Firma Teilzeug übergibt Elektroauto an Schöngeisinger Bürgermeister

Elektrisch unterwegs mit dem »Orlando Mobil«

Bürgermeister Totzauer und Oliver Weiss von der Firma Teilzeug präsentieren das „Orlando Mobil“.
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Bürgermeister Totzauer (Zweiter von rechts) und Oliver Weiss (links) von der Firma Teilzeug präsentieren das „Orlando Mobil“.
  • vonMaximilian Geiger
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Schöngeising – Carsharing ist ein internationales Erfolgsmodel, immerhin häufen sich solche Angebote in den letzten Jahren immer mehr, auch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Anders als konventionelle Autovermietungen erlaubt es ein kurzzeitiges, stundenweises Anmieten von Fahrzeugen. Nachdem sich Grafrath vor zwei Jahren mit dem „RassoCar“ solch ein Gemeinschaftsauto angeschafft hat, zieht nun auch Schöngeising nach.

Und so übergab Oliver Weiss, Geschäftsführer der Firma „Teilzeug“ aus Berg (Landkreis Starnberg), am 13. April offiziell das neue Elektroauto, einen Renault Zoe, an Bürgermeister Thomas Totzauer. Die Firma Teilzeug betreibt eine webbasierte Plattform für Carsharinganbieter und vermietet mehrere Elektroautos an verschiedene Gemeinden und Anbieter. Zudem organisiert sie sämtliche Buchungen und Rechnungen.

Weiss berichtet, dass bisher bereits zwölf Fahrzeuge im Landkreis Fürstenfeldbruck und der Umgebung im Einsatz sind, etwa das „RassoCar“ in Grafrath. Laut Weiss habe die Erfahrung bisher gezeigt, dass auch ältere Bürger das Elektroauto als Ergänzung zu Bahn und Bus nutzen, vornehmlich zum Einkauf.

Namensgeber: Orlando di Lasso

Von nun an steht das Fahrzeug allen Bürgern zur Verfügung. Um einen örtlichen Bezug herzustellen wurde der Renault vom Gemeinderat auf den Namen „Orlando Mobil“ getauft, in Anspielung auf den bekannten Renaissance-Komponisten und Kapellmeister Orlando di Lasso. Immerhin hatte dieser 1587 von Herzog Wilhelm V. einen Garten in Schöngeising geschenkt bekommen und dort ein Haus erbaut, in welchem er bis zu seinem Tod im Jahr 1594 oft verweilte, erklärt Totzauer.

Reservieren kann man das Auto per App der Firma Teilzeug oder vor Ort im Rathaus. Zuvor müssen lediglich entsprechende Daten einmalig bei der Gemeinde über einen QR-Code online oder persönlich im Rathaus hinterlegt werden. So muss etwa der Führerschein verifiziert werden, schließlich dürfen nur Bürger mit gültiger Fahrerlaubnis fahren.

Betreut wird das Fahrzeug von Kristine Kicigina, die in der Bücherei der Gemeinde arbeitet. Sie nimmt auch die Registrierung vor Ort vor. Bei Fragen und Problemen steht sie unter der Emailadresse om@schöngeising.de zur Verfügung.

Die Teilzeug-App zeigt zudem an, ob das gewünschte Zeitfenster verfügbar ist und wie der aktuelle Ladezustand des Autos ist. Auch entsperrt sie vor Ort das Fahrzeug. Der Autoschlüssel befindet sich dann im Handschuhfach. Start- und Endpunkt der Fahrten müssen am Rathaus in Schöngeising an der Amperstraße 22 sein, dort befindet sich eine neu errichtete Ladestation. Wo darüber hinaus die Fahrt hingeht und wie lange man das Auto nutzen möchte, ist egal, schließlich werden die Fahrtkosten tariflich geregelt. So ist für den Verleih ein Festpreis von 2,50 Euro pro Stunde festgelegt, hinzu kommen 25 Cent pro verfahrenem Kilometer. Zudem gibt es einen Ein-Euro-pro-Stunde-Nachttarif: von 19 bis 5 Uhr. Die Rechnung wird einmal im Monat bezahlt.

Geladen werden kann das Fahrzeug an jeder Ladesäule, nicht nur am Parkplatz vor dem Schöngeisinger Rathaus.

Zusätzlicher, öffentlicher Ladeplatz

Zusätzlich zum dortigen Ladepunkt für das Orlando Mobil hat die Gemeinde einen zweiten öffentlichen Ladeplatz geschaffen, der von allen E-Fahrzeug-Besitzern zum „betanken“ ihres Autos genutzt werden kann.

Das Fahrzeug vollständig zu laden, dauert etwa 2,5 Stunden, an Schnellladestationen, etwa auf Autobahnen, geht es deutlich schneller.

Im Vergleich zum RassoCar gehört das Orlando Mobil einer neuen, besser ausgestatteten Generation an Elektrofahrzeugen an. So hat es eine höhere Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit, zudem erreicht es eine größere Alltagsreichweite von etwa 300 Kilometern. Ein Navigationsgerät im Fahrzeug zeigt den noch erreichbaren Radius entsprechend der Ladung des Autos an. Darüber hinaus schaltet sich ein Eco-Modus selbstständig ein, wenn sich die Ladung dem Ende zuneigt und drosselt die Geschwindigkeit auf maximal 100 Kilometer pro Stunde ab, um den Verbrauch zu senken. Doch laut Weiss gab es bisher „noch nie ein Reichweiten-Thema“. Niemand sei bisher stehengeblieben, weil er zu weit gefahren ist.

Im Falle eines Unfalls ist das Auto vollkaskoversichert, jedoch gilt eine Selbstbeteiligung von 500 Euro. Auch Fahranfänger haben dieselben Versicherungsbedingungen.

Schon jetzt gibt es erste Rückmeldungen zum neuen Angebot der Gemeinde. So wartet bereits eine Schöngeisingerin sehnsüchtig auf das neue Elektroauto. Bisher war sie immer mit dem Bus nach Grafrath gefahren, um dort das RassoCar zu mieten.

Auch Totzauer freut sich, dass die Gemeinde nun einen Beitrag für mehr Mobilität ihrer Bürger leisten kann: „Bis dato war es von Schöngeising nach Gilching, etwa zum Arzt, mit dem Bus und der Bahn eine halbe Weltreise.“ Das ist nun Geschichte.

Erstes Interesse der Bürger

Bereits kurz nach der offiziellen Übergabe an den Bürgermeister, fanden sich schon die ersten Bürger ein, um sich über das neue Auto zu informieren. So auch die Schöngeisingerin Anneliese Martin. Sie selbst habe zwar noch einen Smart, möchte das neue Orlando Mobil jedoch auch irgendwann einmal ausprobieren „für Einkäufe oder Kurzstrecken“, wie sie sagt.

„Und was ist, wenn ich etwas im Auto vergessen habe, wenn ich mich schon aus dem Fahrzeug ausgecheckt habe?“ Diese Frage beschäftigte einige der anwesenden Interessierten. Weiss kann sie jedoch beruhigen, denn für eine kurze Zeit von fünf bis zehn Minuten kann man das Auto noch einmal öffnen.

Und so hofft Totzauer darauf, dass das Angebot auch von den Bürgern genutzt wird, denn „das Auto soll bewegt werden und Werbung für sich selbst machen“.

Maximilian Geiger

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