Erste bautechnische Studie zum alten Towergebäude liegt vor – Landkreis-Forum tagte

Erinnerungsort Olympia-Attentat Fürstenfeldbruck 

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Der Projektleiter des „Erinnerungsortes Olympia-Attentat München“, Werner Karg (v. li.) von der Landeszentrale für Politische Bildung, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, und Landrat Thomas Karmasin informierten zum Sachstand des  Projekts „Erinnerungsort Olympia-Attentat in FFB. 

Fürstenfeldbruck – Das Landkreis-Forum „Erinnerungsort Olympia-Attentat in Fürstenfeldbruck“ strebt bis zum Ende des Jahres ein konkretes Realisierungskonzept an. In der dritten Sitzung des von den Kreisgremien installierten Forums bildeten die Ergebnisse einer ersten bautechnischen Studie zum alten Towergebäude den Schwerpunkt.  Geplant ist,  für den Bereich des dreistöckigen Towers einen Erinnerungsort mit Ausstellungs-, Gedenk- und Begegnungsräume entstehen zu lassen.  Der Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, zeigte sich sehr beeindruckt von dem Engagement des Landratsamtes und der Landeszentrale für Politische Bildung. Er lobte die Partnerschaft und hofft, dass aus dem Erinnerungsort mehr als nur ein Museum werde.

Der Standortälteste und Kommandeur der Offizierschule, Brigadegeneral Bernhardt Schlaak, hatte beim Neujahrsempfang mitgeteilt,  dass das alte Towergebäude heuer noch aus der militärischen Nutzung herausgenommen werde und zeitnah für die Schaffung einer Gedenkstätte „Olympia-Attentat 1972“ zur Verfügung gestellt werden könne.  

Auch wenn das Thema „Gedenkstätte“ damit zeitlich an Dynamik gewonnen habe, so werde das Forum bis zum Ende des Jahres ein konkretes Konzept für die Realisierung des Erinnerungsortes erarbeiten, teilte Landrat Thomas Karmasin als Ergebnis des am 26. Februar zusammengetretenen Forums bei der anschließenden Pressekonferenz mit.  

Die Machbarkeitsstudie ergab, dass Anpassungen an die heutigen baurechtlichen Erfordernisse im Hinblick auf Barrierefreiheit und Brandschutz notwendig wären. Festgestellt wurde, dass das Gebäude keine Altlasten enthält, und dass noch eine statische Untersuchung des Gebäudes durchzuführen ist. Hinzu kommen weitere Aspekte wie beispielsweise die Gestaltung des Außenbereichs, die Sicherstellung der künftigen Erschließung des Gebäudes, die Suche nach einer sinnvollen Mitbenutzung und die Festlegung auf einen Betreiber, der für den künftigen Erinnerungsort verantwortlich sein wird. Interessant dürfte auch die Frage werden, wie sich der Erinnerungsort in einen neuen Stadtteil mit vielleicht 5.000 Menschen einfügen wird. Hier werde von den Stadtplanern sehr viel Sensibilität verlangt werden, meinte Karmasin. Er hoffe, so Karmasin, das man das Gebäude von der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) „auf einem Weg erhalte, dass man es nicht kaufen müsse“, so wie die BImA beispielsweise Bonn den Plenarsaal des Bundesrates überlassen habe. 

Als einen weiteren Meilenstein bezeichnete der Landrat ein Fachsymposium, das der Brucker Landrat für den 25. September, ankündigte. Bis dahin wird ein gemeinsamer Workshop, bestehend aus Vertretern des Landkreises und der „Projektgruppe München 72“ herausarbeiten, welche besonderen Profile den am Fliegerhorst geplanten Erinnerungsort auszeichnen und prägen könnten. Neben den baulichen Aspekten gelte es, vor allem die Profile herauszuarbeiten, die dem Erinnerungsort Fursty auch eine gewisse Eigenständigkeit vermitteln, sagte Werner Karg, der Projektleiter des „Erinnerungsortes Olympia-Attentat in München“. In das Vorhaben sollte der Bundesinnenminister, der Staat Israel, das Internationale Olympische Komitee (IOC), der Deutsche Sportbund involviert werden, so dass diese Institutionen in die Lage versetzt werden, sich substanziell zu beteiligen.

 Zum Symposium haben Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle, der Generalkonsul des Staates Israel in Süddeutschland, Dr. Dan Shaham und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch ihre Teilnahme zugesagt. Im Vorfeld der Forumssitzung hatten der Brucker Landrat und Staatsminister Dr. Spaenle die Vorgehensweise bei der Realisierung abgestimmt. Dr. Spaenle sagte dazu: „Wir werden den Landkreis Fürstenfeldbruck bei der Konzeption und Entwicklung des Erinnerungsortes an das Olympia-Attentat von 1972 offensiv unterstützen. In Fürstenfeldbruck hat die Geiselnahme ihr katastrophales Ende gefunden, der Landkreis hat über Jahrzehnte die Erinnerung lebendig erhalten. Jetzt werden wir gemeinsam ein Erinnerungsprojekt realisieren, dass das Münchner Memorial inhaltlich und konzeptionell ergänzt.“ 

Wichtig für den Landkreis sei hierbei die Zusicherung des Staatsministers, dass sich der Freistaat an der Finanzierung des Fürstenfeldbrucker Erinnerungsortes beteiligen werde. Der Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, zeigte sich sehr beeindruckt von dem Engagement des Landratsamtes und der Landeszentrale für Politische Bildung. Er lobte die Partnerschaft und hofft, dass aus dem Erinnerungsort mehr als nur ein Museum werde.

Notwendig wurden die Überlegungen für einen neuen Erinnerungsort in Fürstenfeldbruck mit der Ende 2011 vom Bundesministerium der Verteidigung bekannt gegebenen schrittweisen Auflösung des Fliegerhorstes in den nächsten Jahren. Die Kreisgremien beschlossen 2012 im Benehmen mit der Bundeswehr und der Stadt zur Fortsetzung der seit Jahrzehnten praktizierten Erinnerungsarbeit auf Landkreisebene zu prüfen, ob zukünftig das alte Towergebäude und Teile des Rollfeldes als authentischer Ort der gescheiterten Geiselbefreiung unter Einbeziehung der am Haupttor 1999 errichteten Gedenkstätte als künftiger Erinnerungsort genutzt werden können. 

Während der Spiele der XX. Olympiade in München überfielen palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft, töteten zwei Mitglieder und nahmen neun weitere als Geiseln. Beim Versuch, die Geiseln zu befreien, starben am 5. September 1972 auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes alle neun israelischen Sportler und ein bayerischer Polizeibeamter. 40 Jahre später, anlässlich der zentralen Gedenkfeier im Fliegerhorst 2012, versprach Ministerpräsident Horst Seehofer Angehörigen der Opfer und Überlebenden des Attentats die Errichtung eines neuen Erinnerungsortes in München. Das am 5. September 2013 vom Freistaat Bayern vorgelegte Konzept sieht neben dem Erinnerungsort im Olympiagelände in München auch Fürstenfeldbruck als zweite „Koordinate“ vor.

 Dieter Metzler

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