1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck

Olympia-Attentat 1972: Digitaler Erinnerungsort mit Website und App

Erstellt:

Kommentare

Das Team, das den digitalen Erinnerungsort entwickelt hat (von links): Historiker Dominik Aufleger, Historikerin Anna Greithanner, Projektmitarbeiterin Sandra Moser, Projektleiterin Silke Seiz und Historiker Robert Wolff.
Team Erinnerungsort. © LRA FFB

Fürstenfeldbruck – Mit einer eigenen Website sowie einer interaktiven App hat der Landkreis Fürstenfeldbruck einen digitalen Erinnerungsort geschaffen, der die Geschehnisse vom 5. September 1972 detailliert aufarbeitet und beleuchtet.

Der digitale Erinnerungsort rückt das Gedenken an die zwölf Opfer in den Mittelpunkt und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Geschehnisse und den Ort zu verschaffen, an dem das Attentat sein tragisches Ende nahm.

Da der Ort des Geschehens, das ehemalige Rollfeld vor dem Alten Tower, voraussichtlich bis 2026 noch militärischer Sicherheitsbereich sein wird, wurde die Initiative zu einer kreativen Lösung ergriffen und ein digitaler Erinnerungsort gestaltet. Dieser ist seit dem 5. September in Form einer Website und einer App online.

Historiker und Firmen setzten die Idee um

Unter der Projektleitung von Silke Seiz arbeiteten die Historikerin Anna Greithanner und der Historiker Dominik Aufleger – beide LMU München, aktuell Promotion am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der LMU München im Projekt „Politische Gewalt in der Bundesrepublik“ – im Auftrag des Landkreises ein detailliertes Konzept für den digitalen Erinnerungsort aus. Dieses Konzept setzten die Firmen Augmented Minds, München, sowie Le4f Agency, Berlin, um. Das Historikerteam wurde für die Umsetzung durch den Historiker Robert Wolff , ehemals Goethe Universität Frankfurt, sowie im Landratsamt durch die Projektassistentin Sandra Moser ergänzt. Die Umsetzung bietet die Möglichkeit, den Alten Tower und das Rollfeld auf dem Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck zunächst digital zugänglich zu machen. Ab dem ersten Tag einer Öffnung als Gedenkstätte können Website und App museal genutzt werden.

„Das Olympia-Attentat betrifft die ganze Welt. Dazu passt ein Erinnerungsort, der weltweit besucht werden kann.“

Thomas Karmasin, Landrat

Landrat Thomas Karmasin ist zufrieden mit dem Ergebnis der Arbeit der letzten Jahre: „Wir wollen die Toten nicht vergessen. Der digitale Erinnerungsort ist eine gute Form, die Erinnerung aufrecht zu erhalten und sie auch der Jugend zu übermitteln. Das Olympia-Attentat betrifft die ganze Welt. Dazu passt ein Erinnerungsort, der weltweit besucht werden kann.“

Die Website

Entstanden ist eine Website, die über das Attentat und über die Geschehnisse vom 5. September 1972 aufklärt, den zwölf Opfern gedenkt sowie Zeitzeugen und Angehörige zu Wort kommen lässt. Mit verschiedenen Themenblöcken widmet sich die Website den verschiedenen Aufgaben der Erinnerungsarbeit: Dem Erinnern, dem Gedenken, dem Zurückblicken und dem Mahnen. Die vom Landkreis geführten Zeitzeugeninterviews bilden einen wichtigen Bestandteil des digitalen Erinnerungsorts. Darüber hinaus informiert die Website über das aktuelle Engagement des Landkreises für das Gedenken, Veranstaltungen und vieles mehr. Sie richtet sich an ein breites Publikum inner- und außerhalb des Landkreises und wird in Zukunft viersprachig aufrufbar sein. Auf der Website werden historische Dokumente wie die Kommuniqués der Geiselnehmer und die Listen der Gefangenen, die der „Schwarze September“ freipressen wollte, publiziert.

Der Fliegerhorst wird in der App und Website zu einem digitalem Erinnerungsort.
Digitaler Erinnerungsort in der Website. © Screenshot

Wichtige Zeitzeugen kommen zu Wort

Zudem geben Video-Interviews, zum Beispiel mit dem ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel und dem Bürgermeister des Olympischen Dorfes, Dr. Walther Tröger, Einblick in die Entscheidungsfindung der Verantwortlichen. In weiteren Zeitzeugen-Berichten schildern vor Ort involvierte Sanitäter, Polizisten und BGS-Beamte ihre Erinnerungen an den Abend des 5. September 1972. Die Website ist zu finden unter www.erinnerungsort-fuerstenfeldbruck1972.de.

Die App

Parallel zur Website wurde eine interaktive App entwickelt, deren Schwerpunkt auf dem authentischen Ort des Fliegerhorsts in Fürstenfeldbruck liegt. Die App bietet die Chance, den Alten Tower und das Rollfeld als Teil des Erinnerungsortes greifbar zu machen, solange dieser der Öffentlichkeit noch verschlossen bleibt, denn sie kann auch ortsunabhängig im sogenannten „Zuhause-Modus“ genutzt werden. Über ein mobiles Endgerät erhält man Informationen zum Geschehen, Fotos aus 1972 überblenden die aktuellen Aufnahmen, während per Audio die Ereignisse nacherzählt werden. Die App kann im Google Play Store sowie im Apple
Store unter dem Namen „Erinnerungsort 72“ heruntergeladen werden.

Ausblick - Bildungsaspekt im Vordergrund

Nun rücke der Bildungsaspekt des digitalen Erinnerungsortes in den Vordergrund. Ein Hauptaugenmerk liege auf der Zielgruppe der Jugendlichen. „Die verschiedenen Elemente des digitalen Erinnerungsortes lassen sich in den Schulunterricht, etwa der Fächer Politik und Geschichte integrieren“, so das Landratsamt. Durch die thematische Bandbreite und Aktualität der Themen sei auch über die Schule hinaus Projektarbeit mit Interessierten aus allen Altersklassen möglich. Das Projektteam des Landratsamts Fürstenfeldbruck plant zudem Veranstaltungen und Kooperationen mit (außer-)schulischen Bildungsinstitutionen und Kultureinrichtungen.

red

Auch interessant

Kommentare