Fritz Drexler hat die Geschichte des Stadtteils erforscht

Reise in Unterpfaffenhofens Vergangenheit

Ein Bild aus alten Zeiten: Ein Ochse zieht behäbig einen Karren durch das alten Unterpfaffenhofen.

Germering – Über den Dorfweiher dümpeln Gänse, auf der holprigen Straße schlürft ein Ochsenfuhrwerk dahin – Unterpfaffenhofen war im 19. Jahrhundert ein verschlafenes Nest. Fritz Drexler aus Nebel hat über zwei Jahre lang die Historie des heutigen Stadtteils erforscht. 

Unterpfaffenhofen, Salzstraße 30: Ein Obstbaum blüht im Garten, auf den Balkonen grüßen die Frühlingsblumen: Was wohl weder die Germeringer noch die Bewohner des Anwesens wissen: Dort lebte im 17. Jahrhundert ein gewisser Christoph Bschor – ein Vorfahre der Familie Pschorr, die ihren Namen durch ihre Braukunst einmal weltberühmt machen sollte. Fritz Drexler könnte unzählige solcher Anekdoten erzählen. Mehr als zwei Jahre hat der Controller im Ruhestand die Geschichte Unterpfaffenhofens erforscht, ist wie ein Detektiv in längst vergangene Zeiten eingetaucht und macht sie zumindest für einen Moment wieder lebendig. 

Durch Unfall zum Hobby-Historiker

Dass der 71-Jährige zum Historiker wurde ist allerdings einem Zufall zu verdanken. Bei einem bei der Waldarbeit verletzt sich Drexler an der Schulter. Nichts dramatisches, aber die Kettensäge ist für den umtriebigen Rentner erst einmal tabu. Also wendet sich Drexler einer weiteren Leidenschaft zu. Die Geschichte seiner Vorfahren hat der Nebeler schon erforscht – jetzt wendet er sich der Historie seines Geburtsortes Unterpfaffenhofen zu. Denn die ist, wie er findet, im Gegensatz zur Germeringer Vergangenheit noch nicht genügend ausgeleuchtet worden. 

Die richtigen Quellen anzapfen

Es ist der Beginn einer mehrjährigen Reise in die Vergangenheit. Doch wo soll sie beginnen? Von der Ahnenforschung kennt Drexler bereits einige Quellen, die er anzapfen kann. Die Basis bildet das Grundsteuer-Kataster im Staatsarchiv in München. Schnell wird der 71-Jährige dort zum Stammgast, schickt die Mitarbeiter immer wieder auf die Reise durch die kilometerlangen Regale, um ihm die gewünschten Dokumente herauszusuchen. „Es ist wirklich faszinierend, was damals alles erfasst worden ist. Ein Paradebeispiel deutscher Gründlichkeit“, sagt Drexler. Durch die Hausnummern und die dazugehörigen Hofnamen bekommt der Hobby-Historiker ein erstes grobes Bild, wie der Ort im vorvergangenen Jahrhundert ausgesehen haben muss. Geografische Pläne aus dem Brucker Vermessungs-Amt komplettieren dieses Bild. „Das ist richtige Detektivarbeit“, sagt Drexler. 

Wie sah das Leben auf den Höfen aus?

Anschließend geht er ins Detail. Welche Besitzer hatte der Hof, welche Ländereien gehörten dazu, wer hat wann eingeheiratet, was wurde in die Ehe eingebracht? Auch das Internet weist Drexler den Weg durch die verschlungenen Pfade der Unterpfaffenhofener Geschichte. Der Historiker Josef Kiening hat in der Region westlich von München rund 11 000 Häuser erfasst – samt erster urkundlicher Erwähnung. Interessiert hat Drexler auch, wie das Leben auf den Höfen damals aussah. Allen gemein war die „Gute Stube“ mit der Ofenstelle, die auch in harten Wintern für mollige Wärme sorgte. Viele Höfe hatten zudem Backhäuser und Waschküchen. Kleinere Geschäfte erledigten die Bewohner im so genannten Botschamperl für die große Notdurft gab es ein Plumpsklo. Interessant ist auch die Geschichte der Hofnamen. Hatte ein Bauer nur Töchter, änderte sich mit der Heirat der Hoferbin auch deren Name – der alte Name wurde dann zum Hofnamen. 

Besuche bei den heutigen Bewohnern

Natürlich durfte für Drexler auch ein Besuch bei den heutigen Bewohnern der ehemaligen Höfe nicht fehlen. Der Geschichtsforscher präsentierte seine bisherhigen Ergebnisse – und kam mit vielen Bewohner ins Gespräch. „Manche haben gar nicht mehr mit dem Erzählen aufgehört und sich riesig über mein Interesse gefreut“, erzählt Drexler. So kam der Historiker auch an wahre Schätze – private Bilder aus längst vergangenen Zeiten. Seine Ergebnisse hat Drexler, der Dritter Vorsitzender des Heimatpflegevereins ist, bereits in einem Vortrag bei der Mitgliederversammlung vorgetragen. Im Herbst will er ihn wiederholen – dann im Heimatmuseum.

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Raff gewinnt Rennen um OB-Amt
Raff gewinnt Rennen um OB-Amt
Nach vier Schlägen ist angezapft
Nach vier Schlägen ist angezapft

Kommentare