Bestattungen am Alten Friedhof

CSU-Antrag scheitert: Erdbestattungen in aufgelassenen Gräbern weiter nicht zulässig

Auf dem Alten Friedhof an der Kirchstraße in Fürstenfeldbruck stehen die Gräber dicht nebeneinander
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Auf dem Alten Friedhof an der Kirchstraße sind die Abstände zu den Nachbargräbern oft zu gering, um einen unproblematischen Grabaushub zu gewährleisten.

Fürstenfeldbruck – Aufgrund der Enge sind auf dem Alten Friedhof an der Kirchstraße schon seit Längerem Erdbestattungen nicht mehr überall möglich.

Aus diesem Grund werden neue Gräber auch nur noch für Urnenbeisetzungen vergeben. Überlegungen, Erdbestattungen grundsätzlich zu verbieten, wurden jedoch verworfen, so dass in bestehenden Gräbern, deren Nutzungsrecht verlängert wurde, auch weiterhin Erdbestattungen möglich sind, sofern die örtlichen Gegebenheiten dies erlauben.

Sensibles Thema

Für reichlich Gesprächsbedarf sorgte Tagesordnungspunkt eins auf der jüngsten Sitzung des Kultur- und Werkausschusses. Vor allem aber handelt es sich um „ein sehr sensibles Thema“, wie Sitzungsleiterin Birgitta Klemenz (CSU) eingangs betonte. Es ging um die Frage, welche Art von Bestattung am Alten Friedhof noch möglich ist.

Zu geringer Abstand zwischen Gräbern

Schon lange stehen Erdbestattungen auf dem Alten Friedhof immer wieder zur Diskussion. Diese sind aus mehreren Gründen problematisch. Teilweise sind die Abstände zwischen den Gräbern zu gering, weshalb das Herablassen der Särge oft nur in Schräglage möglich ist oder die Flächen der Nachbargräber in Anspruch genommen werden müssen. Infolge dessen werden deren Grabwände und Fundamente untergraben und mitunter auch der dortige Sarg betroffen. Es wurde festgestellt, dass rund drei Viertel aller Gräber diese Problematik aufweisen.

Arbeitssicherheit gefährdet

Sachgebietsleiter Stephan Zenk, dem auch die Friedhofsverwaltung untersteht, machte die Ausschussmitglieder darauf aufmerksam, dass somit auch die Unfallvorschriften für Friedhöfe und Krematorien nicht eingehalten werden, nach denen das Unterhöhlen von Grabwänden und Fundamenten unzulässig ist. „Wer haftet dafür, wenn was passiert“, fragte Zenk, etwa wenn ein umstürzender Grabstein einen Friedhofsmitarbeiter während der Arbeiten verletzt. Die Berufsgenossenschaft habe schon angedroht, überhaupt keine Beisetzungen mehr zuzulassen, sollte auch nur eine Bestattung nicht den Regeln entsprechend durchgeführt werden.

Gräber in vier Kategorien unterteilt

Während einer Ortsbesichtigung mit Friedhofsreferent Albert Bosch und Birgitta Klemenz (beide CSU), die in einem gemeinsam gestellten Antrag, die Wiederzulassung von Erdbestattungen in aufgelassenen Gräbern fordern, wurde die Problematik eingehend erläutert und die Friedhofsverwaltung beauftragt, jedes Grab in Augenschein zu nehmen und die Möglichkeit einer Erdbestattung im Einzelfall zu prüfen. Entsprechend wurden die Gräber in vier Kategorien unterteilt und farblich unterschiedlich kartographiert: Grün markiert bedeutet, dass eine Erdbestattung unproblematisch ist, blau, dass eine Erdbestattung nur möglich wäre, wenn der Nutzungsberechtigte des Nachbargrabes einem kurzfristigen Abbau seines Grabes zustimmen würde und eine Kostenübernahme des Auftraggebers der Beerdigung vorliegt. Bei Kategorie drei sind nur Urnenbestattungen möglich und Kategorie vier sind aufgelöste Gräber, die nicht mehr vergeben werden, um die Bestattung auf dem Nachbargrab nicht zu gefährden.

Jeder wird schriftlich informiert

Im Rahmen einer Amtsleiterbesprechung einigte man sich, die Nutzungsberechtigten entsprechend ihrer Fallzugehörigkeit schriftlich über die Gegebenheiten zu informieren. Für Willi Dräxler (BBV), dessen Familie seit 100 Jahren ein Familiengrab auf dem Alten Friedhof hat, „ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Man kaufte damals ein Grab mit dem Recht dort beerdigt zu werden und sagt jetzt den Leuten, dass nur noch eine Urnenbestattung möglich wäre. Viele, vor allem ältere Menschen, wollen aber nicht eingeäschert werden.“

Einzelfallentscheidungen

Letztlich wird es aber in Zukunft wohl darauf hinauslaufen, dass für jeden Sterbefall, der als Erdbestattung in einem vorhandenen Grab auf dem Alten Friedhof beigesetzt werden soll, eine Einzelfallentscheidung getroffen werden muss.
Peter Fischer

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