Ergebnisse der Bürgerbefragung

Das sagen die Bürger zum ÖPNV

+
Das vom Landratsamt beauftrage Büro wertete die Bürgerbefragung zum Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis aus und stellte die Ergebnisse vor.

Der Ausschuss für Energie, Planung und Umwelt hat in seiner Sitzung den neuen Nahverkehrsplan (NVP) für den Landkreis Fürstenfeldbruck dem Kreistag zur Beschlussfassung empfohlen. Ein Nahverkehrsplan dokumentiert den aktuellen Ausbauzustand des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), bewertet diesen, leitet daraus Ziele und Handlungsempfehlungen ab. Er bietet die Möglichkeit für alle Beteiligten einen sinnvollen ÖPNV-Ausbau voranzutreiben.

Fürstenfeldbruck - Ein wichtiger Baustein bei der Erstellung des NVP bildete die Bürgerbeteiligung zum ÖPNV im Landkreis Fürstenfeldbruck mit 1.115 ausgefüllten Fragebögen in einem vierwöchigen Teilnahmezeitraum. Die Auswertung des beauftragten Ingenieurbüros für Systemberatung und Planung GmbH (isup) wurde positiv bewertet. „Das ist deutlich mehr als beispielsweise in einem Workshop möglich gewesen wäre und zeigt das große Interesse der Landkreisbevölkerung an der Mitgestaltung des ÖPNV“, resümiert Landrat Thomas Karmasin. Der „Arbeitsgruppe Nahverkehrsplan“ stellte das Büro die Ergebnisse in seiner letzten Sitzung im Detail vor. Mit der gewählten Methodik lag der Fokus der Umfrage in erster Linie darauf, viele eindeutige Aussagen, Trends und die Grundstimmung zum ÖPNV zu erhalten. Nach dem ersten Erfolg der guten Beteiligung wird bei der künftigen Fortschreibung überlegt, gegebenenfalls für eine vergleichende, belastbare und gesicherte Darstellung der Werte die Befragung noch umfangreicher anzugehen. 

Zusammenfassung der Ergebnisse 

Gut 46 Prozent der Befragten gehörten zur Altersstruktur der 30 bis unter 50jährigen, knapp 27 Prozent zu den 50 bis unter 65jährigen. Knapp 20 Prozent waren unter 18 bis unter 30 Jahre und knapp sieben Prozent über 65 Jahre. Bei den letzten beiden Gruppen könnte die Befragung über die Amts-Homepage eine Hemmschwelle dargestellt haben, so die Auswertung. 

Reisezweck und Nutzung 

Die Ermittlung von Reisezweck und Nutzung ist von hoher Bedeutung für die Ausrichtung des ÖPNV Angebotes. Hier fällt auf, dass nahezu altersunabhängig jede dritte ÖPNV-Fahrt in der Freizeit erfolgt. Eine solch hohe Nutzung im Freizeitverkehr ist ungewöhnlich und spiegelt das gute Angebot zum Beispiel der Einsatzzeiten, Takt, Verbindung wieder. Die wichtige Rolle der Freizeitnutzung sollte bei der Konzeption des ÖPNV-Angebotes auch künftig berücksichtigt werden. 

Zufriedenheit 

Die Voraussetzung für eine wachsende Nachfrage im ÖPNV ist die Zufriedenheit mit dem Angebot. Daher wurden Fragen dazu für einzelne Verkehrsmittel sowie zu Fahrplan, Personal und Pünktlichkeit aufgenommen. Die Bewertung erfolgte in Schulnoten. Sie ergab für das RufTaxi 3,1 und den Regionalbus 3,2 und fallen besser aus, als die für die S-Bahn mit 3,6. Vergleicht man die Werte des Regionalbusbereichs im Landkreis Fürstenfeldbruck mit den Durchschnittswerten für den MVV-Regionalbusbereich aller acht Verbundlandkreise zusammen, so fällt auf, dass die Zufriedenheit mit dem Personal und der Pünktlichkeit im Landkreis Fürstenfeldbruck teilweise sogar deutlich größer ist: 2,9 zu 3,17 und 3,0 zu 3,56. Ein erheblicher Unterschied ergibt sich beim Fahrplanangebot: Hier verdeutlicht eine 3,3 die grundsätzliche Zufriedenheit mit einem attraktiv ausgebauten ÖPNV-Angebot im Landkreis Fürstenfeldbruck, im Vergleich der Verbundlandkreise mit nur einer 4,16. 

