Franziska Fröhlich berichtet im Interview mit dem Germeringer Anzeiger über Wildbienen

Wenn es im Garten wild summt

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Weitere Bilder gibt es unter www.wildbienenzauber.de zu finden und auch einen Kalender für 2021 kann man demnächst erwerben: „Germeringer Wildbienen“.
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Germering – Die Germeringerin Franziska Fröhlich berichtet im Gespräch mit dem Germeringer Anzeiger über das Thema Germeringer Wildbienen. Im August letzten Jahres informierte sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Fotoausstellung „Germeringer Wildbienen“ in der Stadtbibliothek über die unterschiedlichen Arten, die es in ihrer Heimatstadt zu bestaunen gibt.

Germeringer Anzeiger (GA): Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit dem Thema Wildbienen zu beschäftigen? 

Franziska Fröhlich: Für mich fing alles an, als ich das Herzgespann in den Garten geholt habe, damit kam auch die Garten-Wollbiene. Das Männchen ist recht groß und zeigt ein interessantes Verhalten. Es verteidigt sein Territorium gegen andere Insekten. Auch gegen viel größere Hummeln. Diese Biene ist mir daher im Garten aufgefallen und ich habe gesehen, dass es Wildbienen überhaupt gibt. Vorher habe ich außer Honigbienen und Hummeln keine Bienen gekannt. Dann zogen mit den immer neuen Pflanzen auch neue Bienenarten ein. Irgendwann fing ich an, sie zu fotografieren, da man so die Merkmale mit Buchabbildungen am besten vergleichen kann, um sie zu bestimmen. Im Vergleich zu Honigbienen sind Wildbienen sehr scheu. Bewegt man sich zu schnell, sind sie gleich weg. Als wir schon einige Fotos hatten, kam mir die Idee, diese in einer Ausstellung zu präsentieren, um mehr Leute auf Wildbienen aufmerksam zu machen. Da mir das Thema am Herzen liegt, habe ich mittlerweile die Infos der Ausstellung in meine Webseite übernommen.

Wie viele Wildbienen Arten gibt es und kann auch der Laie sie unterscheiden? 

Es gibt in Deutschland über 560 Wildbienenarten. Diese sind in 40 Gattungen eingeteilt. Nicht alle Arten gibt es überall. In meinem Garten konnte ich 20 Bienenarten bestimmen. Insgesamt habe ich im Garten mit Sicherheit über 30 Arten. Ich kann aber nicht alle rein auf der Basis von Fotos bestimmen, da viele Arten ähnlich sind und man für eine genaue Bestimmung ein Mikro- kop bräucht, um beispielsweise die Flügel oder Fühler genau anzusehen. Als Laie kann man am ehesten die Wildbienen mit auffälligen Merkmalen bestimmen. Bei Hummeln kommt es darauf an, wo sie Streifen hat und in welcher Farbe. Gut zu erkennen sind Wollbienen, die Rostrote Mauerbiene, die Gehörnte Mauerbiene, die Graue Sandbiene, die Gelbbindige Furchenbiene und die Hummeln. Wildbienen sind im Allgemeinen viel spezialisierter als Honigbienen, zum Teil besuchen sie mit Vorliebe bestimmte Pflanzengruppen oder sogar nur ganz bestimmte Pflanzenarten. Gibt es also ihre Pflanzen nicht, verschwindet auch die Biene. Die Glockenblumen-Scherenbiene besucht nur Glockenblumen. Wenn es keine mehr gäbe, würde sie aussterben.

Wie unterscheidet sich eine Wildbiene von einer Honigbiene?

Die Honigbienen sind eine Konkurrenz für Wildbienen. Das ist den Wenigsten bewusst. Die Honigbienen kommen bei uns in unnatürlich hoher Dichte vor und ihre Volkstärke ist höher als sie in der freie Natur vorkommen würden. Unsere Honigbienen sind also auch auf Höchstleistung gezüchtet. Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit können sie den Wildbienen also den Pollen vor der Nase wegsammeln. Wenn man also den Bienen helfen will, ist es nicht hilfreich, wenn jeder Imker wird. Auch hier muss man auf das nötige biologische Gleichgewicht achten. Will man Wildbienen unterstützen pflanzt man am Besten geeignete Pflanzen und schafft Lebensräume. Dann ist für die Wildbiene der Weg vom Pollen zur Brutkammer nicht so weit. Bis auf Hummeln sind die meisten Wildbienen wesentlich kleiner. Von Honigbienen sieht man häufig mehrere. Bei Wildbienen sieht man meist nur wenige Exemplare. Mit der Zeit lernt man Wildbienen schnell von Honigbienen zu unterscheiden. Wildbienen sind häufig bepelzt. Wenn sie keinen Pelz haben, wie die Maskenbienen, kann man sie anhand der Größe von vier bis neun Millimetern – und/oder der Farbe unterscheiden. Eine Honigbiene (Arbeiterin) ist elf bis 13 Millimeter groß.

