Die Puchheimer Abiturientin Julia Salcher arbeitete in einem Freiwilligen-Projekt in Israel

Vier Monate als Volunteer in einem jüdisch-arabischen Friedensdorf

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Julia Salcher, Abiturientin aus Puchheim, arbeitete vier Monate als Volonteer in einem jüdisch-arabischen Friedensdorf in Israel. Sie berichtet am 27. 9. 15.30 Uhr auf Einladung des Puchheimer Podium im Pfarrheim Maria Himmelfahrt in Puchheim-Ort über ihren Einsatz. 

Puchheim – „Israel – um Gottes Willen, hast Du keine Angst?“ Das hat die mittlerweile 19-jährige Puchheimer Abiturientin Julia Salcher oft gehört, als sie sich nach einer intensiven Internet-Recherche für einen viermonatigen Freiwilligen-Einsatz in der „Oase des Friedens“, Neve Shalom Wahat-al-Salam entschied. Der Einsatz in dem von Bruno Hussar auf dem Grundstück des benachbarten Klosters von Latrun gegründeten Friedens-Dorfes dauerte vom 10. November 2013 – 9. März 2014. Hier leben derzeit 68 jüdische, muslimische und christliche Familien in ihren Häusern friedlich zusammen, ihre Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Am 27. September, 15.30 Uhr wird Julia auf Einladung des Puchheimer Podium im Pfarrheim Maria Himmelfahrt in Puchheim-Ort über ihre Erfahrungen in Israel berichten.

Julia Salcher, Puchheim (3. vl.l.) mit anderen Freiwilligen in Israel.

 „Angst, wovor?“ fragt die 19-jährige zurück, wenn Gesprächspartner wegen ihres Israel-Aufenthaltes besorgt reagierten. Ein Unfall oder auch ein Anschlag könne weltweit geschehen,  hält sie dagegen.  Als sie damals ihre Pläne mit ihren Eltern besprach, lief sie offene Türen ein. Die Eltern lernten Israel durch eine Pilgerreise mit einer katholischen Pfarrgemeinde kennen und schätzen.

Julia arbeitet seit ihrer Rückkehr aus Israel im BRK-Notruf in München – bis sie ihr Kombinationsstudium in Religionspädagogik und Sozialwissenschaften an der Außenstelle der Kath. Stiftungshochschule in Benediktbeuren antreten kann. Parallel dazu habe sie sich auch in das langwierige Auswahlverfahren für die Ausbildung als Fluglotse begeben, erzählt sie. Die erste Hürde hat sie schon genommen.

Befremdlich: Märtyrer-Transparent im Westjordanland.

„Bevor ich nach Israel ging, war ich schüchtern“, sagt die 19-jährige, die eine große Ruhe und Selbstbewusstsein  ausstrahlt.  Sie bewarb sich nicht über eine  Organisation. In den Genuss eines  Seminar-Programms  für Volonteers, wie es bei vielen internationalen Projekten Standard ist,  kam sie dadurch nicht.  Die viermonatige Arbeit in dem Hotel des Friedensdorfes und im angeschlossenen Café wird nur mit einem Taschengeld entlohnt. Man sei eben als junger Freiwilliger – wie bei anderen Projekten auch - in erster Linie eine billige Arbeitskraft. Aber sie habe soviel mehr gewonnen, als man in Geld aufwiegen könne: Einsichten zum Leben in Israel: „Die Menschen dort arbeiten sehr hart. Ich habe gelernt, viel geduldiger zu werden, ich hatte ja keinen Stress und keine Verpflichtungen."

Über die Gründung des Dorfes informiert Wikipedia: „Die Idee, Bildungseinrichtungen aufzubauen, welche die Grundsätze von NS/WS, friedliche Partnerschaft und Gleichberechtigung, realisieren, entstand mit der Geburt der ersten Kinder im Dorf. Eine binationale Kinderkrippe wurde eingerichtet und bald darauf ein Kindergarten und eine Grundschule, die einige Jahre später auch für Kinder von außerhalb des Dorfes geöffnet wurde.“ Der Kindergarten sei während ihres Einsatzes nicht  mehr aktiv gewesen,  auch der mehrsprachige Unterricht derzeit nur noch außerhalb des Schulbetriebs  möglich, korrigiert Julia.  Die Einrichtung unterhalte sich ausschließlich aus der Stiftung und Spenden, das  angeschlossene  Hotel  sei wegen der abgelegenen Lage nicht voll ausgelastet,  und man habe den Eindruck, dass das Experiment in der einsam gelegenen „Oase des Friedens“ von offizieller Seite eher distanziert wahrgenommen werde. Der deutsche Verein "Freunde von Neve Shalom/Wahat al Salam e.V." wurde 1975 von Teilnehmern der Jährlichen Jüdisch-Christlichen Bibelwoche im Hedwig-Dransfeld-Haus Bendorf ins Leben gerufen und ist ein Förderer des Projekts. 

Blick auf das einsam gelegene Friedensdorf  Neve Shalom Wahat-al-Salam vom Standpunkt der Klosterruine des alten Klosters von Latrun aus fotografiert.

