Food Share Box Test

Zu gut für die Tonne

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Michael Schipper und Dragana Cosic bestücken erstmals die Food Share Box im AEZ-Markt am Kurt-Huber-Rind in der Buchenau

Die Deutschen sind im Umgang mit Lebensmitteln wenig zimperlich. Im Zweifel gilt: ab in den Müll. Knapp 82 Kilogramm im Wert von einigen hundert Euro wirft jeder Bundesbürger laut einer Untersuchung der Universität Stuttgart pro Jahr im Schnitt weg. Davon wären noch Zweidrittel problemlos verwertbar. 

Fürstenfeldbruck – Es reicht jedoch schon, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist. Der Handel ist hierbei mit fünf Prozent beteiligt, auf die Haushalte entfallen etwa 61 Prozent. Eine Umfrage des Statistikamtes der EU macht dabei deutlich, wie wenig die Kunden eigentlich über das MHD wissen. Zwar achten sechs von zehn EU-Bürgern auf diese Angabe, aber 53 Prozent konnten nicht genau sagen, was die Formel „Mindestens haltbar bis ...“ eigentlich bedeutet. Viel zu oft würden Waren, die über der angegebenen Mindesthaltbarkeit liegen, weggeworfen. Dabei ist das MHD ursprünglich als eine Garantie des Herstellers gedacht gewesen. Bis zu dem Mindesthaltbarkeitsdatum sichert der Produzent dem Verbraucher keinen Qualitätsschwund des Produktes zu. Doch die Wahrnehmung des MHD beim Verbraucher hat sich eher in Richtung Deadline entwickelt.

Zunächst ein Test

Mit einer sinnvollen Resteverwertung von Lebensmitteln will das Amper-Einkaufs-Zentrum (AEZ) nun in seinem Markt am Kurt-Huber-Ring in der Buchenau der Verschwendung von Lebensmitteln Einhalt gebieten. Deshalb startet das AEZ die im Landkreis wohl bisher einmalige Aktion „zu gut für die Tonne“. „Zweck unserer Aktion ist es, dass sich die Verbraucher mit einer sinnvollen Resteverwertung befassen“, sagte AEZ-Geschäftsführer Udo Klotz bei einem Pressetermin am 20. September im Buchenauer AEZ-Markt. Es sei zunächst ein Test, erklärte Klotz. Man werde jetzt ein bis zwei Monate versuchsweise das Verfahren einführen und beobachten. Sollte der Test erfolgreich verlaufen und die Bevölkerung dieses Verfahren der Resteverwertung annehmen, so will Klotz in allen elf AEZ-Märkten das Verfahren einführen. 

"Abfälle werden reduziert"

„Natürlich versuchen wir unsere Verluste so gering wie möglich zu halten und verlieren deshalb unsere 50-Prozent-Reduzierungen nicht aus den Augen“, erklärte Klotz. Die Waren stehen exakt am Tag des Ablaufdatums den Kunden zum Mitnehmen zur Verfügung. Dazu ist hinter der Kassen-Linie eigens eine Station eingerichtet, aus der jedermann diese Waren kostenfrei entnehmen kann. AEZ-Geschäftsführer Udo Klotz steht voll hinter der Aktion. „Ich finde es gut, dass wir den Verbraucher damit konfrontieren. Ein Nebeneffekt ist außerdem eine Reduzierung von Abfällen.“ Es versteht sich von selbst, dass der Kunde die aus der Food Share Box entnommenen Waren anschließend nicht in den AEZ-Markt mitnehmen darf.

"Nicht die ersten"

„Wir sind nicht die ersten, die die Bevölkerung auf diese Art mit dem Problem vertraut machen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Nahrungsmitteln bewegen wollen“, informierte Klotz über ähnliche Aktionen in Baden-Württemberg und im norddeutschen Raum. „Nur die geben ihre Produkte nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum her.“ Laut EU-Recht ist es aber nicht erlaubt, Ware mit abgelaufenem MHD in den Verkehr zu bringen (auch ohne Entgelt). „Geben wir also Waren einen Tag nach dem MHD ab, haften wir nach EU-Recht. Das ist uns zu riskant.“

Dieter Metzler

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