Flugfeld Puchheim 100 Jahre - Bayerns erster Flugplatz 1910 - 1914 - Erinnerungsausstellung im Kulturcentrum PUC

„Völlig zu Unrecht“, wie die Ausstellungsmacher versichern, „ist dieser historische Ort der Fliegerei nur noch Wenigen bekannt …“ Jedoch: Das einstmals moosige, 76 Hektar große Flugfeld mit durchfließendem Ascherbach kam trotz einiger Widerstände auf Betreiben der Münchner Akademie für Aviatik als erster Bayerischer Flugplatz zustande, begünstigt durch den bereits vorhandenen Bahnanschluß.

Und entwickelte sich zu einem Publikumsmagneten erster Güte. Mit der „Großen Münchner Flugwoche“ vom 22. bis 26. Mai 1910 begann der Run der „flugverrückten Besucher“ auf das damals eingefriedete Gelände an der heutigen Oberen Lager-straße/Lagerstraße, die in der Mehrzahl an einer sensationellen Flugakrobatik interessiert waren. Im Schnitt kamen täglich bis zu 12.000 Schaulustige pro Flugtag, was sich bis auf rund 50.000 am 23. Nov. 1913 steigerte: Hingerissen von den Sturzflügen des Franzosen Adolphe Pegoud. Um den nichtzahlenden Zaungästen den Blick auf die „sensationellen Flugschauen“ zu verwehren, hatten die Flugfeld-Erstbetreiber eine 2,5 m hohe und 4 Km lange Mauer um das gesamte Gelände ziehen lassen. Kostenpunkt: 40.000 Goldmark, die sich schon durch die allseits angebrachten ‚Reklameflächen’ bezahlt machten. Weiter entstand auf dem Gelände eine 3000 Menschen fassende Restauranthalle. Alles insgesamt erbaut in nur viermonatiger Rekordzeit. Nicht mehr zur Ausführung kam eine geplante Bade- und Kuranstalt mit über 60 Wannen. Die Gesamtkosten aller mit dem Flugfeld Puchheim verbundenen Investitionen beliefen sich auf eine viertelmillion Goldmark; nach heutigem Wert umgerechnet etwa 2,3 Mio Euro. Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs am 1. August 1914 endete das große Flugvergnügen in Puchheim. Gebäude und Gelände wurden später in ein Kriegsgefangenenlager umfunktioniert. Der (spätere) Pächter des Flugfeldes Puchheim, der Ingenieur Gustav Otto, unterhielt dort eine Flugschule. Mit den Motoren dieses leidenschaftlichen Luftfahrtpioniers wurden allein im Jahr 1912 = 100.000 Goldmark an Preisgeldern errungen. Die ‚Gustav Otto Flugmaschinenwerke’ firmierten ab 1916 als ‚Bayerische Flugzeugwerke’, umbenannt ab 1922 in ‚Bayerische Motoren Werke’ (BMW). Unter dem Titel „Feldflug“ loteten junge Künstler der Klasse Hien der Akademie der Bildenden Künste München die „Tiefen der Vergangenheit aus und werfen zugleich einen Blick in die Zukunft“. Der künstlerische Teil der Ausstellung wird begleitet von einem historischen Schwerpunkt mit bislang unbekannten Bildern/Fotografien, zeitgenössischen Berichten und einer umfassenden Dokumentation. Die Rückschau wurde gestaltet von Studierenden der Hochschule München - Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften - in Zusammenarbeit mit der vhs Puchheim sowie dem AK „Geschichte des Flugfelds Puchheim“. Weitere Fakten: www.flugfeld-puchheim.de Ausstellung bis zum 18. Juli - Öffnungszeiten im PUC: Mo 8-12, Di 8-12 u. 14-16 Uhr, Do 8-12 u. 14-18 Uhr, Fr 8-12 Uhr.

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