Erinnerungsarbeit zum 40. Jahrestag des Olympia-Attentats in Fürstenfeldbruck – Neue Broschüre und Ausstellung vorgestellt

Landrat Thomas Karmasin (l.) bei der Vorstellung der Ausstellung zu den Ereignissen des Olympia-Attentats in München und Fürstenfeldbruck mit dem Israelischen Generalkonsul Tibor Schlosser im Fliegerhorst FFB. Fotos: Carmen Voxbrunner

11 Namen - 11 Gesichter - 11 Geschichten. "Wir arbeiten alle gemeinsam daran, dass die 11 Sportler und der deutsche Polizist auch in Zukunft ein Gesicht in unserem Gedächtnis haben,“ sagte Tibor Shalev Schlosser, Generalkonsul des Staates Israel, München, bei der Vorstellung der überarbeiteten Broschüre „Das Ende der heiteren Spiele von München“ und Ausstellung zur Gedenkveranstaltung am 5. September am Schauplatz des Olympia-Attentats vor dem Alten Tower im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Schlosser kündigte an, dass zehn Vertreter der Angehörigen der Opfer und sieben Überlebende des Attentates auf die israelische Olympiamannschaft von 1972 ihr Kommen zugesagt haben. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich als Vertreter der Bundesregierung und Ministerpräsident Horst Seehofer werden am 5. September in Fürstenfeldbruck erwartet - neben weiteren prominenten Gästen aus Politik und Sport.

