeinden um München“, erzählt Knobloch im Landratsamt, dennoch habe er damals gewusst, dass die Erinnerung des rund zweistündigen Todesmarschs durch ihre 15.000 Einwohner Gemeinde Gauting die Altbürger aufgewühlte hatte. Nur leicht bekleidet und mit Holzschuhen seien die etwa 10.000 KZ-Häftlinge damals durch die Straßen gescheucht worden. „Es war ein stundenlanges Geklapper, das lässt ein Leben lang nicht mehr los“, erinnert sich Knobloch. Damit auch die Opfer des Todesmarschs gegen Ende des 2. Weltkrieges nicht in Vergessenheit geraten, entscheidet er sich gemeinsam mit der Gemeinde für das erste, der derzeit 23 einheitlich gestalteten Wegstrecken-Denkmale auf der Route der Häftlinge ins Ungewisse. Die Gemeinde schrieb damals oberbayernweit einen Künstlerwettbewerb aus. Von den über 130 Künstlern reichten 60 ihre Arbeiten ein – auch der Bildhauer Hubertus von Pilgrim, für dessen Vorschlag einer Skulptur sich später entschieden wurde. Doch mit einem Denkmal alleine war es nicht getan.

„Es gab eine Grundsatzdiskussion, ob es auch Vorträge geben sollte“, sagt Knobloch. Es sollte ein „lebendiges“ Mahnmal sein. Dafür lud die Gemeinde Überlebende aus Israel nach Deutschland ein, wobei „Flug und Unterkunft selbst bezahlt werden mussten, den Rest übernahm die Gemeinde“, erzählt er.

Am 12. Juli 1989 war es dann soweit, das erste Mahnmal wurde im Beisein von über 600 Teilnehmern, darunter die Berater Charlotte Knobloch und der 96-jährige Holocaust-Überlebende Max Mannheimer, der am 23. September 2016 verstarb, sowie 39 Überlebenden in Gauting enthüllt.

Das Mahnmal in Bruck

In Fürstenfeldbruck fand im Dezember 1992 eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass statt. Die Eichenauer Friedensinitiative appellierte dabei öffentlich an die damalige Landrätin Rosemarie Grützner, die Aufstellung eines Mahnmales an die Todesmärsche zu unterstützen. Mit zahlreichen Spenden aus der Bevölkerung und der Unterstützung durch den Landkreis und die Stadt Fürstenfeldbruck konnte das Mahnmal am 28. April 1994 eingeweiht werden. Auf Einladung des Arbeitskreises Mahnmal waren außer der Prominenz aus Politik und Kirche und der Bevölkerung auch zwei Überlebende mit ihren Frauen aus Israel gekommen.

Über die Jahre folgten Mahnmale unter anderem in Allach, Pasing, Gräfelfing, Planneg, Krailling, Aufkirchen (Berg), Wolfratshausen, Geretsried und Grünwald, bis 1994 auch in Fürstenfeldbruck ein Mahnmal aufgestellt wurde. Damit das Mahnmal nicht „vereinsamt“, stellte die Stadt Fürstenfeldbruck das Mahnmal an einem öffentlichen Platz an der Dachauerstraße, Ecke Augsburger Straße, auf. „Uns ist wichtig, dass insbesondere hinzugezogene und junge Bürger über dieses Kapitel der Kreisstadt informiert werden“, erklärt Jutta Remsing vom Landratsamt.

Denn das, was die Überlebenden erlebt hätten, dürfe nicht vergessen werden. Deshalb gedenkt auch in diesem Jahr der Arbeitskreis Mahnmal den Opfern des Nationalsozialismus am 27. Januar um 11.30 Uhr.

Felix Hamann

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