Dr. Gerd Müller äußerte sich beim Neujahrsempfang der Maisacher CSU zur Flüchtlingsproblematik

Müller: "Keine höheren Zäune, sondern Lebensbedingungen vor Ort verbessern"

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Festredner beim Maisacher CSU Neujahrsempfang war Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller  

Maisach – „Wir lösen das Flüchtlingsproblem nicht, indem wir die Menschen in unserem Lande aufnehmen“, sagte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, beim Neujahrsempfang der Maisacher CSU am 5. Januar in der Schulsporthalle in Gernlinden. Man müsse bei der Aufnahme von Flüchtlingen zwar großherzig sein, aber man müsse vor allem in den Ländern investieren, aus denen die Menschen fliehen.

 „Lösen wir die Probleme aber nicht dort, so kommen die Menschen zu uns“, erklärte der Entwicklungsminister. Vor ca. 200 Gästen, darunter die CSU-Landesgruppenvorsitzende in Berlin, Gerda Hasselfeldt, erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet sowie die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Gabriele Off-Nesselhauf und etlichen Gemeinde- und Kreisräten, forderte Dr. Müller mehr Solidarität von der EU. Für Europa gebe es nur eine Chance, die innenpolitischen Herausforderungen mit der Flüchtlingskrise zu bewältigen: Nicht die Zäune und Schutzwälle höher ziehen, sondern die Fluchtursachen bekämpfen und in den Krisenzonen die Lebensbedingungen der Menschen verbessern. 

Die Flüchtlingskrise werde Europa langfristig die nächsten Jahre fordern. Man müsse das Asylverfahren beschleunigen und die illegalen Schleppertransporte stoppen. Weiter forderte Dr. Müller aber auch ein Umdenken im Konsumverhalten. Es gebe nicht viele Länder auf der Welt, die so gut dastehen wie Deutschland. Man solle dankbar sein für dieses Leben auf der Sonnenseite. Doch man müsse die Maßstäbe im Auge behalten, und den Menschen in anderen Ländern die gleichen Chancen einräumen. Zugleich müsse man der Verschwendung der Ressourcen entgegenwirken. 

Die Ehrengäste beim Maisacher CSU-Neujahrsempfang (v. li.): Vorsitzende der Frauen-Union Gabriele Off-Nesselhauf, Gattin von Bürgermeister Hans Seidl, Bürgermeister Hans Seidl, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Minister Dr. Gerd Müller, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt

Für die Politik bedeute dies, dass sie sich innerhalb der EU und auf internationaler Ebene dafür einsetzen müsse, den gesellschaftlichen Wandel hin zu nachhaltigem Produktions- und Konsumverhalten zu fördern. Man müsse die Textilindustrie beispielsweise stärker in die Pflicht nehmen, um in Produktionsländern wie Bangladesch bessere soziale und ökologische Mindeststandards zu erreichen, prangerte Dr. Müller die Hungerlöhne von Näherinnen in Bangladesch an. Im Angesicht der rasant wachsenden Bevölkerung auf der Erde werden die Herausforderungen immer größer, deshalb müsse weltweit ein Paradigmenwechsel im Denken und Handeln, sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern her. 

Nachhaltigkeit müsse das Leitprinzip werden. Man müsse mehr auf Lebensqualität setzen und nicht auf immer mehr Ressourcenverbrauch. Maisachs CSU-Ortsvorsitzender Christian Kemether bezeichnete bei seiner Begrüßung die Betreuung und Integration von Menschen, „die bei uns eine neue Heimat suchen“, als die größte und wichtigste Herausforderung seit 70 Jahren. Und Maisachs Bürgermeister Hans Seidl sagte bei seinem Grußwort: „Wir müssen den Flüchtlingen das Gefühl geben, willkommen zu sein.“ Auf die Gemeinde komme bei der Betreuung der Asylbewerber eine langfristige Aufgabe zu, die ohne ehrenamtliches Engagement nicht zu schultern sein wird, so Seidl. 

Dieter Metzler

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