Fallstricke bei Konversion

Fliegerhorstgelände in Fürstenfeldbruck stellt Stadt und Gemeinden vor große Aufgaben

Luftbild der Offizierschule der Luftwaffe der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck
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Luftbild der Offizierschule der Luftwaffe der Bundeswehr

Fürstenfeldbruck - Nach einer mehrstündigen Debatte fasste der Konversionsausschuss auf seiner jüngsten Sitzung einen Grundsatzbeschluss zur Auslobung eines städtebaulichen Wettbewerbs für die Nutzung des Areals nach Abzug der Bundeswehr. Kopfzerbrechen bereitet nach wie vor die ungeklärte Frage eventueller Altlasten auf dem Gelände.

Nadja Kripgans-Noisser, Konversionsbeauftragte der Stadt, mahnt zur Eile. Es sei „sinnvoll, jetzt mit einem Planungsprozess zu beginnen.“ Auch wenn die Bundeswehr voraussichtlich erst Ende 2026 abzieht, brauche man ein Rahmenkonzept, das über die nicht sehr konkret formulierten Leitlinien hinausginge, denn bisher bestünden keine klaren Vorstellungen darüber, wie das Gelände anschließend entwickelt werden soll, „außer, dass wir dort arbeiten und wohnen wollen.“

Auslobungstext wird in den nächsten

Vorgesehen ist ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren mit umfassender Öffentlichkeitsbeteiligung. Hierfür soll auf Vorschlag der beiden Stadträte Dieter Kreis (ÖDP) und Andreas Rothenberger (BBV) ein Bürgerrat, bestehend aus Einwohnern Fürstenfeldbrucks sowie der Anrainergemeinden Maisach, Emmering und Olching, ins Leben gerufen werden. Der Auslobungstext für den Wettbewerb wird in den kommenden Monaten erstellt und dem Stadtrat zur Genehmigung vorgelegt.

Beschriftung Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Sorge bereitet indes die nach wie vor ungeklärte Frage eventueller Altlasten, die sich auf dem Areal befinden. Martin Höckenreiner vom Umweltbeirat machte darauf aufmerksam, dass die Zeitspanne der Altlastenbearbeitung vom Verdacht über die Erkundung bis hin zur Sanierung „durchaus bis zu sieben Jahre“ betragen kann. Und „ohne Kenntnisse der Altlastensituation ist eine Bauleitplanung unmöglich.“ Der studierte Geologe und Experte für Altlasten rät, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) und die Bundeswehr aufzufordern, alle bisher erbrachten Gutachten und Kenntnisse bezüglich der Altlastensituation des Fliegerhorsts dem Landratsamt zu übermitteln. Neben Gebäudeschadstoffen wie Asbest oder PCB-haltigen Fugen vermutet Höckenreiner auch Kampfmittel, die noch im Boden schlummern, denn „zehn bis 20 Prozent der abgeworfenen Bomben im Zweiten Weltkrieg sind erfahrungsgemäß Blindgänger.“

Proben im Grundwasser ergaben bereits erhöhten PFC-Gehalt

Auch die Belastung des Grundwassers durch PFC-haltigen Löschschaum müsse eingehend untersucht werden. Proben im Grundwasserabstrom ergaben bereits einen PFC-Gehalt, der teilweise über dem Schwellenwert liege. Klaus Wollenberg (FDP) machte darauf aufmerksam, dass zwischen 1945 und 1960 zur Verlängerung der Startbahn von den Amerikanern einige Kiesgruben „mit allem möglichen zugeschüttet wurden, darunter alten Wagen und Flugzeugteilen inklusive Öl und Benzin.“ Für die Umwelt stelle dies keine Gefahr dar, befand Höckenreiner, da die Fläche durch die 60 Zentimeter Dicke Betondecke der Startbahn versiegelt sei, aber eine Bebauung mache dies sehr schwer. CSU-Fraktionschef Andreas Lohde empfahl dem Landkreis, eigene Gutachten in Auftrag zu geben, denn die Zeit drängt. „Denkmalschutz, Naturschutz, Emissions- und Immissionschutz sowie die Altlastenproblematik“ müssten bei der Bauplanung berücksichtigt werden und ließen das Baufenster immer kleiner werden.

Peter Fischer

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