Früherer historischer Hinrichtungsort Galgen im Zeichen der bayerischen Ernte-Pressefahrt 2012 mit Minister Brunner

Helmut Brunner, Bayerns Landwirtschaftsminister, lobte die Qualität der Ackerböden um Malching.Fotos: Günter Schäftlein

Die landwirtschaftlichen Betriebe Galgen 1a (Fam. Jakob Staffler, „Hanslbauer“) und Galgen 2 (Fam. Josef Wörl, „Perlbauer“) hatten sich das bayer. Agrarministerium und der Bayer. Bauernverband (BBV) für die diesjährige Ernte-Pressefahrt ausgesucht. Der kleine Weiler im Maisacher Westen mit vier Anwesen und 20 Einwohnern konnte mit diesem Ereignis seine Bevölkerung gleich vervierfachen.

Zu den landwirtschaftlichen Spitzen aus Ministerium und BBV-Verbänden (darunter auch Kreisobmann Johann Drexl mit Stv. Josef Wörle, die Kreisbäuerinnen Gabi Waldleitner und Annemarie Schlammerl - sowie Maisachs Bgm. Hans Seidl) zählte man mit rund 40 Medienvertretern insgesamt 60 „Neu-Galgener“, die allerdings nur einen Tag hier verblieben. Nach dem freundlichen Empfang beim „Perlbauer“ Fam. Josef Wörl und in Anwesenheit von Agrarminister Helmut Brunner, BBV-Präsident Walter Heidl und BBV-Bezirkspräsident (Ofr) Hermann Greif, ging es mit zwei Schleppern und Erntewagen zur Begutachtung in die hofnahen Feldfluren. Zuvor hatten sich beide staatlich geprüften Landwirtschaftsmeister mit ihren Betrieben und Familienangehörigen vorgestellt: Jakob Staffler, 57, Ehefrau Irmgard, Söhne: Sebastian, 22, (Agrar-Studium TU Weihenstephan), Martin, 20, (Elektromeister): Im Haupterwerb ein landwirtschaftlicher Biobetrieb (Naturland) aus Getreideanbau einschließlich Futtererbsen, Grünland und Kleegras für Biogas-Anlagen sowie ein Zu-Erwerb im Versicherungswesen. Josef Wörl, 61, Ehefrau Rosalia, Töchter: Birgit, 22, (Landwirtschaftsstudentin) und Sylvia, 28, (Automobilbranche): Im landwirtschaftlichen Haupterwerb ein Rindermastbetrieb mit 130 Rinder und 30 Kälber (Haltung: „Offene Stalltür“) sowie eine landwirtschaftliche Nutzfläche für Mais und Zuckerrüben, Grünland und 7 Hektar Forstwirtschaft. Beide Betriebe unterhalten Photovoltaikanlagen, liegen eng nachbarlich und lassen aufgrund der gleichen Altersstruktur und Ausbildung der Nachfolger eine gesunde Fortführung der Landwirtschaft erwarten. Das erste Prüffeld vom ökologischen „Hanslbauer“ Jakob Staffler umfasste stark stickstoffhaltige Legumenosen (Futtererbsen), die - so der Betriebsinhaber - „überhaupt nicht lustig zu ernten sind“, aber qualitativ hochwertig 25 bis 30 DZ (Doppelzentner) pro Hektar in 2012 ergeben könnten. Gleich nebenan ein 7 Hektar großes, gutgewachsenes Bio-Dinkelweizenfeld, mit einer Ernteerwartung von etwa 40 DZ pro Hektar zu einem hoffentlich deutlich höheren Preis als zu Beginn des Erntejahres 2011. Dann gehen „Perlbauer“ Josef Wörl und die regierungs- bzw. verbandsseitigen Offiziellen in ein konventionell betriebenes, etwa 10 Hektar großes Weizenfeld mit einem ausgezeichneten Fruchtstand: Die mögliche Ernte könnte im günstigsten Fall 90 DZ pro Hektar ergeben, „wenn die Witterung nicht noch mit Hagelschlag oder Starkregen aufwartet. Wir brauchen jetzt Badewetter!“ Wetterkapriolen sind die Verlustbringer in der Landwirtschaft. Unter der Plakatierung „Brötchengeber“ rechnen die ministeriellen und BBV-Offiziellen den Medienvertretern vor, dass eine abgeteilt sichtbare Fläche von 10 qm im Weizenfeld symbolisch für den „Flächenfraß“ in Deutschland steht: Es ist der Verlust pro Sekunde an landwirtschaftlicher Nutzfläche - oder auch die Nahrungsgrundlage für 150 Semmeln. Walter Heidl: „Fläche ist nicht vermehrbar!“ Und Flächenstillegungen („Greening“), wie die EU sie auch auf guten Erzeugerböden fordert, seien erst recht nicht zeitgemäß und hinnehmbar. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der die guten Böden um Malching lobt, bemängelte allgemein die geringe Wahrnehmung der ernährenden heimischen Landwirtschaft im öffentlichen Bewusstsein: „Dabei arbeiten in Bayern 50.000 Bauern naturnah, resourcenschonend und nachhaltig.“ Auch eine faire Preisvergütung ließe häufig zu wünschen übrig. Bei der nachfolgenden Ernte-Prüffläche handelt es sich um Kleegras mit einer 3- bis 4maligern Jahresernte. Man beliefert damit Biogas-Anlagen und erhält danach Rückstände retour, die wieder zur Stickstoffdüngung eingesetzt werden können. Vorgeführte Zuckerrüben- und Maisbestände zeigen einen sehr guten Stand, so dass man in 2012 mit einem Spitzenergebnis rechnet, was gleichermaßen für den bayerischen Süden und Norden gilt. Die heftige Kälteperiode im Februar 2012 (Kahlfröste ohne Schnee) hatte die Getreide- und Raps-Herbstaussaat 2011 in Franken auf 100.000 Hektar vernichtet. Verlust: 30 Millionen Euro. Der oberfränkische BBV-Bezirks- und Getreidepräsident Hermann Greif vertrat nachdrücklich den oft gescholtenen, aber frostresistenteren Mais: „Er ist das Kraftpaket auf den bayerischen Äckern, auf insgesamt 538.000 Hektar Anbaufläche … Eine unserer wichtigsten Ackerkulturen … und braucht nur sehr wenig Pflanzenschutz.“ Nach der gut 2stündigen Feldwegefahrt und im Abschlussgespräch der Veranstalter in der Maschinenhalle von Jakob Staffler, erwartete BBV-Mann Walter Heidl in Bayern für 2012 eine Getreideernte zwischen 6,4 und 6,6 Millionen Tonnen: „Leicht über der Vorjahresmenge.“ Die Ernte-Pressefahrt endete mit einem gemeinsamen Mittagessen.

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