Forstwirtschaftlicher Wettbewerb in Schöngeising

Angehende Landwirte zeigten am Jexhof ihr Können

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Pia Huber ist stolz auf ihre Leistung.

Schöngeising - Schon von weitem hört man rund um den Jexhof laute Motorsägen-Geräusche. Auf dem Parkplatz des Bauernhofmuseums stehen etliche mit Warnwesten und Schutzhosen bekleidete Männer und Frauen. Allerdings werden hier heute keine Bäume gefällt – vielmehr geht es beim Forstwirtschaftlichen Wettbewerb darum, wie gut die angehenden Landwirte ihr Können in der Praxis anwenden.

Rund 45 Landwirtschaftslehrlinge aus Ausbildungsbetrieben der Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg werden einen Vormittag lang im sicheren Umgang mit der Motorsäge, in der korrekten Pflanzung junger Waldbäume und in ihrem forstlichen Fachwissen getestet. Auf dem Programm steht auch der sogenannte Fällschnitt. An einem 1,30 Meter hohen Stamm wird simuliert, wie ein Baum ideal umgesägt wird. 

Pia Huber holt 98 von 100 Punkten

Als eine der letzten Teilnehmenden nimmt Pia Huber die schwere Motorsäge in die Hand und klappt das Visier vor ihren Helm, um sich vor herumfliegender Späne zu schützen. Obwohl sie erst im Juli ihr Duales Studium begonnen hat, glückt ihr jeder Schnitt. Ihre männlichen Mitstreiter nicken anerkennend. 98 von 100 möglichen Punkten – Pia ist stolz. Die 18-Jährige ist auf dem Hof ihrer Großeltern in Scheyern groß geworden, saß mit ihrer Oma gemeinsam auf dem Traktor. Ihr Herz schlägt seit vielen Jahren für die Landwirtschaft. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert sie derzeit in einem Familienbetrieb, die Theorie büffelt sie an der TU Weihenstephan. „Ich habe großes Glück, dass mein Ausbildungsbetrieb so viel Wert auf Qualität und eine angemessene Behandlung der Tiere legt. Mir ist es wichtig, genügend Zeit zu haben, um mich um die Kälbchen persönlich zu kümmern“, erzählt sie. Auch politisch ist Pia Huber aktiv. Als jüngste Kommunalwahlkandidatin der ÖDP setzt Sie sich in ihrem Landkreis für eine nachhaltige Landwirtschaft ein, die sich rentiert und von der die Bauern mit ihren Familien leben können. Ihr Traum ist es, dass die Menschen erkennen, welche ökologischen Konsequenzen es bringt, qualitativ oft minderwertiges Fleisch, Obst und Gemüse aus anderen Ländern und Erdteilen zu importieren, nur um Geld zu sparen. 

Maria Pflugmacher pflanzt einen neuen Baum

Ein paar hundert Meter weiter setzt Maria Pflugmacher aus Obergriesbach zur gleichen Zeit eine Buche in die Erde. Denn um nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben, müssen nicht nur Bäume gefällt, sondern auch wieder neue gepflanzt werden. Mit einem kräftigen Tritt auf den Spaten hat die angehende Landwirtin zuvor ein Loch in der verschneiten Wiese ausgehoben. „Es ist wichtig, dass die Wurzeln genügend Platz haben und nicht gestaucht werden“, erklärt sie, bevor sie mit ihren Handschuhen locker die Erde in das Loch krümelt. „Schon beim Pflanzen legt man den Grundstock, ob ein Baum später einmal gut im Grund verankert ist und einem Sturm trotzen kann“. Sie möchte nach ihrer Ausbildung auf dem elterlichen Hof mithelfen, einem großen Milchbetrieb. Auch wenn Bäume pflanzen oder fällen später nicht zu ihren Aufgaben zählen wird, ist sie froh und dankbar über das vermittelte Wissen. 

Während Maria die Erde andrückt und den Stand des Setzlings prüft, beobachtet Roland Schörry, Waldfunktionsplaner der Bayerischen Forstverwaltung das Mädchen und trägt Punkte auf dem Bewertungsbogen ein. Er lobt ihre Sorgfalt und dass sie die richtigen Abstände zwischen den Pflanzen beachtet hat. Auch wenn die rund zehn Mädchen an diesem Tag einen guten Job gemacht haben – bei der Punktewertung müssen sie sich im Vergleich mit ihren männlichen Konkurrenten geschlagen geben. 

Mit 332 von 350 möglichen Punkten gewinnt Michael Leidl aus Ehekirchen-Seiboldsdorf vor Florian Graf aus Pflaumdorf mit 331 Punkten. Über den dritten Platz freut sich Stefan Bruckmayr aus Langenmosen. „Ich danke Euch für Eure tolle Leistung und freue mich, dass das Sturmtief Bianca rechtzeitig abgeebbt ist. Es war ein Wettbewerb auf hohem Niveau. Jeder kann stolz auf seine Leistung sein“, fasst Günter Biermayer, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck, zusammen und blickt zufrieden in den mittlerweile sonnigen Himmel. 

Nicola Becker

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