Geschichte für nachfolgende Generationen bewahren  - Workshop im Rathaus mit Vorträgen  wurden in einem 168-seitigem Band vorgestellt

Gelebte Geschichte - Der Fliegerhorst und die Stadt Fürstenfeldbruck

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Dozent für Militärgeschichte und Politische Bildung, Oberstleutnant Dr. Peter Popp (v. li.), Kulturreferent Prof. Dr. Klaus Wollenberg und Stadtbaumeister Martin Kornacher stellten das Buch bei einer Pressekonferenz im Rathaus vor.

Fürstenfeldbruck – Mit der Aufgabe der militärischen Nutzung des Fliegerhorstes im Jahre 2019 endet nicht nur eine fast 80-jährige Tradition, sondern zugleich eine lange gemeinsame Geschichte des Standortes Fursty und der Großen Kreisstadt. Seit dem Baubeginn des Fliegerhorstes im Jahre 1935 haben zunächst die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, dann die US-Streitkräfte und ab dem Jahr 1956 die Luftwaffe der Bundeswehr das Leben in der Stadt und dem Landkreis entscheidend mitgeprägt.

Für die Stadt stellt sich die Frage, wie soll man die Erinnerung an diese gemeinsame Geschichte für nachfolgende Generationen bewahren? Im Mai des vergangenen Jahres fand deshalb im Rathaus ein Workshop statt, bei dem über eine angemessene Art der Erinnerung diskutiert wurde. Die im Rahmen dieses Kolloquiums gehaltenen Vorträge wurden in einem Buch zusammengefasst, das der Kulturreferent der Kreisstadt, Prof Dr. Klaus Wollenberg (FDP), der Brucker Stadtbaumeister Martin Kornacher, und der „Erinnerungsbeauftragte“ der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw), Oberstleutnant Dr. Peter Popp, am 22. September im Rathaus vorstellten. Herausgeber des Sammelbandes mit dem Titel: „Gelebte Geschichte: Der Fliegerhorst und die Stadt Fürstenfeldbruck – Geschichte, Erinnerung und Zukunft“, den die Stadt finanziert hat, sind Kornacher sowie der Brucker Stadtarchivar Dr. Gerhard Neumeier. In dem reich bebilderten 168-seitigen Band setzen sich die Autoren mit der Geschichte des Fliegerhorstes, die Möglichkeiten des Gedenkens, das Olympia-Attentat von 1972, den möglichen Standort eines Gedenk- oder Lernortes sowie über dessen städtebauliche Konsequenzen auseinander.

Das Buch gliedert sich in vier große Themenbereiche: I. Geschichte: Der Ort und seine Signatur. Hier ruft der Brucker Stadtarchivar die Geschichte des Fliegerhorstes in Erinnerung. Dr. Lutz Budrass, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ruhruniversität Bochum, berichtet über den Bau und die Funktionen der Fliegerhorste im Nationalsozialistischen Deutschland „Stolz der Luftwaffe, Neid des Heeres, Empörung der Partei“. Dr. Paul Hoser, freischaffender Historiker in München, der sich auch mit der Stadtgeschichte Starnbergs von 1848 bis 1978 auseinandergesetzt hat, stellt die Bedeutung des Fliegerhorstes für die Stadt Fürstenfeldbruck heraus. Eine Kleinstadt bei München in den Jahren 1933 bis 1945:Kommunalpolitik in Fürstenfeldbruck von 1933 bis 1945. Oberstleutnant Heiner Möllers, Bereichsleiter Medien im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (von 1996 bis 2000 Dozent an der OSLw für Militärgeschichte) setzt sich mit der nationalen und internationalen Bedeutung des Flugplatzes Fürstenfeldbruck auseinander.

Den Teil II des Sammelbandes mit dem Thema „Herausforderungen bei der Gestaltung eines Erinnerungsortes“ beginnt mit dem Kapitel „Mentalitätsprägungen der Luftwaffe und Traditionsprobleme für die Stadt Fürstenfeldbruck“ von Dr. Detlef Bald, freischaffender Historiker in München und ehemaliger langjähriger Wissenschaftlicher Direktor am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München. Dr. Peter Popp legt als „Erinnerungsbeauftragter der OSLw“ dar, wie aus Sicht der Luftwaffe die Pflege des „Fliegerhorst FFB“ als Erinnerungsort möglich sein könnte.

Der Teil III ist überschrieben mit „Konzepte“. Er enthält konkrete Ideen für das Museum. Ralf-Gunter Leonhardt schildert aus seiner Sicht als Leiter des Militärhistorischen Museums Flugplatz Berlin-Gatow wie in einem Fliegerhorst-Museum zum einen die Geschichte des Standortes aufgezeigt werden kann, äußert aber auch Bedenken und zeigt die Hürden auf, die es zu überwinden gilt. Dr. Werner Hanak-Lettner, Chefkurator am Jüdischen Museum in Wien, setzt sich mit Ideen und Denkansätzen für ein Museum am ehemaligen Fliegerhorst auseinander. Die Wissenschaftliche Angestellte im Bayerischen Nationalmuseum und wissenschaftliche Beraterin des Landratsamtes FFB für die Realisierung eines Erinnerungsortes zum Olympia-Attentat von 1972, Dr. Angelika Schuster-Fox, erinnert an das Olympia-Attentat, und untersucht die verbindenden Elemente zwischen „Fliegerhorstmuseum“ und Erinnerungsort Olympia-Attentat.

Der vierte und letzte Teil des Buches enthält Ansätze zur Konversion des Fliegerhorstes. Prof. Mark Michaeli, Lehrstuhlinhaber für Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land an der Technischen Universität München und Dipl.-Ing. Architektin Nadja Häupl stellen in verkürzter Form ihre konzeptionellen Überlegungen und Erkenntnisse aus den Vorbereitenden Untersuchungen zur Konversion des Fliegerhorstes dar.

Der Sammelband ist in einer Auflage von 600 Exemplaren erschienen. Kaufen kann man das Buch am Info-Point im Brucker Rathaus zum Preis von 19.90 Euro.

Dieter Metzler

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