Frühere Nonne und heutige Schriftstellerin Marianne Ach las in der Aumühle FFB - Glück ist ein seltener Vogel

Die Schriftstellerin Marianne Ach las aus ihren Büchern in der Aumühle. Hier mit Diana Rupprecht, Leiterin der Brucker Stadtbibliothek. Foto: Günter Schäftlein

„Mit neunzehn beschließt Marianne, ihr weltliches Ansehen ihrer Familie zu opfern. Als Klosterfrau.“ Marianne Ach findet jedoch nach weiteren 15 Jahren der Abgeschlossenheit wieder zurück ins normale Leben, als Katechetin, Realschullehrerin und schreibend seit 1987, dabei ihre Kindheit, Jugend und Heimat zurückerobernd.

Frau Ach kam an einem sonnenbeschienenen Morgen in die vollbesetzte Lesehalle der Brucker Stadtbibliothek („Sie kommen wohl wegen meiner Vergangenheit als Nonne???“), zu einer Kooperationsveranstaltung mit dem Treffpunkt Wagner, der Buchhandlung Locke und der vhs. Sie brachte gute Laune, Gesprächsbereitschaft und einen sehr offenen, manchmal auch urkomisch-direkten Schreibstil mit. Für ihre 69 Lebensjahre geradezu herzerfrischend. Einfach logisch gehörte diese Art auch schon bereits zur Reihe „Lebenslinien“ des Bayerischen Rundfunks. Ihre ersten drei Buchveröffentlichungen sieht Marianne Ach als eine Trilogie: „“Goldmarie Pechmarie“ ist die Beschreibung eines Heimatortes, so wie Eslarn an der tschechischen Grenze, „Der Blechsoldat“ die Schilderung einer Mutter-Kind-Beziehung unter Einbezug der NS-Zeit und „Winterherzen“ Ausdruck einer Kindheit mit Mutter, Großmutter und der etwas älteren Schwester Agnes. Die letzte Veröffentlichung „Glück ist ein seltener Vogel“ umfasst das gewählte Leben als Nonne und Kindergärtnerin und das neugewählte (ab 1976) als Katechetin in der Grund- und Hauptschule, Ehefrau, Münchner Realschullehrerin für Deutsch und Religion und als reisende Schriftstellerin. Heute - und inzwischen mit einem Sudetendeutschen seit 33 Jahren verheiratet - denkt Marianne Ach noch immer an ein vor-bestimmendes, prägendes Ereignis zurück, als sie 1968 als Nonne am Faschingsdienstag in eine Clown-Verkleidung schlüpfte und das Leben neu entdeckte. Sie, die bis dahin nur den klösterlichen Spruch kannte „Euer Bräutigam hängt einsam am Kreuz. Ihr sollt vergessen, was früher und zuhause ist.“ Im Noviziat las Schwester Hildegard vor dem Essen immer einen Abschnitt aus dem Evangelium. „Und wünschte dann guten Appetit.“ Einen Brief nach Hause selbst einwerfen war verboten. Der konnte ja nicht mehr vom Kloster gelesen werden. Die Mit-Novizin Rosa sagte „Ich habe Heimweh.“ Die Antwort „Ich auch!“ Man war neidisch auf eine, die öfter bewusstlos vom Stuhl fiel. Man wäre doch gern auch mal in der Krankenstation auifgewacht. Später, draußen, als Realschullehrerin („Mein größter Berufswunsch!“) nach einem ordentlichen Germanistik- und Religionsstudium, versuchte Marianne Ach ihren Zöglingen Heinrich Heine nahezubringen. Was schwer fiel: „Was kümmert uns denn dieser Mann? Wofür lernen wir das alles?“ - „Erst, als ich was von dessen Sehnsucht nach Deutschland erzählte, in Paris, wo ich sein Grab besucht habe, hörten sie auf einmal zu …“ Umwerfend, wenn sie in „Winterherzen“ aus ihrem zarten Alter von 13 Jahren erzählt - und von Rainer, mit dem sie sich von einem Baum in duftende Heuballen fallen ließ. „Spielen wir in aller Unschuld Adam und Eva“, sagte er, „ziehen wir uns aus, küssen und umarmen wir uns.“ Sie hat aber was dagegen, weil der Vogelbeerbaum, auf dem sie sitzen, noch grüne Früchte hat. Rainer, plötzlich ernüchtert, sagt „Dann verschieben wir die Versuchung auf später!“ Später hat Rainer dann eine andere geheiratet. Marianne Ach lebt in München.

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