Erste Hilfe für die Seele - 10 Jahre - DG PTSB-Team in Fürstenfeldbruck - Psychologische Notfallversorgung durch gemeinnützigen Verein

Nicht hoch genug geschätzt werden können die Einsätze eines Kriseninterventions-Teams, schrieb Schirmherrin Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt in ihrem Grußwort zum zehnjährigen Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Post-Traumatische Stressbewältigung (DG PTSB), und Brucks Landrat Thomas Karmasin bezeichnete die Einsatznachsorge als „erste Hilfe für die Seele“. Beide Politiker sprachen dem Bundesvorsitzenden Bernd Willkomm aus Fürstenfeldbruck Dank und Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit aus und wünschten der Gesellschaft weiterhin viel Erfolg bei ihrer wichtigen Tätigkeit.

Am 30. Juli 2000 wurde der unabhängige gemeinnützige Verein in Gernlinden von 13 Personen mit dem Ziel gegründet, freiwillige Helfer in den Maßnahmen der Psycho-Sozialen Notfallversorgung (PSNV, früher Krisenintervention) zu schulen und durch potenziell traumatisierte Ereignisse akut Betroffenen die entsprechende psychologische Notfallversorgung zukommen zu lassen. „Im Gegensatz zu anderen PSNV-Teams, die sich nahezu ausschließlich auf die Betreuung von Einsatzkräften beschränken, bieten wir neben der Betreuung von Einsatzkräften auch die Betreuung anderer Betroffener wie Opfer, Angehörige, Augenzeugen, Mitarbeiter von Banken, Handel, Industrie und Medien, in Schulen etc. durch ehrenamtliche Mitarbeiter an“, informierte Diplom-Psychologe Bernd Willkomm, der durch seine Jahrzehnte lange Tätigkeit bei der Bundeswehr, wo er beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe die Abteilung „Ausbildung, Intervention und klinische Psychologie“ leitete, auf die Idee kam, die Gesellschaft zu gründen. „Nach dem tragischen Flugunfall von Ramstein (1988) und noch mehr nach der ICE-Katastrophe von Eschede (1998) hat sich in den Medien, bei den meisten Einsatzkräften und in der Bevölkerung die Einsicht und Erkenntnis durchgesetzt, dass solche Ereignisse und Einsätze nicht nur die Opfer traumatisiert, sondern auch an den vielen Helfern nicht spurlos vorübergehen“, berichtete Willkomm. Bei der Bundeswehr baten 1996 UN-Beobachter der Bundeswehr nach ihrer Rückkehr aus Tschetschenienerstmals um psychologische Betreuung. In zunehmendem Maße galt das Hauptaugenmerk der Betreuung von Einsatzkräften durch akute Krisenintervention (Sekundärprävention) nach entsprechenden Ereignissen. „Der primären Prävention durch Information und Schulung im Rahmen von Aus- und Fortbildung von Einsatzkräften wurde dabei kaum Beachtung geschenkt“, berichtete Willkomm. Diesem Defizit begegnet die DG PTSB durch ein speziell hierfür entwickeltes, psycho-edukatives Schulungskonzept. Hierbei stehen die Information und Wissensvermittlung über Entstehung und Wirkungsweise eines Psychotraumas und die Gründe für das mögliche Versagen bisher wirksamer Stress- Bewältigungsmechanismen sowie die Vermittlung einfacher Techniken zur psychologischen Selbst- und Kollegen-/Kameradenhilfe unmittelbar vor Ort im Vordergrund. So hat die DG PTSB in den letzten zehn Jahren über 50 meist mehrtägige Schulungsmaßnahmen mit internationaler Zertifizierung durchgeführt. Neben den vielen kleinen Einsätzen für Polizei, Rettungsdienste, Feuerwehren, THW, an Schulen, in Kliniken, in der Industrie und für traumatisierte Privatpersonen stechen einige größere Einsätze hervor. So gehörten sieben Mitglieder als Bundeswehr-Angehörige und im Auftrag des Auswärtigen Amtes zum Kriseninterventionsteam beim Terroranschlag vom 11. September in New York. Im Jahre 2004 hat die DG PTSB nach einem Großbrand in einem Einkaufszentrum in Ascuncion in Paraguay mit 460 Toten nicht nur die Betreuungmaßnahmen durchgeführt, sondern fast 50 freiwillige Helfer in einem dreitägigen Kurs für die Weiterbetreuung der Betroffenen geschult, um nur zwei Groß-Einsätze zu erwähnen. „Wir finanzieren uns ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, geringe Überschüsse durch Schulungen und Spenden“, berichtete Willkomm. Zum 31. 12.2009 gehörten der DG PTSB 79 Mitglieder und 13 fördernde Mitgliedschaften an, darunter u. a. die Freiwillige Feuerwehr Fürstenfeldbruck, die Stiftung Mayday aus Neu-Isenburg, KIT Malteser aus Gröbenzell, BRK Kreisverband Rosenheim, THW Fürstenfeldbruck, Skarabäus Human health-organisation aus Inning. Aber auch die Wirtschaftskrise machte nicht Halt vor der Gesellschaft. So mussten trotz einer Vielzahl von Interessenten sechs Seminare wegen zu wenig Teilnehmer ausfallen, da überall die erforderlichen Mittel gekürzt oder gestrichen wurden. Zum 1.Oktober zieht die Geschäftsstelle von der Hauptstraße 9 in Fürstenfeldbruck nach Emmering um und bezieht dort in der Hauptstraße 10 eine neue Geschäftsstelle. Mehr Informationen über die DG PTSB gibt es über die Homepage der Gesellschaft unter www.dgptsb.de

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