Pressekonferenz mit Verkehrsministerin Schreyer

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie: S4 wird dreigleisig gebaut aber viergleisig geplant

Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn für Bayern, Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Bernd Kollberg von Intraplan Consult bei Pressekonferenz in München
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Informierten über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur S4 (von links): Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Bayern, Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Bernd Kollberg von Intraplan Consult.

Landkreis – Die S4 soll zwischen Pasing und Eichenau ein drittes Gleis bekommen.

Gleichzeitig will sich der Freistaat eine Option für eine spätere Erweiterung auf vier Gleise offen halten. Das gab Verkehrsministerin Kerstin Schreyer bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur S4 bekannt.

Die Zahlen, die die Büros Intraplan Consult, SMA und Partner sowie Schüßler-Plan in ihrer Studie ermittelt haben, geben den sofortigen Bau eines vierten Gleises nicht her, wie Schreyer ausführte. Laut Bernd Kollberg von Intraplan Consult würden rund 50.000 Fahrgäste täglich die S4 benutzen. Bis ins Jahr 2035 wird mit einer Steigerung auf 65.000 Fahrgäste gerechnet. „Diese sind bei einer Dreigleisigkeit machbar“, sagt Kollberg. Die Züge seien dann zwar voll, aber nicht übervoll.

Gestaltung, die schnell vier Gleise möglich macht

Schreyer machte aber klar, dass man zukunftsfähig planen wolle. Sie habe sich deshalb für einen dreigleisigen Ausbau mit Auswärtskompatibilität zu einem späteren viergleisigen Ausbau eingesetzt. Die Anlagen und das Umfeld der Trasse werden deshalb bereits jetzt so gestaltet, dass eine Erweiterung auf vier Gleise problemlos machbar sein soll.

Eichenau bekommt Mittelbahnsteig

Für einen viergleisigen Betrieb werden laut Ralph-Dieter Streble von Schüßler-Plan Mittelbahnsteige benötigt. Beispielsweise in Eichenau wird daher ein solcher Mittelbahnsteig gebaut, um für einen späteren viergleisigen Ausbau gerüstet zu sein. Bis es so weit ist, werden die S-Bahnen über einen Außenbahnsteig abgewickelt, der bei einem späteren Ausbau dann außer Betrieb ginge.

Puchheim ohne Mittelgleis nicht mehr aufwärtskompatibel

Außerdem müssen laut Streble auch Brückenanlagen aufwärtskompatibel gebaut werden. Das mache das 660-Millionen-Euro-Projekt um geschätzt weitere 35 Millionen Euro teurer. Am Ende rechnet sich dies laut Schreyer ab. Deutlich machte sie es am Beispiel des barrierefreien Ausbaus des Puchheimer Bahnhofs. Dort wurden entgegen den Wünschen der Kommune nicht zwei Außenbahnsteige, sondern ein Mittelbahnsteig mit Lift geplant. „Hätten wir das so gebaut, wie es gewünscht war, wäre der Bahnhof nicht mehr aufwärtskompatibel“, sagte die Ministerin. Die Folge seien hohe Rückbaukosten, sobald man auf vier Gleise erweitern will.

Dreijährige Planungszeit

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Bayern, geht von einer dreijährigen Planungszeit aus. Neben Bauplanung und der nötigen Umwelt- wie Lärmschutzgutachten seien auch Gespräche mit den Kommunen an der Bahnlinie nötig. Denn die für einen späteren Ausbau notwendigen Grundstücke dürften zwischenzeitlich nicht anderweitig bebaut werden, wie Schreyer sagte.

Reaktionen auf die Studie

Im Landkreis gab es auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie gemischte Reaktionen. Die Bindestagsabgeordnete Katrin Staffler, die Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch und Alex Dorow sowie Landrat Thomas Karmasin (alle CSU) begrüßen Schreyer Entscheidung, die Möglichkeit für ein vierte Gleis offen zu halten. „Der Bedarf an schienengebundener Mobilität wird in Zukunft weiter wachsen“, sagt Karmasin.

Der FW-Landtagsabgeordnete Hans Friedl zeigte sich erfreut, decken sich die Pläne doch mit seiner Forderung, dreigleisig zu bauen und viergleisig zu planen. „Ich bin sehr zufrieden, weil ich massiv auf diese Lösung gedrängt habe“, sagt Friedl. „Andernfalls würden wir heute mit leeren Händen dastehen.“

Kritik gibt es dagegen vom Grünen-Landtagsabgeordeten Martin Runge: „Die vorgesehene zeitliche Stückelung des Ausbaus ist äußerst kritisch zu sehen.“ In Zeiten des Klimawandels und der geforderten Verkehrswende würde sich ein Rumpfausbau verbieten. Runge fordert daher: „Gleich viergleisig ausbauen und zurück zum Planungsziel Zehn-Minuten-Takt.“

Andreas Daschner

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