Stadträte, Verkehrsforum und ADFC kritisieren Stillstand in Fürstenfeldbruck

Bruck als fahrradfreundliche Kommune auf der Kippe?

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: Ließen kein gutes Haar an der Radverkehrssituation in der Großen Kreisstadt (v. li.): Adi Stumper (ADFC), Stadträtin Alex Zierl, Thomas Brückner (Verkehrsforum) und Stadtrat Jan Halbauer

Schlecht bestellt ist nach Ansicht von Thomas Brückner vom Verkehrsforum Fürstenfeldbruck um die Fahrradverkehrsförderung in der Großen Kreisstadt. Von dem Ziel zur fahrradfreundlichen Kommune sei die Stadt noch weit entfernt, so Brückner bei einer Pressekonferenz am 29. Mai.

Fürstenfeldbruck - Die Stadt, die sich mit dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK Bayern) eigentlich verpflichtet hat, den Radverkehr zu fördern, erledige ihre Hausaufgaben nicht, um die angestrebte Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune zu erhalten. Unterstützung erhält Brückner vom ADFC-Vorstandsmitglied Adi Stumper. Im aktuellen Fahrradklimatest des ADFC erhält die Kreisstadt ganz schlechte Noten. 

Brückner: "Wir sind unzufrieden mit dem bisherigen Fortschritt"

Mit ins Boot geholt hat das Verkehrsforum die Parteien. So nahmen an der Pressekonferenz auch Stadträtin Alexa Zierl (Die Partei & Frei) und Stadtrat Jan Halbauer (Bündnis 90/Die Grünen) teil. Mit einem Antragspaket, das umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs enthält, die auch von der ÖDP mitgetragen werden, wollen sie Druck auf den Stadtrat machen. „Wir sind einfach unzufrieden mit dem bisherigen Fortschritt“, sagte Brückner. „Der ADFC fragt zu Recht, was er in seinen Bericht schreiben soll. Da schaut es eher mau aus.“ Es seien viele Projekte angestoßen worden, doch es habe sich so gut wie nichts bewegt. „Ich habe unter OB Pleil eine Aufbruchsstimmung mitbekommen, doch davon ist unter OB Raff nichts mehr vorhanden“, sagte Zierl. 

Kreisstadt droht im Herbst beim AGFK durchzufallen

Dabei sei es 2015 eine große Ehre gewesen, überhaupt die Aufnahme in den AGFK geschafft zu haben. Jetzt müssten längst sämtliche Alarmglocken im Rathaus schrillen, ansonsten falle man im Herbst durch. Der Stadtrat hätte die Beschlüsse fassen können, damit der AGFK zumindest den guten Willen erkennt. Adi Stumper bezweifelt, ob die Stadt überhaupt ernsthaft gewillt sei, die Sache wirklich in die Hand zu nehmen. „Ich würde mich freuen, wenn auch mal etwas umgesetzt werden würde.“ Da werde beispielsweise zwei Jahre lang über die Farben des Radstreifens diskutiert. Das gehe ihm einfach zu langsam. 

Kritik: Radverkehrsbeauftragte dürfe nicht eigenständig handeln

Und auch Jan Halbauer kritisiert den Stillstand. „Es muss endlich mehr Wille und Struktur reingebracht werden. Wir sammeln gern Label und Trophäen. Doch nach großen Ankündigungen der Stadt erfolgen leider keine Taten.“ Einhellig kritisieren alle das unzulängliche Verwaltungshandeln im Rathaus. Es fehle an einer entsprechenden Stabsstelle. Die Radverkehrsbeauftragte sei zwar aktiv, habe aber augenscheinlich keine Lobby und dürfe letztlich auch nicht eigenständig handeln. Die Parteien „Die Partei & Frei, Bündnis 90/Die Grünen und die ÖDP unterstützen die Empfehlungen des ADFC und des Verkehrsforums und fordern in ihren Anträgen mit konkreten Vorschlägen den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. Man brauche eine Radoffensive, um für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, das Klima zu schonen und den Verkehrslärm sowie die Lufbelastung nachhaltig zu senken. 

Kostengünstig und schnell Raum für Radler schaffen

Mehr Platz für Radverkehr dürfe aber nicht auf Kosten der Fußgänger gehen. Eine Möglichkeit, um schnell und kostengünstig Raum für den Radverkehr zu schaffen, sind sogenannte Schutzstreifen. Diese könnte die Stadt an allen Straßen, auch Bundesstraßen eigenständig anordnen. Schutzstreifen können zwar keine baulichen Radwege ersetzen, würden aber den Radfahrern mehr Raum geben und die gegenseitige Rücksichtnahme auf gemeinsam genutzten Straßen fördern. Insbesondere würden Schutzstreifen in Kombination mit zurückgesetzten Kfz-Haltelinien und Aufstellbereichen für Radfahrer vor Kreuzungen mit Ampeln die Verkehrssituation für Radfahrer verbessern.

Dieter Metzler

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