Nicht nur Weltraumpionier sondern auch SS-Offizier

Schilderzusatz für umstrittene Straßennamen

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Werner von Braun war eben nicht nur ein Pionier der Weltraumfahrt – eine Zusatztafel soll wie bei anderen Straßennamen für Aufklärung sorgen.

Der jahrelange Streit um NS-belastete Straßennamen scheint in die letzte Runde zu gehen. Nach einer äußerst emotional und kontrovers geführten Debatte einigte sich der Kultur- und Werkausschuss auf die Texte der Informationstafeln, die an acht Brucker Straßenschildern zusätzlich angebracht werden sollen. Voraussichtlich im April wird der Stadtrat darüber abschließend befinden.

Fürstenfeldbruck - Vor knapp einem Jahr entschied sich der Stadtrat gegen die Umbenennung von acht umstrittenen Brucker Straßennamen und beschloss, stattdessen Hinweisschilder mit ergänzenden Informationen anzubringen. Diese sollen „im Sinne einer historischen Einordnung“, wie es in einem Sachvortrag der Verwaltung heißt, das Wirken der Namensgeber kritisch erläutern. Hierfür hat der Arbeitskreis Straßennamen auf zwei Treffen Texte ausgearbeitet und dem Fachausschuss auf seiner jüngsten Sitzung vorgelegt. Größere Tafeln mit einem entsprechend ausführlicheren Text sollen nun an der Hindenburg-, der Langbehn- und der Wernher-von-Braun-Straße angebracht werden. So wird darauf hingewiesen, dass Wernher-von Braun eben nicht nur Weltraumpionier, sondern als SS-Offizier auch an der Aktion „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ-Außenlager „Dora-Mittelbau“ beteiligt war, die den Tod tausender Zwangsarbeiter zur Folge hatte oder Julius August Langbehn Antisemit war und rassistisches Gedankengut verbreitete. 

SPD: Benennung einer Straße ist eine Ehrung

Fünf weitere Straßen am Fliegerhorst, die nach Angehörigen der Luftwaffe des Dritten Reiches benannt sind, sollen mit kleineren Zusatzschildern versehen werden, die folgenden Text beinhalten: „Die Straßenbenennungen in diesem Gebiet nach Luftwaffen-Offizieren aus dem 2. Weltkrieg erfolgten 1962 und entsprachen dem damaligen Traditionsverständnis in Gesellschaft und Bundeswehr.“ Für die SPD „bleibt die Benennung einer Straße eine Ehrung, auch wenn man diese durch Zusatztafeln nun einschränkt“, erläutert Ulrich Schmetz (SPD). „Eine Umbenennung wäre der wesentlich bessere Weg gewesen“, ergänzt Philipp Heimerl. Der SPD-Fraktionschef sähe stattdessen lieber Namen von Frauen, die für das Frauenrecht gekämpft haben. „Solange es in Bruck keine Georg-Elser-Straße gibt, stimmt in Bruck was grundsätzlich nicht (Anm.: Georg Elser führte 1939 im Münchner Bürgerbräukeller auf Hitler ein Attentat aus, das nur knapp scheiterte), äußerte sich Christian Stangl ähnlich. Gleichwohl stimmte der Grüne „diesem Minimalkonsens mit großen Bedenken zu“ und hofft, wie Stadtratskollege Markus Droth (CSU) auch, „dass spä- tere Stadträte den Mut haben, die Straßen umzubenennen.“ 

Schilder mit Informationstafeln versehen

Klaus Quinten (BBV) zeigt sich dagegen mit den Hinweisschildern zufrieden. Vergangenheit dürfe nicht totgeschwiegen, sondern müsse aufgearbeitet werden. Die Debatte würde sonst untergehen, „der größte Feind ist die Gleichgültigkeit.“ Mit ein paar wenigen redaktionellen Änderungen stimmte letztlich eine klare Mehrheit gegen die Stimmen von SPD und Florian Weber (Die Partei & Frei) den Vorschlägen des Arbeitskreises Straßennamen zu. Auf Antrag Andreas Rothenbergers (BBV) soll auch die Lützowstraße mit einer Informationstafel versehen werden. 

Peter Fischer

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