Portraits von Personen im Landkreis

Fotoausstellung "Nach uns die Zukunft" zeigt nachhaltiges Leben bei uns dahoam in Grafrath

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Wolfgang Guckenbiehl pflegt einen Lebensstil zugunsten von Zeit, von Geld.

Grafrath - Sie sammeln freiwillig Müll in der Landschaft auf, verzichten auf Fernreisen oder begrenzen bewusst ihren Konsum. Die Protagonisten, die in der Fotoausstellung „Nach uns die Zukunft – nachhaltiges Leben bei uns dahoam“ porträtiert werden, sind ganz normale Menschen von nebenan, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Bis auf eines: Sie alle engagieren sich auf ihre Weise für Klima und Umwelt. 

Das ehemaliges Landwirtsehepaar aus Unteralting Doris und Sepp Michel sind in ihrem Leben noch nie geflogen und vermissen es auch nicht.

Die Idee zu der Ausstellung stammt von Claudia Wolff-Lieser und Alice Vogel - Lehrerin die eine, Fotografin die andere. Beide engagieren sich bei „Klimaaktiv vor Ort“, einer überparteilichen Bürgerinitiative, die sich seit 2018 für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzt. Gemeinsam fanden sie in der Region - vor allem in ihrem Wohnort Grafrath und dem benachbarten Kottgeisering - Menschen, die mit ihrem Lebensstil zum Schutz des Klimas beitragen. Und zwar nicht, weil sie sich dazu zwingen, sondern weil es zu ihnen passt und es ihnen damit gut geht. Es sind Menschen aus allen Generationen, mit ganz unterschiedlichen Berufen und Lebenskonzepten. Vogel hat sie fotografiert, Wolff-Lieser lässt sie in Texten zu Wort kommen. 

Nachhaltiger Lebensstil ohne Verzicht

„Was uns klar wurde: Ein nachhaltiger Lebensstil muss keinen Verzicht bedeuten, kann Spaß machen und lässt sich ganz einfach ins tägliche Leben integrieren“, fassen die beiden zusammen. Da sind zum Beispiel Doris und Sepp Michel, ein ehemaliges Landwirtsehepaar aus Unteralting. Sie haben in ihrem Leben nur eine einzige Flugreise gemacht und dennoch nie etwas vermisst. „Wir hatten gar nicht das Bedürfnis, weit weg zu fliegen. In der Nähe gibt es so viele schöne Gegenden, die wollten wir erstmal kennenlernen“, berichteten die beiden im Gespräch mit Wolff-Lieser. Ihre Prioritäten sind klar: Statt viel Geld in Flugreisen zu stecken, geben sie lieber etwas mehr für nachhaltig produzierte Bio-Lebensmittel aus. Einen Lebensstil zugunsten von Zeit, nicht zugunsten von Geld pflegt Wolfgang Guckenbiehl. „Wenn ich mir etwas Neues kaufe, triggert das die Belohnungszentren im Gehirn, darauf baut die Konsumgüterindustrie. Aber ich bin ich, ich bin nicht der Kram, den ich besitze“, sagt der Familienvater, der viele Dinge in seinem Haus und Garten selbst gemacht hat. Und dem es wichtig ist, diese bewusste Haltung auch an seine Kinder weiterzugeben. Kinder sind ebenfalls unter den Protagonisten der Fotoausstellung – vier Kinder beim Müll sammeln im Wald. Jakob, Konsti, Maxi und Moritz brauchten weniger als zehn Minuten, um auf dem Waldweg zum Grafrather Bahnhof einen großen Eimer voller Abfall zu sammeln. Und sie zeigten im Gespräch mit Claudia Wolff-Lieser, dass sie schon genau wissen, worauf es ankommt – nicht nur darauf nämlich, den Müll richtig zu entsorgen, sondern ihn lieber gleich ganz zu vermeiden. 

Foto-Ausstellung im Herbst wieder in Grafrath

Die Kinder Jakob, Konsti, Max und Moritz sammelten Müll im Wald.

In der momentanen Situation bekommt die Foto-Ausstellung - die bereits in Grafrath gezeigt wurde und voraussichtlich im Herbst wieder zu sehen sein wird – eine besondere Brisanz. Denn was die Protagonisten immer praktizieren, kennzeichnet nun den Alltag der meisten Menschen. Es wird weniger konsumiert, weil viele Geschäfte geschlossen haben. Sämtliches Reisen ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Man geht mehr vor der eigenen Haustür spazieren und nimmt womöglich den Müll in der Landschaft wahr. Wolff-Lieser und Vogel überlegen: „Könnte man hiervon etwas in die Zeit nach Corona mitnehmen? Dann hätte die Krise etwas Positives – wir haben gemerkt, dass weniger mehr sein kann.“

Ulrike Osman

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