Beliebtes Kontaktforum

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Stellte sich zum Erinnerungsfoto zu den ausgezeichneten Handwerksbetrieben dazu (von links): Georg Fahrenschon, Werner, Theresa und Elisabeth Buchauer, Oberbürgermeister Kellerer, Georg und Dorothea Heid, Wilhelm Bücherl, Franz Höfelsauer, Elisabeth Bücherl.

Fürstenfeldbruck – „Die Lokomotive in Europa ist die deutsche Volkswirtschaft und der Mittelstand steht im Führerhaus“, stellte der Festredner des elften Wirtschaftsempfangs, Georg Fahrenschon, kürzlich die Bedeutung des Mittelstandes im Churfürstensaal des Klosters Fürstenfeld heraus.

Die Aussage des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, charakterisierte den Empfang, dem auch heuer wieder rund 200 Gäste aus Gewerbe, Handel, Handwerk und Politik Folge leisteten. Das beliebte Kontaktforum, das eine ideale Gelegenheit bietet, die Kommunikation zwischen den ortsansässigen Unternehmen, der Verwaltung und Politik zu vertiefen und um neue Kontakte zu knüpfen, zählt neben dem Neujahrsempfang zum Highlight im Jahresgeschehen der Großen Kreisstadt. Noch als ehemaliger bayerischer Finanzminister hatte Fahrenschon vor zwei Jahren den Churfürstensaal als Festredner eröffnet. „Sie haben einen tollen Blick, nicht auf den Redner, sondern auf die tollen Fresken“, meinte Fahrenschon und mit einem Blick auf die neuen Kronleuchter: „Die Arbeiten von damals und heute zeigen, auf welch` hohem Niveau sich das Handwerk bewegt“.

Auf die Frage des Brucker Oberbürgermeisters Sepp Kellerer „Wer zahlt und wer profitiert von der Euro-Krise?“, dem Thema seines Vortrags, musste Fahrenschon eingestehen, keine vernünftige Antwort parat zu haben. Der sich als „oberster Sparerschützer“ bezeichnende Verbandspräsident stellte die Unterschiede heraus, die Deutschland von den anderen europäischen Staaten unterscheiden. Der Mittelstand habe den wesentlichen Anteil daran, dass Deutschland die Krise besser bewältigt habe. Die persönliche Bindung an ihr eigenes Unternehmen habe für Stabilität gesorgt. Und weil der Mittelstand im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften „nicht börsenorientiert und damit auch nicht dem freien Spiel der Kapitalmärkte ausgeliefert sei.“

Seit Generationen

Bevor Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer zusammen mit OB Kellerer den vor zwei Jahren von der Stadt in Kooperation mit der Handwerkskammer München und Oberbayern und der Kreishandwerkerschaft Fürstenfeldbruck erstmals ausgelobten Handwerkerpreis diesmal an drei Unternehmen verlieh, die seit mehreren Generationen einen Handwerksbetrieb führen, stellte auch er die Bedeutung des Handwerks in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Im Landkreis existieren 3516 Betriebe mit 10500 Beschäftigten, 890 Auszubildenden und einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro, die eine tragende Säule zur Stabilität und zum Wohlstand darstellen.

Den ersten Preis, 500 Euro, erhielt die Bäckerei Willi und Elisabeth Bücherl aus der Hauptstraße 21. Seit 149 Jahren ist die Bäckerei in Familienbesitz. Anfangs waren es zwei Bäckereien von Michael und Josef Grad. Durch Heirat der nicht verwandten Nachbarfamilien wurden die Bäckereien zusammengeführt. Später übernahm die Tochter Rosalie Huber mit ihrem Mann Josef die Bäckerei. 1937 wurde das alte Gebäude abgerissen und das heute noch stehende Anwesen errichtet. 1956 übergab Rosalie Huber das Geschäft an Tochter Gabriele Bücherl, die bis 1991 mit ihrem Mann Willi bis zu dessen Tod 1991 die Bäckerei leitete. Dann übernahm Sohn Willi das Geschäft, das er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth heute noch führt.

Mit dem zweiten Preis, 300 Euro, wurde das Unternehmen Stahl- und Metallbau Heid ausgezeichnet. 1869 verkaufte Schmiedemeister Christian Elli das Wohnhaus an der Schöngeisinger Straße 59 an den Schmiedegesellen Johann Adam Heid. Der führte den Betrieb bis zur Übergabe im Jahr 1900 an Georg Heid als Huf- und Wagenschmiede. Als Heid viel zu früh starb und Sohn Georg noch zu jung war, um den Betrieb zu übernehmen, führte. Stiefvater und Schmiedemeister Hörmann die Werkstatt für Hufbeschlag, Wagenbau und Autogenes Schweißen weiter bis Georg nach dem Krieg als Schmiedemeister einsteigen konnte. Mit zunehmender Motorisierung veränderte sich die Produktion hin zum Wagenbau und Landmaschinentechnik. In den 60er Jahren entwickelte sich der heutige Stahlbaubetrieb. 1989 übernahm der dritte Georg den Betrieb des Vaters, den er bis heute in der vierten Generation erfolgreich leitet.

Der dritte Preis, 200 Euro, ging wieder an eine alteingesessene Brucker Bäckerfamilie. Martin Buchauer kaufte 1925 das landwirtschaftliche Anwesen in der Schöngeisinger Straße 62 und baute den ehemaligen Kuhstall in eine Backstube um. 1964 übernahm Alfred Buchauer und seine Frau Theresa die Bäckerei. Seit 1990 führen nun Werner und Evi Buchauer den Betrieb.

Den Eltern schuldig

Eingangs stellte Gastgeber OB Sepp Kellerer die wirtschaftliche Entwicklung in der Kreisstadt heraus. Man habe über 3000 neu Arbeitsplätze geschaffen. Auch wenn inzwischen mehr ein- als auspendeln, gibt es noch 8000 Berufs-Auspendler. Es gelte weiter, die Kinderbetreuungseinrichtungen auszubauen. Das sei man den Eltern schuldig, die wieder ins Berufsleben einsteigen wollen, denn andererseits werde der Arbeitskräftemangel zunehmen. Als „Herkulesaufgabe“ bezeichnete der Brucker Rathauschef die Konversion des Fliegerhorstes.

Dieter Metzler

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