Fachtag zu Demenz

Keine Eintagsfliege

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Markus Proske während seinem Vortrag.

Unter dem Motto „Demenz verstehen und begegnen“ fand am 12. Mai der erste Fachtag Demenz im Landratsamt statt. Eine Veranstaltung, die nur ein Anfang ist.

Fürstenfeldbruck - Der große Sitzungsaal ist übersät mit Erdnussschalen, die wahllos auf dem Boden geworfen wurden. Was bei Neuankömmlingen auf Unverständnis stößt, ist das Werk von Demenzberater und Humortherapeut Markus Proske. Er überreichte jedem Besucher eine Erdnuss und forderte anschließend das Publikum auf, die Schalen auf den Boden fallen zu lassen oder sogar auf andere Zuhörer zu werfen. „Beim Schalenwerfen ging es darum, die nicht vorhersehbaren Handlungen von Menschen mit Demenz ein klein wenig greifbar zu machen. Sauberkeit, „Das tut man nicht“, Regeln und Etikette gelten oftmals für Betroffene nicht“, erklärte Proske. Zusammen mit acht Referenten versuchten Proske und Vertreter vom Brucker Forum, dem Landratsamt und den Sozialdiensten einen Tag lang Interessierten Impulse zu geben und Perspektiven aufzeigen, wie Demenzkranken und auch deren Angehörigen geholfen werden kann. Für den Humor-Therapeuten darf es hierbei auch mal lustig sein: „Wenn es den Menschen die Füße wegzieht, wenn sich der Mensch im emotionalen Niemandsland befindet, dann ist Humor eine Möglichkeit der Kommunikation, die den Menschen gut tut“, erklärte er. 

Angebote im Landkreis für Angehörige finden sich im Demenzwegweiser

Annette Koller (links) und Sonja Thiele informieren über die Handlungsfelder im Landkreis um Demenzkranken und den Angehörigen zu helfen.

Doch nicht nur die Betroffenen ziehe es nicht selten die Füße weg, auch Angehörige ständen vor großen Herausforderungen, wenn sich herausstelle, dass ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist. In solchen Zeiten sollen die Angehörigen auf Projekte aus dem Landkreis bauen können. Eines davon ist das „Tipi-Projekt“ (Tagesbetreuung in Privathaushalten für Menschen mit Demenz) in Germering. Dort kümmern sich geschulte Betreuer für ein paar Stunden um eine kleine Gruppe von Demenzkranken, die gemeinsam etwas unternehmen können. „Das stellt eine Entlastung für die Angehörigen dar“, erklärte Sonja Thiele, Stadt- und Kreisrätin, sowie Referentin für Senioren und Demografie im Landkreis. Im Oktober 2016 gründete sie den Runden Tisch Demenz, an dem Politiker, Bürger und Experten unter anderem vom Klinikum und dem bayerischen Landessportverein über mögliche Handlungsfelder für Betroffene und Angehörige diskutieren. „Der Fachtag soll keine Eintagsfliege sein“, erklärte Annette Koller, Fachreferentin für Seniorenbildung vom Brucker Forum. In Angriff genommen wird die Broschüre „Demenzwegweiser“, die einen weiteren Überblick über die Angebote im Landkreis für Betroffene und Angehörige liefern soll. Dabei müsse allerdings nicht nur an festen Strukturen festgehalten werden, auch weil diese langfristig nicht alles abdecken könnten.

Vom Kochkurs bis Sportverein

 „Jeder kann sich überlegen, wo er aktiv werden kann“, sagte Thiele. Ob im Sportverein oder im Kochkurs. „Denn je stärker der Mensch mit Demenz in der Gesellschaft bleiben kann, desto einfacher ist es auch für die Angehörigen“, erklärte Koller. Der Fachtag dient zudem auch einem weiteren Zweck: „Wir müssen das Thema immer wieder ins Gespräch bringen“, sagte Thiele. 

Felix Hamann

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