Evangelische Kirche im Iran präsent - Ehemaliger Militär-Attaché referierte

Nach iranischer Zeitrechnung war es das Jahr 1386 als Jörg Kunze vom Oktober 2006 bis September 2008 als deutscher Verteidigungsattaché in Teheran eingesetzt war. Bei der „Familienrüstzeit“ des Evangelischen Militärpfarramtes FFB in Steingaden berichtete Oberstleutnant Kunze vor 80 Teilnehmern über die besonderen Lebensumstände während seines zweijährigen Aufenthaltes im Iran.

Herr Kunze, Sie waren bis zum Herbst 2008 als deutscher Militärattaché in Teheran eingesetzt und haben jetzt einen Vortrag bei der "Familienrüstzeit" des Evangelischen Militärpfarramtes Fürstenfeldbruck gehalten - auch über das Hilfsprojekt Ihrer Kirche in der vom Erdbeben verwüsteten Stadt Bam im Iran. Jörg Kunze: Das große Interesse, das uns sowohl aus unserem Bekanntenkreis als auch im Rahmen der letzten Familienrüstzeit der evangelischen Gemeinde in Fürstenfeldbruck entgegenschlug, hat uns in unseren Bemühungen bestärkt. Hat Sie Ihre Familie in den Iran begleitet? Jörg Kunze: Wie Sie eingangs ganz richtig angemerkt haben, war ich in der Zeit vom Oktober 2006 bis zum September 2008 als Verteidigungsattaché bei der Deutschen Botschaft in Teheran eingesetzt. Meine Frau hat mich in die Islamische Republik Iran begleitet und mir in dieser Zeit im Lande beiseite gestanden. Während dieser Zeit durften wir die besonderen Lebensumstände in diesem Land kennenlernen. Das betrifft sowohl das ‚Tägliche Leben und Erleben’ in der Großstadt Teheran als auch das Land Iran selber. Obwohl unsere Bewegungsfreiheit im Lande insofern eingeschränkt war, als wir jede Reise, die über einen Umkreis von 60 km um Teheran herum hinaus geplant war, genehmigen lassen mussten, konnten wir das Land – wenn auch nicht in dem Maße, wie wir dies gewünscht hätten - bereisen. Im Iran existiert auch "Kirche deutscher Sprache"? Jörg Kunze: Während unseres Aufenthaltes konnten wir auch die Arbeit der ‚Kirche deutscher Sprache’ in Iran kennenlernen. Sie bildet besonders im Großraum Teheran einen natürlichen Kristallisationspunkt der im Lande lebenden Deutschen und Deutschstämmigen. Für viele deutsche Frauen, die mit Iranern verheiratet sind, stellt die evangelische Kirche mit ihrem Angebot für regelmäßige Treffen und Gedankenaustausch sowie damit verbundene Aktivitäten ein Forum dar, das ihnen die ‚Heimat’ bis zu einem gewissen Grad ersetzt. Die evangelische Kirche hat ja auch den Erdbeben-Opfern von Bam geholfen? Jörg Kunze: Besonders fasziniert hat uns dabei auch, wie sich die deutsche Kirche in Iran engagiert und engagieren kann: das Wirken der Gemeinde nach dem großen Erdbeben in BAM ist – so glauben wir – das signifikanteste Beispiel dafür. Aber auch hier unterscheiden sich die deutsche Einstellung (Was sollte getan werden?) und der gesunde Menschenverstand (Was ist wirklich notwendig?) signifikant von der iranischen Einstellung (Was wird getan? Was kommt letztlich bei der Bevölkerung an?) Wie haben Sie den Alltag der vorwiegend jungen Bevölkerung und insbesondere der Frauen in dem von der Scharia beherrschten Mullah-Regime erlebt? Jörg Kunze: Die vielfältigen Erfahrungen (positive und negative), die wir in dieser Zeit im Iran sammeln durften, haben uns gezeigt, dass einerseits viel zu wenig über dieses komplexe Land in Europa und speziell auch in Deutschland bekannt ist und des weiteren, dass infolge dieser ‚schiefen Informationslage’ wiederholt völlig falsch in den Medien berichtet wurde und wird. Interview: Hedwig Spies Berichte von Ulrike Kunze: http://www.cn-online.de/gruss_artikel.cfm?artikel=598 http://www.cn-online.de/gruss_artikel.cfm?artikel=824 http://www.cn-online.de/gruss_artikel.cfm?artikel=850

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