Gemischter Kirchenchor des Fliegerhorstes FFB "St. Michael" singt zum Abschied die "Messe breve" 

Bundeswehr-Konversion fordert auch Opfer bei der Kirche 

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38 Jahre begeisterte der gemischte Kirchenchor des Fliegerhorstes FFB "St. Michael" die kleine Militärgemeinde mit musikalischer Brillanz, jetzt heißt es Abschied nehmen. 

Fürstenfeldbruck – 38 Jahre lang begeisterte der gemischte Kirchenchor des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck „St. Michael“ die kleine Militärgemeinde mit musikalischer Brillanz. Der in seiner Art einzige Chor innerhalb der Katholischen Militärseelsorge in der Bundeswehr muss nun für immer verstummen. Ein letztes Mal tritt der Kirchenchor beim Standortgottesdienst am 20. Juli, 10.15 Uhr, in der Fliegerhorstkirche auf und singt zum Abschied die „Messe breve“ von Leo Delibes.

Auf Anweisung des katholischen Militärbischofs Dr. Franz-Josef Overbeck, der im Februar 2011 von Papst Benedikt XVI. zum Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr ernannt wurde, musste sich der Kirchenchor bereits zum ersten Januar 2014 auflösen. „Es war nicht zu vermeiden“, berichtete Hans-Dieter Beer, seit 36 Jahren Chormitglied traurig. Durch den Abbau der militärischen Dienststellen und die neuen, erweiterten Aufgaben des katholischen Militärseelsorgers war das Schicksal für den Kirchenchor besiegelt. Die Sorge um den Bestand des Kirchenchors „St. Michael“ bewegte die Militärgemeinde schon einmal, beim 25-jährigen Jubiläum. Auch damals hieß es, Umstrukturierungen von Bundeswehr und Militärseelsorge ließen so ein Gebilde nicht zu. Doch damals konnte die Auflösung noch einmal abgewendet werden.

 Ursprünglich gab es die Kirchengemeinden, so wie in Fursty eigentlich nur noch in Auslandsstandorten. Dass die Fliegerhorst Kirchengemeinde weiter lebte, war nicht zuletzt auch ein Verdienst des Kirchenchores. Der Idee, die Militärgottesdienste mit einem Kirchenchor musikalisch zu begleiten, wurde anlässlich einer „Flight-Line-Party“ im Dezember 1975 geboren. Der von Rendsburg nach Fursty versetzte Oberstleutnant Bernd Lahaye, Navigator auf einer Transall, und der damalige Militärpfarrer Johann Feigl beschlossen nach fortgerückter Stunde, einen Kirchenchor zu gründen. Im Juli 1976 war es dann soweit: Der Kirchenchor „St. Michael“ hatte seinen ersten Auftritt beim Standortgottesdienst in der kleinen schmucken Fliegerhorstkirche. Den Kern des Chores bildeten pensionierte Soldaten, Zivilbeschäftigte der Bundeswehr und ihre Familienangehörigen. Durch Versetzungen schieden immer wieder Chormitglieder aus, aber es konnten auch immer wieder neue hinzu gewonnen werden. Von den damaligen Gründungsmitgliedern sind heute noch fünf Sängerinnen und Sänger aktiv, derzeit zählt der Chor noch 26 Mitglieder. 

Letztlich haben die unermüdliche Einsatzfreude des Chorleiters Bernd Lahaye und Chormanagerin Gisela Brünig mit ihrem großartigen Organisationstalent dafür gesorgt, dass der Chor bis zum heutigen Tage das kirchliche Gemeindeleben und auch die ökumenische Zusammenarbeit bereichert hat. Diese sich im Lauf der fast vier Jahrzehnte gebildete Gemeinschaft waren für die Chormitglieder ein Stück Familie und Heimat. Neben den Gottesdiensten in Fursty, gestaltete der Chor auch Gottesdienste in der Klosterkirche, in Kaufbeuren, Landsberg und Schöngeising mit und erwarb sich große Anerkennung. „Es ist einfach schade und unvorstellbar, dass es das, was hier so vorbildlich praktiziert wurde, nun nicht mehr gibt“, meinte Hans-Dieter Beer. Priestermangel und die neue Konzeption der Bundeswehr, folglich auch der Militärseelsorge, ließen solche Kirchengemeinden innerhalb der Bundeswehr ganz offensichtlich nicht mehr zu. 

Dieter Metzler

 

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