Die Free Bavarian Indians in Olching versuchen das Leben der Ureinwohner Amerikas nachzuempfinden

Tausche Motorrad gegen Schwarzfußzelt

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Die Free Bavarian Indians aus Olching: v.l Helmut Strehler (2. Vorstand), Irene Ehrmann (Schriftführerin), Norbert Voß (1. Vorstand) und seine Frau Sabine Voß.
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Olching - Eine sinnliche Melodie auf einer Flöte vor dem Haus einer fremden Frau zu spielen, führt im schlimmsten Fall zu einer Anzeige wegen Ruhestörung. Ganz anders bei den Indianerfrauen im Wilden Westen, da wurde das Flötenspiel sogar bewertet. Die „ Free Bavarian Indians“ mit Irene Ehrmann, Helmut Strehler und Norbert und Sabine Voß gehören einem Indianerstamm an, der das Leben der amerikanischen Ureinwohner nachempfinden möchte.

Die Vier sitzen in einem ehemaligen Pferdestall gemütlich bei Kaffee und Kuchen in Esting bei Olching zusammen. Der ganze Stall ist „indianisch“ eingerichtet. An der Wand hängen verschiedene Repliken von "Waffen", ein Tomahawk, eine große Trommel und auf dem Tisch liegt eine dunkelbraune „Liebesflöte“ aus Zedernholz.

„Auf dieser Flöte spielten die Indianerjungen, wenn sie ein Mädchen toll fanden“, erzählt Sabine Voß. Die Männer saßen dann draußen vor dem Zelt der Frau und spielten. Gefiel der Angebeteten das Spiel, kam sie heraus, ansonsten blieb sie drinnen“. Beim traditionellen „Powwow“, einem Tanzfest, bei dem die verschiedenen Indianerstämme alle paar Jahre zusammenkommen und sich über die vergangene Zeit austauschen, wird diese spezielle Flöte jedoch nicht gespielt. Bei diesem Fest tanzen Indianer und Indianerinnen zum Takt der Trommeln.

Sabine Voß stellt eine Kriegerin mit passendem „War Shirt“, das traditionelle Kriegshemd der Indianer dar. Das kommt nicht immer gut an: „Kriegerinnen werden oft blöd angemacht“, gesteht sie. Das Shirt nähte sie aus vier Hirschlederzuschnitten und schmückte es anschließend mit Perlen, die „Ponybeads“ heißen. Die Perlen tauschten die Ureinwohner ursprünglich gegen Felle ein und nutzten deshalb Stachelschweinborsten bei der Verzierung ihrer Gewänder, die deutlich schwerer zu verarbeiten waren, als die Beads.

Die Vorlagen für Kleidung, Schuhe, Kopfbedeckung und Schmuck gewinnen die Bavarian Indians aus alten Fotos, Aufzeichnungen oder Büchern und fertigen sie anschließend nach den eigenen Vorstellungen an. „Man kann die Muster kopieren, aber wenn man sich schon die Mühe macht, sollte man die Kleidung nicht 1:1 abbilden“, meint der 2. Vorsitzende Helmut Strehler aus Erding. Das sei auch nicht gewünscht, da der Träger viel Zeit in die Kleidungsstücke investiert und deshalb keine simple Kopie entstehen soll.

Doch nicht nur das äußerliche Auftreten der Männer und Frauen lässt auf eine indianische Seeleverwandschaft der Mitglieder schließen. Jedes Mitglied trägt einen zweiten indianischen Namen „in sich“, der entweder vergeben oder im Wörterbuch der Blackfoot, einer indianischen Stammesgruppe, ausgesucht wurde. „Ich heiße Tatanka O-Hittita, das bedeutet Büffel der tapfer ist, Hüter und Beschützer eines Volkes“, erklärt Helmut Strehler, dem ein Indianer diesen Namen verlieh. Sabine Voß nannte sich Dream Wave, Norbert Voß ist der Grey Wolf, aufgrund seiner grauen Haare und Irene Ehrmann trägt den indianischen Namen Mma-aohkii, der für Mondwasser steht.

„Pferd und Indianer“. Für Irene Ehrmann aus Kaufering gehörten diese Begriffe einfach zusammen. Schon als kleines Kind las sie, wie viele der Mitglieder, Karl Mays „Winnetou“ Bücher und spielte mit ihrer Freundin Indianer. Seit sechs Jahren ist sie Teil der Gemeinschaft und zeigt sich besonders durch die Kindererziehung der Indianer beeindruckt. „War ein Kind unartig, bekam es einen Spritzer Wasser ins Gesicht, das reichte meist schon aus, um ihm zu zeigen, dass es sich falsch verhalten hatte“, erzählt sie.

Auch Sabine Voß war schon von Kindheit an ein Indianer Fan. Sie faszinierte vor allem welch enges Verhältnis die amerikanischen Ureinwohner gegenüber der Natur pflegten. Dem Verein trat die Grundschullehrerin bei, als sie in einer Zeitungsannonce las, dass die Olchinger Indianer weitere Mitglieder suchten. Mit 32 Jahren nähte sie ihr erstes Kriegeroutfit, kurz darauf tauschte sie ihr Motorrad gegen ein echtes Schwarzfußzelt, das ein Bekannter aus Amerika mitbrachte.

Die Bavarian Indians treten zwar in Schulen und Kindergärten auf, dennoch sollten sich die Kinder vorher in Rahmen von Projekten mit den Indianern beschäftigt haben, da der Verein nicht nur als Unterhalter verstanden werden möchte. „Von Faschingsvereinen bekamen wir oft Anfragen, aber mittlerweile wissen die, dass wir nicht kommen, so der 1. Vorstand Norbert Voß.

Er und die anderen Mitglieder hoffen, dass das Interesse an den amerikanischen Ureinwohnern und ihrer Kultur wieder zunimmt und er bald neue Mitglieder begrüßen kann: „Wer interessiert ist, ist jederzeit willkommen und muss auch nicht sofort in den Verein einsteigen“, meint er abschließend.

Zum Verein:

Der Verein wurde 1993 in Esting/Olching unter dem Namen „Free Bavarian Indians“ gegründet, deren derzeitiger 1. Vorstand Norbert Voß ist. Der Verein stellt fast ausschließlich Indianerstämme der Plains, also Prärie dar. Viele Mitglieder kommen von weit her, aus Murnau, Landshut und sogar aus Österreich und treffen sich alle drei Wochen zum gemeinsamen Trommeln. Der Mitglieder bieten Auftritte in Schulen, Kindergärten und Firmen an. Nebenbei nehmen sie an verschiedenen Weiterbildungen zur Sprache und Kultur der Indianer teil.

Weitere Informationen zu den Free Bavarian Indians : www.fbi-olching.com

Felix Hamann

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