Ein Stück Fasching erhalten

Wie Faschingsvereine und Showtanzgruppen in Corona-Zeiten planen

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Die Brucker Heimatgilde will an der Silvestergala im Stadtsaal festhalten, auch wenn es auf der Tanzfläche leerer werden sollte.

Landkreis - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht den Fasching für die Saison 2020/21 vor dem Aus. Die Vereine im Landkreis wollen trotzdem Programme auf die Beine stellen und bieten Alternativen.

Ein Beispiel dafür ist Daniel Brando, der Gildemeister der Heimatgilde „Die Brucker“. Er betont: „Wir haben schon die Aufgabe, die Menschen bei Laune zu halten.“ Das gelte ebenso für Auftritte in Kindergärten, Schulen oder Altersheimen. „Wenn es dort drinnen nicht geht, machen wir es eben außen.“ Selbst für das Gardetreffen im Veranstaltungsforum hält Brando die Outdoor-Version für machbar, weil man dort die Stadtsaalbühne nach außen drehen könne. Fest steht bereits, dass die Heimatgilde, die heuer das Kinder-Prinzenpaar stellen würde, ihre Proklamation nicht wie bisher im Sparkassensaal abhält. 

Da sei man noch auf der Suche, so Brando. „Für die Silvestergala planen wir aber schon“, ergänzt Brando, auch wenn er jetzt schon weiß, dass das Konzept des Veranstaltungsforums allenfalls 200 Gäste zulässt. „Da verdient man als Verein nichts mehr.“ Man werde viel Flexibilität beweisen müssen. Zumindest finanziell sei eine Corona-Saison für den Verein aber nicht existenzsbedrohend, so Brando. Ein Jahr das ginge schon mal. In normalen Zeiten würde in diesen Wochen um Ferienende und Schulbeginn die Vorbereitung auf die nächste Faschingssaison in den Feinschliffs gehen. Showelemente und Bühnenchoreografie würden aufeinander abgestimmt. 

Showtanztruppen in Olching und Germering trainieren eifrig

Doch das ist wegen Corona nicht möglich. Immerhin: Die Showtanzgruppen des Landkreises trainieren nach der Lockerung mittlerweile wieder eifrig. „Wir planen das ganz normal“, erklärte Martina Klein-Minigshofer, die Präsidentin der Faschingsgilde Olching (FGO). Die Entscheidungen der Politik könne man sowieso nicht beeinflussen. Dass man bei den Trainings Protokolle über die Anwesenheit führen und Lüftungsintervalle einhalten müsse, sei eben nicht zu ändern. „Wenigstens haben wir immer Räume zur Verfügung, in denen wir üben können.“ Dafür sei man der Stadt Olching sehr dankbar. So behält man bei der FGO auch die Proklamation im Blick, allerdings muss nach Lage der Dinge die Besucherzahl wohl halbiert werden. Ist das gar nicht möglich, will man bei der FGO auf einen Plan B zurückgreifen. „Notfalls muss der Start in die Faschingssaison outdoor gehen“, kündigt Klein an. Eine Alternative, die auch Gerhard Fuchs ins Auge fasst, der zweite Vorsitzende der Germeringer Showtanzgruppe Fun Unlimited (FU). Man wolle nicht alles grundsätzlich absagen. Das Nachtasyl, wo die Proklamation in den letzten Jahren stattfand, genügt den Abstandsvorschriften aber bei weitem nicht – obwohl die Proklamation bei Fun Unlimited traditionsgemäß nur im kleinen Rahmen mit Freunden und Gönnern stattfindet. „Draußen vor der Stadthalle, das hätten wir schon im Kreuz, da schnell etwas zu organisieren.“ 

Großveranstaltungen machen Planungen schwierig

Deutlich die Bremse legt Fuchs bei den Großveranstaltungen ein. Laut seinen Angaben dürften zur feierlichen Inthronisation im Januar nur 100 statt 400 Besucher in die Stadthalle. „Band, Wachdienst und Reinigung kosten trotzdem das Gleiche.“ Draufzahlen, das könne man sich nicht leisten. Fuchs hat seine Zweifel, ob das bei den großen Entscheidungsträgern draußen im Land ankommt. „Die Politik lässt die Kultur links liegen“, sagt er. Immerhin hat auch Fuchs bereits einen Ausweichplan fest in der Tasche. Ein Prinzenpaar hat man sich bei FU bereits ausgeguckt. „Die würden es zur Not auch zwei Jahre machen, wenn es jetzt nicht genug Auftritte gibt.“ Die Menschen würden in Krisenzeiten Zerstreuung brauchen. Zudem müsse man ein lebendiges Vereinsleben erhalten, so Fuchs. 

Hans Kürz

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