Zuverlässigkeit 

Die Zuverlässigkeit des ÖPNV-Systems spielt eine wichtige Rolle, wenn diese als Konkurrenz zum motorisierten Individualverkehr bestehen will. Anmerkungen zur Zuverlässigkeit des ÖPNV im Landkreis Fürstenfeldbruck tätigten die Befragten nur in geringem Maße und sahen damit keine größeren Probleme. Die im Bereich RufTaxi vorgebrachten Anmerkungen sind systembedingt, so die Auswertung des Büros. Die bemängelte Anschlusssicherheit vom Regionalbusverkehr zur S-Bahn obliegt nicht der originären Zuständigkeit des ÖPNV. Dennoch werden notwendige Verbesserungen kontinuierlich an die Verantwortlichen der S-Bahn München herangetragen. 

Verbindungswünsche 

Die Möglichkeit Verbindungswünsche zu äußern, nutzten hingegen über die Hälfte aller Befragten. Dabei wurden vor allem weitere schnelle Tangentialbuslinien, zusätzliche Busverbindungen in die Nachbarlandkreise und die Landeshauptstadt München sowie mehr Buslinien zur besseren Ortserschließung genannt.

 Mobilitätsstationen 

Multimodale Verkehrsangebote gewinnen im Landkreis Fürstenfeldbruck zunehmend an Bedeutung. Dies zeigt die seit Oktober 2018 neue Koordinatorenstelle für Mobilitätsstationen im Landratsamt. Bei der Abfrage künftiger multimodaler Nutzungswünsche sprachen sich die Befragten für Bikesharing-Angebote aus. Im Bereich Carsharing besteht ebenfalls großes Interesse. Spezielle Leihangebote wie Lastenfahrräder, -anhänger oder Kleintransporter waren weniger von Bedeutung. Kaum einen Unterschied gab es zwischen den Städten und Gemeinden. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wurden in den östlichen und westlichen Landkreiskommunen ungefähr gleich häufig Angebote für Car- und Bikesharing gewünscht. 

Haltestellen 

Die Teilnehmer wurden zur gewünschten Ausstattung von unter anderem Bushaltestellen befragt. Keine der abgefragten Ausstattungsmerkmale für Haltestellen wird von den Befragten als bedeutungslos eingestuft – für jedes Merkmal überwiegen die zustimmenden Antworten. Als sehr wichtig stuften die Teilnehmer die Beleuchtung (insgesamt 89 Prozent), den Fahrplanaushang (88 Prozent), das Bushäuschen (85 Prozent) und die Einrichtung eines Abfallbehälters ein. Dicht gefolgt wird die Prioritätenliste von Sitzgelegenheiten, Fahrgastinformationen (Informationsbildschirm), einer Rampe sowie Fahrradabstellanlagen an Bushaltestellen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine solide, standardisierte Haltestellenausstattung als wichtig für die Fahrgäste eingestuft wird. 

Informationswege

 Die wichtigsten Informationswege sind für die Befragten das Internet (43 Prozent), Apps (33 Prozent) sowie Druckmedien/ Anzeigen (20 Prozent). Sonstige/keine Medien wurden mit vier Prozent angegeben. Fortgeschrieben wurde der NVP aus dem Jahr 2007 in den letzten eineinhalb Jahren durch die zuständige Stabsstelle ÖPNV im Landratsamt. Diese koordinierte die am Projekt beteiligten drei Gruppen: Die Arbeitsgruppe Nahverkehrsplan, Fachexperten und die Öffentlichkeit. Im April 2018 und März 2019 traf sich die Arbeitsgruppe Nahverkehrsplan. Ihr gehörte das beauftragte Ingenieurbüro isup, die Referenten im Kreistag für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verkehr, Hubert Ficker, Max Keil und Bürgermeister Andreas Magg, der Vorsitzende des bayerischen Gemeindetags im Kreisverband, Bürgermeister Dr. Michael Schanderl, Vertreter der Verkehrsunternehmen und der Beauftragte für Menschen mit Behinderung Herbert Sedlmeier und sein Nachfolger Thilo Wimmer an. Die Fachexperten tagten in drei Workshops im Juni 2018. Die dritte Gruppe „Öffentlichkeit“ nahm im Herbst an der Bürgerbefragung teil. Weitere Informationen gibt auf www.lraffb.de unter ÖPNV im Bereich Zukunft Nahverkehr. 

red

Auch interessant

Meistgelesen

Goldener Herbst-Marktsonntag
Goldener Herbst-Marktsonntag
Der Wald der Zukunft ist gemischt
Der Wald der Zukunft ist gemischt
Hallo Fürstenfeldbruck, da sind wir!
Hallo Fürstenfeldbruck, da sind wir!
Einbrecher schlagen in Einfamilienhaus zu - Beute über 30.000 Euro
Einbrecher schlagen in Einfamilienhaus zu - Beute über 30.000 Euro

Kommentare