Das an der Autobahn Tel Aviv-Jerusalem oberhalb von Latrun gelegene Friedens-Dorf wurde von jüdischen und arabischen Staatsbürgern Israels gemeinsam aufgebaut. Sogar ein Schwimmbad wurde eingeplant.  Zur einzigen Bushaltestelle  müssen Dorfbewohner  40 Minuten laufen, um dann nach Jerusalem fahren zu können. Einige Male wurde den Volonteers ein Auto des Friedensdorfes zur Verfügung gestellt – für Ausflüge nach Haifa, Akko, Caesarea,  zum Mitzpe Ramon-Krater, von wo aus der Wüstentourismus (Negev) startet,  und nach Aschkelon, der früheren Stadt der Kanaaniter und später der Philister, die im 14. Jahrhundert v. Chr. zu Ägypten gehörte. Bekannt ist die am Meer gelegene  "Entwicklungsstadt"  durch ihren archäologischen Park.  Befremdlich wirkte ein übergroßes Märtyrer-Transparent auf die jungen Volonteers, das sie in bei ihrer Fahrt in einem Ort  im Westjordanland fotografierten. Jericho, eine Stadt in den Palästinensischen Autonomiegebieten, vier Kilometer von der jordanischen Grenze entfernt in der Nähe des Toten Meeres gelegen,  passierten  sie erst in der Dämmerung, und aus Sicherheitsgründen hielten sie mit ihrem Auto mit israelischem Kennzeichen nirgendwo an.  Das Westjordanland (Quelle: Wikipedia)  besitzt ein Straßennetz von rund 4500 Kilometern, von denen 2700 Kilometer asphaltiert sind. Es existieren vier Typen von Straßen: Die meist schlecht ausgebauten Straßen, die für alle Fahrzeuge zugänglich sind, Straßen, die für Fahrzeuge mit israelischen Kennzeichen frei, für Fahrzeuge mit palästinensischen Kennzeichen nur mit besonderer Bewilligung zugänglich sind, Straßen, die Fahrzeugen mit israelischen Kennzeichen vorbehalten sind und Straßen, die für israelische Fahrzeuge gesperrt sind.  Die Benutzung der Straßen wird an Grenzkontrollpunkten überprüft.

Das Foto entstand bei einem gemeinsamen Ausflug mit Arbeitern des Friedensdorfes.

Julia: „Einer der Ausflüge in Israel war für mich sehr beeindruckend, zuerst frösteln in der Wüste bei 10 Grad und dann ein Spaziergang an der warmen Mittelmeerküste mit einem fantastischen Sonnenuntergang.“ Dass am Schabbat  keine Busse fuhren, habe sie bald nicht mehr vermisst: „Wir haben von Freitagabend bis Samstagabend Gelegenheit gehabt, vom Alltag runterzukommen, eine wirkliche Ruhepause zu erleben, und das Schönste für mich war, in einer großen Gemeinschaft Schabbat  zu feiern.“ Das habe seinen ureigenen Sinn, stellte die Deutsche fest, vor allem da sie in ihrem Heimatland viele Burnout-Fälle kennt. Auch das christliche Weihnachtsfest wurde gefeiert, und selbstverständlich waren dazu auch muslimische Gäste eingeladen, wie auch bei der jüdischen Bat Mitzwa-Feier (religiöse Mündigkeit eines Jungen). Julia lernte bei ihrer Arbeit  muslimische Araber, Beschäftigte  mit der sog.  „Blauer Karte“ kennen und solche, die jeden Tag z.B. aus Ost-Jerusalem zur Arbeit ins Friedensdorf pendeln.

Arabische Arbeiter des Friedensdorfes.

Mit den im Friedensdorf lebenden muslimischen arabischen Familien ergaben sich jedoch keine Kontakte: „Bei ihnen spielt sich das Familienleben traditionell fast ausschließlich im Haus ab“. Die ausländischen Volonteers aus Schweden, Deutschland, Österreich oder Italien bewohnen jeweils zu zweit eine Zwei-Zimmerwohnung mit einem gemeinsamen Bad und einer kleinen Küche. Morgens saßen alle zusammen gemeinsam beim überaus köstlichen Frühstück, abends kochte jede WG selbst. Nur einmal pro Woche wird der Lebensmittel-Vorrat eingekauft. „Da muss man schon überlegen, wie man seine Mahlzeiten plant.“ Julia, deren Eltern beide im Schichtdienst arbeiten, war schon vorher sehr geübt in der Hausarbeit.  Inzwischen ist sie durch den Freiwilligen-Aufenthalt ein echter Profi, wenn es um Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Waschen, Betten überziehen, Speisen servieren, und die Reinigung der Wohnung geht. 

 

Julia schwärmt vom israelischen Frühstück und von der arabischen Küche. Vor allem das aus Kichererbsen zubereitete Hummus – gleichermaßen beliebt bei jüdischen und arabischen Familien – hat es ihr angetan. Man bereitet es zu aus Tahini  (einer Sesampaste), zuvor eingeweichten und gekochten Kichererbsen, Kreuzkümmel, Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauch, Salz. Bei ihrem Vortrag in Puchheim wird  Julia Salcher  einige Kostproben aus der arabisch-israelischen Küche vorstellen, Bilder zeigen, Geschichten erzählen. Dabei wird Wolfram Rothert Klezmer-Musik präsentieren und die Tanzgruppe Alling israelische Tänze vorführen(Eintrittsgebühr: 5 E).

Hedwig Spies

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