Was ist das Besondere an den Germeringer Wildbienen?

Das besondere an den Germeringer Wildbienen ist, das sie hier etwas zu Essen und Nistplätze finden müssen. Die kleinen Wildbienenarten (unter zehn Millimeter) fliegen zur Nahrungsaufnahme 100 bis 300 Meter weit, die meisten großen Arten (über 15 Millimeter) schaffen vermutlich 600 bis 1.300 Meter. Sie können also nicht nach Puchheim fliegen, um Pollen zu sammeln. Wenn unsere Germeringer Wildbienen den Pollen nicht hier vor Ort finden, sterben sie bei uns in Germering lokal aus. Und da es wenige zusammenhängende Blühstreifen gibt, können sie auch schwer wieder einwandern. Das Besondere ist, dass es in Germering in jedem Garten Wildbienen gibt. Man muss nur einen Blick für sie entwickeln. Schon mit einfachen Mitteln und mit wenig Platz kann man mehr Wildbienen in den Garten locken. 

Was kann ich in meinem Garten/auf meinem Balkon tun, um Wildbienen zu unterstützen? Und was im alltäglichen Leben?

Wildbienen wird man nur sehen, wenn sie etwas zu essen und Nistplätze finden. Insektenhotels sind ja überall präsent, aber nur für 25 Prozent der Wildbienen geeignet. ‚Dreiviertel aller Wildbienen nisten im Boden. Sie brauchen deshalb sonnige, spärlich bewachsene bis kahle Flecken, um ihre Nester im Garten bauen zu können. Ist ein Bereich nicht bewachsen, diesen auf keinen Fall mit Rindenmulch oder Kies abdecken – dann hat auch der Wildbienennachwuchs eine gute Kinderstube‘ (Ein Auszug aus einer Kooperation mit dem LBV). Als Pflanzen braucht man möglichst heimische Pflanzen. Man kann schon mit einzelnen Stauden Wildbienen unterstützen. Hat man Wegwarte und Taubenskabiose im Garten, wird man mit Sicherheit die Gelbbindige Furchenbiene sehen. Ehrenpreis und Ysop ziehen Hummeln an. Mit Glockenblumen kann man viele Wildbienen in den Garten locken. Eine kleine Weide macht viele frühe Wildbienen glücklich. Wenn der Balkon nicht zu hoch ist, kann man auch dort Wildbienenhäuser und markhaltige Stängel anbringen. Viele Stauden sind winterhart, wie der Steinquendel oder Gewürzsalbei. Die überleben auch gut im Balkonkasten. Wenn sie blühen, ziehen sie Wildbienen an. In meinem ausgetrockneten Balkonkasten wächst zwar gerade nichts und ich gieße ihn auch nicht, aber eine Blattschneiderbienenart ist dort eingezogen. Daher lasse ich ihn hängen, auch wenn er eigentlich kaputt ist. Es können also auch erdnistende Bienen in Balkonkästen einziehen. Im Garten sollten keine Insektizide oder Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden. Insbesondere Unkräuter, besser Wildkräuter genannt, sind für viele Wildbienenarten als Pollenquellen geeignet. Möglichst viele Bio-Artikel kaufen, denn bei deren Herstellung werden keine Mittel eingesetzt, die Bienen schaden. Nicht den ganzen Vorgarten mit Kies oder Mulch abdecken. Das ist wie eine Bodenversiegelung für die Bienen.

Wie lebt eine Wildbiene?

Die meisten Wildbienen leben solitär. Sie befüllen alleine Brutkammern mit Pollen und Nektar, legen ein Ei hinein und verschließen die Kammern. Erst dann bauen sie die Nächste. Bei der Eiablage können sie das Geschlecht der zukünftigen Biene kontrollieren. Eine solitäre Wildbiene legt in ihrem kurzen Leben zehn bis 30 Zellen an, wobei 30 der Idealfall ist. Wenn zum Beispiel ihre Pflanzengruppe, die sie für Pollen besucht, nicht mehr blüht, stirbt sie. Die Nachkommen schlüpfen erst im nächsten Jahr.

Frau Fröhlich, was fasziniert Sie so an den Wildbienen?

Die Vielfalt der Bienen. Ihre Lebens- und Verhaltensweisen sind faszinierend. In Makroaufnahmen sieht man die Schönheit der Bienen. Wildbienen sind wenig bekannt, aber sehr bedroht. Um die Honigbienen kümmert sich der Imker, wenn ich mich für Wildbienen einsetze, kann ich einen kleinen Beitrag zum aktiven Naturschutz vor der Haustür leisten.

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich werde immer neue Pflanzen und Nistmöglichkeiten in meinem Garten anbieten, um spezielle Arten wie die Blauschwarze Holzbiene anzulocken. 

red

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