Beim Gespräch mit Pressevertretern und dem Bayerischen Fernsehen trafen sich alle Initiatoren der Gedenkveranstaltung, der Landrat, Landeshistorikerin Dr. Angelika Schuster-Fox, der Pressereferent der Israelitischen Kultusgemeinde München, Aaron Buck und der Israelische Generalkonsul sowie Pressereferentin Sophie Duhnkrack. Dr. Angelika Schuster-Fox stellte die im Auftrag des Landkreises Fürstenfeldbruck überarbeitete und völlig neugestaltete 94-seitige Broschüre vor, die unter ihrer Mitwirkung entstanden ist. Unterstützung leisteten Sponsoren wie z.B. Ministerien, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Sparkasse Fürstenfeldbruck, vertreten durch den Leiter Kommunikation Dirk Hoogen, sowie das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt. Grafikdesigner Reinhard Fornara hat die mobile plakative Ausstellung mit symbolträchtigen Farben, Schriften, Bildern und Zeitungsartikeln und einem Film gestaltet. Die Ausstellung kann nach dem Gedenken von Schulen ausgeliehen und von einem einzigen Helfer in kürzester Zeit aufgebaut werden. Auch die grafische Gestaltung der Broschüre wurde Fornara übertragen. Er sagte, seine Mutter sei damals bei der Nachricht von der Ermordung der israelischen Geiseln in Tränen ausgebrochen, er selbst sei mit Leidenschaft und dem Herzen an dieser nicht einfachen „Tag- und-Nacht-Arbeit“ beteiligt gewesen, die in enger Abstimmung mit der Landeshistorikerin und den Mitarbeitern des Landratsamt Fürstenfeldbruck, vor allem mit Pressereferentin Pia Schmahl, erfolgte. Für das Cover hatte Fornara eine interessante Idee: Er überblendete das Foto der Gedenkstätte in Fursty mit den in Stein gekerbten Namen der bei dem Terror-Anschlag ermordeten israelischen Sportler. Neben der chronologischen Darstellung der Ereignisse im Olympischen Dorf und später auf dem Militärflugplatz in Fürstenfeldbruck ist ein eigenes Kapitel „Gedenken an die Opfer und Erinnerung an die Überlebenden“ enthalten. Alle ermordeten israelischen Sportler werden mit Bild und einer kurzen Vita vorgestellt, zugleich die überlebenden Sportler der israelischen Olympia-Mannschaft. Im Kapitel „Aufklärungsarbeit der Hinterbliebenen“ geht es um eine folgende Zivilklage der Angehörigen gegen den Freistaat Bayern, die nicht zum Erfolg führte. Die Klageschrift stützte sich im Wesentlichen auf die Behauptung, „die Ermordung der elf israelischen Teilnehmer der XX. Olympischen Sommerspiele in München am 5. September 1972 durch palästinensische Terroristen wäre auf schwerwiegende Versäumnisse und Fehler deutscher, bzw. bayerischer bzw. Münchner Verantwortlicher zurückzuführen“. Bereits im Herbst 1972 hatte die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I ein Ermittlungsverfahren gegen den bayerischen Innenminister Bruno Merk und den Münchner Polizeipräsidenten Manfred Schreiber u.a. wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung eröffnet. Auch dieses Verfahren wurde am 5. Februar 1973 eingestellt. Nach Ansicht des Gerichts konnte keine „der an den Sicherheitsvorkehrungen für die israelische Olympiamannschaft und an dem Versuch zur gewaltsamen Befreiung der Geiseln beteiligten Personen für den Tod der elf Sportler, des Polizeibeamten und der fünf Terroristen in strafrechtlich verwerfbarer Weise verantwortlich gemacht werden“. Wichtig ist es aus der Sicht von Generalkonsul Schlosser, dass nach dem 40. Jahrestag nicht alles vorbei ist, sondern „dass dies ein Meilenstein wird , um Erinnerungen in der positivsten Art und Weise weiterzutragen, vor allem für die jüngere Generation“. Für die israelische Seite sei dies sehr, sehr wichtig. Auch das Landratsamt verfolgt das Ziel, „die Ereignisse vor 40 Jahren auch der jüngeren Generation zu vermitteln. Ausstellung und Broschüre bieten die Möglichkeit, über grundlegende demokratische Werte wie Freiheit, körperliche Unversehrtheit und Toleranz nachzudenken und das Bewusstsein zu stärken, sich gegen Gewalt, Hass und Terror zu stellen, wo immer das möglich ist.“ Was spätere Pläne für eine Erinnerungsstätte angeht, so wollen Oberbürgermeister Sepp Kellerer für die Stadt Fürstenfeldbruck und Landrat Thomas Karmasin für den Landkreis gemeinsam daran arbeiten. Und zwar in „aller Ruhe“, denn auch nach Auflösung des Bundeswehrstandorts, die - so Generalmajor Robert Löwenstein - in etwa 5 - 7 Jahren vollzogen sein werde, sei keine Eile geboten, weil der Denkmalschutz die in Frage kommenden Gebäude - auch den Alten Tower - als erhaltungswürdig eingestuft hat. Das Vorhaben werde in eine „Arbeitsgruppe münden“, versprachen Landrat und Oberbürgermeister. Zu den Teilnehmern des Gedenkens: Wie Tibor Shalev Schlosser, Generalkonsul des Staates Israel beim Pressegespräch am 30. August im Fliegerhorst bekannt gab, werden von den elf ermordeten israelischen Sportlern zehn Angehörigenfamilien zum Gedenken am 5. 9. in Fursty anreisen. Ankie Spitzer, Witwe des Fecht-Trainers Andre Spitzer, Ilana Romano, Witwe des Gewichthebers Josef Romano, Shoshona Springer, Witwe des Gewichtheber-Kampfrichters, Jaakow Springer, Mimi Weinberg, Witwe des Trainers Mosche Weinberg, Shoshona Shapira mit Sohn Shay Shapira, Witwe des Leichtathletik-Trainers Amizur Shapira, Michal Shachar, Tochter des Sportschützen-Trainers Kehat Shorr und Yael Shamam mit Ehemann Arye Shamam, Bürgermeister von Mevaseret Zion, Tochter des Ringer-Kampfrichters Josef Gutfreund, Rima Goldwasser, Schwester des Ringers Eliezer Halfin, Nina Takatch, Schwester des Gewichthebers Seew Friedmann und Mika Slavin, Schwester des Ringers Mark Slavin. Von den Überlebenden der Sportmannschaft sind vertreten: Dan Alon und Yehuda Weinstain, Henry Hershkovitz mit Ehefrau Sedi, Zelig Shtorch, Gad Tsabary, Shaul Paul Ladany und Trainer Avraham Melamed. Dazu die Schwimmerin Shlomit Nir Toon und Shmuel Lalkin, damaliger Chef de Mission. Außerdem haben Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie Silvan Schalom, erster Vizepremierminister des Staates Israel, der Botschafter des Staates Israel Yakov Hadas-Handelsman, Dr. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland zugesagt. Von deutscher Seite: Christian Ude, OB von München, Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Prof. Dr. h.c. Walter Tröger, Bürgermeister des Olympischen Dorfes 1972, MdB Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, ein Vertreter des Bundespräsidialamts, die Regierungspräsidentin der Oberpfalz, Brigitta Brunner und der Regierungspräsident von Obb., Christoph Hillenbrandt, der Bezirkstagspräsident Dr. Josef Mederer, MdL Dr. Thomas Goppel, Kathrin Sonnenholzner, MdL. Abgeordnete des Bundestages, MdB Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Vertreter des Landtages, 1. Vizepräsident des Bayerischen Landtags Reinhold Bocklet, die Alt-Oberbürgermeister von München, Dr. Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter sowie Staatsminister a.D. Dr. Merk. Ranghohe Vertreter der Bundeswehr und der bayerischen Polizei, viele Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes u.a. mit dem damaligen Stadionsprecher Joachim Fuchsberger sowie Medaillengewinner der Olympischen Spiele von 1972. Der Generalkonsul und stellv. Generalkonsul von Frankreich, Emmanuel Cohet und Cheval Florent sind ebenso vertreten wie der Israelische Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser und Konsularische Vertreter Kanadas in Bayern. Zur Ausstellung „5. September 1972 - Das Ende der Heiteren Spiele von München“: Diese kann kostenlos an Schulen, Behörden, Vereinen, Institutionen und Einrichtungen ausgeliehen werden. Die Ausstellung ist in sechs rollbaren Transportcontainern untergebracht. Die nächsten Ausstellungstermine sind am 21.9. im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck und von 24. 9. bis 12. 10. 2012 im Landratsamt. Informationen unter LRA, Tel. 08141/519-0. Zur Publikation „5. September 1972 - Das Ende der Heiteren Spiele von München“: Zur Ausstellung hat der Landkreis FFB ein Begleitbuch, erstellt von der Historikerin Dr. Angelika Schuster-Fox mit rund 150 Bildern herausgegeben. Die Broschüre ist erhältlich im Bürgerservice-Zentrum des LRA Fürstenfeldbruck und kann für eine Schutzgebühr von 5 Euro erworben werden. Tel. Bestellung im Bürgerservice-Büro unter 08141/519-999 möglich. Die Broschüre/Ausstellung wird zu einem späteren Zeitpunkt auch digitalisiert. In Israel wurden jetzt überraschend 45 bisher klassifizierte Dokumente der Israelischen Regierung über Aktionen während und nach dem Olympia-Attentat im Staatsarchiv in Jerusalem freigegeben. "Special Publication - The Fortieth Anniversary of the Massacre of the Israeli Athletes in Munich" (Hebräisch/Englisch) link: http://www.archives.gov.il/ArchiveGov_Eng/Publications/ElectronicPirsum/MunichOlympics1972/MunichOlympics1972.htm

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