Freisprechungsfeier: 43 junge Menschen bekommen Gesellenbriefe

Freisprechungsfeier: Transfersummen für Handwerker als Lösung?

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Die vier Innungsbesten (von links): Eva Knoll (Schreiner), Simon Dittrich (Metzger), Luis Multerer (Bau) und Linda Remlein (Friseur).

Bei der Freisprechungsfeier der Bäcker-, Metzger-, Schreiner-, Bau, Maler- und Lackierer- sowie Friseurinnung wurden auch die besten Lehrlinge mit dem Anton-Hoch-Gedächtnispreis ausgezeichnet.

Fürstenfeldbruck - Bei der Freisprechungsfeier der Brucker Kreishandwerkerschaft konnten 43 junge Frauen und Männer ihre Gesellenbriefe entgegennehmen. Zum letzten Mal würdigte Kreishandwerksmeister Harald Volkwein in der Aula des Graf-Rasso-Gymnasiums die jungen Menschen, die nach dem Schulabschluss eine Handwerkslehre gewählt haben und sich damit gegen das derzeit gängige Bildungsklischee entschieden haben, nach der Schule eine weiterführende Schule zu besuchen. Volkwein tritt bekanntlich bei den Neuwahlen im November zum Kreishandwerksmeister nicht mehr an. „Sie haben mit dem erfolgreichen Abschluss eine tragfähige Grundlage für ihr zukünftiges Berufsleben gelegt“, sagte Festredner Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern und gratulierte den Gesellen zur bestandenen Prüfung. Die Chancen im Handwerk seien heute so gut wie lange nicht mehr, meinte Hüpers. Die Stimmung im Handwerk ist nach wie vor gut, die Auftragsbücher sind voll. So sei es schwierig, einen Handwerker in angemessener Zeit zu bekommen. „Sie haben hervorragende Karriere-Perspektiven. Sie müssen sich aber Ihre Wettbewerbsfähigkeit immer wieder erarbeiten.“

Ermutigung zum Meister fortzubilden

Das Wort vom lebenslangen Lernen sei keine leere Phrase, so der Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer. Er ermutigte die Junggesellen, sich zum Meister fortzubilden und begrüßte in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Politik, die Meisterpflicht für zahlreiche Berufe wieder einzuführen, die im Jahre 2004 abgeschafft wurden. „Ich würde mir wünschen, wenn Sie dem Handwerk treu bleiben“, wies Hüpers auch auf die Möglichkeit hin, als Meister ein Studium aufzunehmen. Zuvor hatten Volkwein sowie die beiden Grußwortredner, der stellvertretende Landrat Ulrich Schmetz und die Leiterin der Berufsschule Andrea Reuß, die Bedeutung des Handwerks für die Gesellschaft herausgestellt. 

Handwerksbetrieb kostet Lehrling jährlich rund 5.000 Euro

„Gold und Edelsteine sind so teuer, weil sie so selten sind“, sagte Volkwein, „Handwerker sind so wertvoll, weil sie so selten sind.“ Der Kreishandwerksmeister bemängelte die Abwanderung der Fachkräfte beispielsweise zur Polizei, Bundeswehr oder Feuerwehr. „Das tut richtig weh.“ Das Handwerk blutet aus, wenn man die Handwerker „kampflos“ ziehen lasse. Die Ausbildung eines Lehrlings kostet einem Handwerksbetrieb jährlich rund 5.000 Euro. Im Sport gäbe es Transfersummen, die sollte man vielleicht auch hier einführen, so Volkwein. „Die Gesellschaft kann ohne Handwerk nicht bestehen“, sagte Schmetz. Orte veröden, wenn Handwerksbetriebe der Reihe nach geschlossen werden. „Es ist für uns eine kommunalpolitische Verpflichtung, entsprechende Gegebenheiten mit zu schaffen, dass Handwerker in der Lage sind, ihre Betriebe bei uns aufrecht zu erhalten.“ „Sie stehen heute oben auf dem Gipfel und haben gigantische Aussichten“, rief Reuß den Junggesellen zu. 

Die besten vier Innungsbesten wurden ausgezeichnet

„Darauf dürfen Sie stolz sein, doch bleiben Sie nicht stehen. Es gibt weitere Gipfel zu erklimmen. Um „Meister Ihres Fachs“ zu werden, müssen Sie sich neuen Herausforderungen stellen, frei nach Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel „Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Mit Luis Multerer (Maurer), Lina Remlein (Friseurin), Simon Dittrich (Fleischer) und Eva Knoll (Tischlerin) wurden vier Handwerker/-innen als Innungsbeste ausgezeichnet. Zwölf Gesellen/-innen erfüllten die Kriterien zur Auszeichnung mit dem Anton-Hoch-Gedächtnispreis (Gesamtnote bis zwei). Die Urkunden, Geldpreise und eine Fahrt nach Berlin, eingeladen von der Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler, überreichten Hüpers und Volkwein. Beim Schreiner-Wettbewerb „Gute Form“ gab es mit Viktoria Vilgertshofer (Alling) und Luis Bartler (Schöngeising) zwei Sieger. Der Friseurmeisterbetrieb von Susanne Bittner und ihrer Geschäftspartnerin Gabriele Hartl in Egenhofen wurde von Ehrenkreishandwerksmeister Franz Höfelsauer mit einer Ehrenurkunde der Handwerkskammer zum 25-jährigen Betriebsjubiläum ausgezeichnet. 

Dieter Metzler

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