Erntepressefahrt Kartoffel und Auftakt zur BBV-Traktortour im Landkreis Fürstenfeldbruck

Fritten für die bayerische Landwirtschaft

Ein Mann kontrolliert die geernteten Kartoffeln
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Johannes Müller kontrolliert die maschinell geernteten Kartoffeln auf objektive Fehler. 

Maisach - Die Kartoffelbauern im Landkreis und Bayern erwarten in diesem Jahr eine gute Ernte. Die Niederschlagsverteilung war günstig und die Temperaturen waren moderat, sodass gute Wachstumsbedingungen vorherrschten. Doch während auf dem Feld fast alles nach Wunsch verlief, mangelte es den Landwirten in diesem Frühjahr zunehmend an den nötigen Abnehmern. Schuld daran: die Corona-Pandemie. 

Restaurants und leere Teller in den Kantinen – wo einst täglich die braunen Erdäpfel verspeist wurden, herrschte im März aufgrund der Corona-Pandemie gähnende Leere. „Da die Gastronomie für längere Zeit schließen musste, hatten wir weniger Abnehmer“, erklärt Bauernpräsident Walter Heidl bei einem Ausflug auf ein Kartoffelfeld bei Malching. Die daraus resultierenden Folgen seien deutlich zu spüren: Starke Einbußen in den Bereichen Rindfleisch, bei den Milchprodukten, aber eben auch bei der Kartoffel.

Weniger Knollen dafür aber größere Kartoffeln in diesem Jahr

Zwar gab es im Juli bis Anfang August größere Hitzeperioden, da die Kartoffel zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits vollständig gedeiht war, hatte dies keine Auswirkungen auf die Ernte. „Das größte Problem sind die Absatzeinbußen“, bestätigt auch Josef Färber, Geschäftsführer der Kartoffel-Centrum Bayern GmbH (KCB). So sei hier der Preis je 100 Kilo innerhalb weniger Monate von rund 15 Euro auf knapp 3 Euro gesunken. Doch es scheint einen Ausweg aus dieser Misere zu geben und die lautet: Pommes-Frites. Denn durch den verhältnismäßig kühlen Mai hätten die Kartoffeln zwar weniger Knollen je Staude gebildet – im Durchschnitt acht statt 14 – dafür seien die übrigen größer geraten – perfekt geeignet um zu Pommes verarbeitet zu werden.

Erntepressefahrt Kartofffel im Landkreis Fürstenfeldbruck

Pommes als Rettung in der Not

Veredelungskartoffeln, zu denen auch die der Pommes gehören, profitierten seit Jahren von einem großen internationalen Markt, erzählt Otto Wenninger, Betriebsleiter bei Aviko Deutschland GmbH, einem Unternehmen, das fast ausschließlich Kartoffel-Tiefkühlprodukte herstellt. Mit diesem neuem Absatzfeld hoffen die Landwirte nun ihre Ernte weiterhin gewinnbringend vermarkten zu können. Einer, der dass bereits erfolgreich macht, ist der 34-jährige Maisacher Johannes Müller, der auf seinem Hof bei Malching fast ausschließlich Veredelungskartoffeln für Pommes-Frites anbaut. „Wer Fritten ist, hilft der Landwirtschaft“ – lautet daher der Slogan, der vom Bayerischen Bauernverband und vom Landesverband Kartoffel unter dem Vorsitzenden Konrad Zollner ins Leben gerufen wurde.  Als Glücksfall bezeichnete Zollner, dass die geschlossenen Verträge mit den Landwirten weiter geführt würden, was eine wichtige Grundlage für die zukünftigen Planungen der Kartoffelbauern sei.

Eine Kartoffelernte-Maschine

Kartoffelernte noch im vollen Gange

„Wir haben das heutige Jahr in trockene Tücher gebracht“, sagte Färber, wenn dies auch seinen Preis gekostet hätte. Über fünf Millionen Euro an Umsatzeinbußen verzeichne der Geschäftsführer der KCB.

Johannes Müller wird in den nächsten Wochen die Kartoffelernte weiter fortsetzen, vorausgesetzt, das Wetter ist gut. „Kartoffeln können nur bei gutem Wetter geerntet werden, da sie sonst nicht lagerbar sind“, erklärt der Landwirt. Nachdem die Kartoffeln dann bei acht Grad bis zu 14 Tage gekühlt bei ihm gelagert wurden, werden sie abgeholt und schließlich weiter verarbeitet - zu Pommes.

Felix Hamann

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