Insolvenzantrag des Fußballvereins

SCF endgültig gerettet: Stadt erlässt Gewerbesteuern

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Brucks Oberbürgermeister Erich Raff (links) und SCF-Präsident Jakob Ettner bei der Jahreshauptversammlung des Brucker Vereins.

Der SC Fürstenfeldbruck ist endgültig gerettet. Der Brucker Traditions-Sportverein, der im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, hat nach acht turbulenten Monaten im letzten Moment eine drohende Insolvenz abwenden können, nachdem mit der Großen Kreisstadt, dem Finanzamt und dem Landratsamt die drei größten Gläubiger auf ihre Forderungen verzichtet haben.

Fürstenfeldbruck – Am 28. Mai gab Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Oliver Schartl von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich, Bierbach und Kollegen, in einer Pressemitteilung bekannt, dass „im allerletzten Moment“ der SCF seinen im September des vergangenen Jahres gestellten Insolvenzantrag zurücknehmen konnte.

Sanierung des Vereins stand lange auf der Kippe

„Wir freuen uns, dass unsere Begleitung und Unterstützung des Vereins bei der Umsetzung einer außerordentlich ambitionierten und kreativen Sanierungslösung während des Zeitraums der vorläufigen Insolvenzverwaltung erfolgreich war“, sagte Schartl. Die Sanierung des Vereins stand jedoch „bis zuletzt, gerade auch wegen erheblicher vereinsinterner, sowie externer Widerstände, auf der Kippe“, ergänzte Rechtsanwalt Henrik Brandenburg aus der Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Bekanntlich war der Sportclub nach einer Betriebsprüfung der Jahre 2010 bis 2013 in eine finanzielle Schieflage geraten, als der Club rund 220.000 Euro Umsatz- und Gewerbesteuern aufgrund nicht mehr nachvollziehbarer Abrechnungen von einigen Großevents in diesem Zeitraum nachzuzahlen hatte. Der Verein konnte nicht zahlen, so dass Präsident Jakob Ettner letztlich nur noch der Weg übrig blieb, einen vorläufigen Insolvenzantrag zu stellen.

Antrag auf Schuldenerlass

Nach mehrmaliger Hinausschiebung war der allerletzte Termin, um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu verhindern, auf den 31. Mai festgesetzt worden. Um die Gläubiger zu befriedigen hatten Ettner und der vorläufige Insolvenzverwalter zu einer Spendenaktion aufgerufen. Mit 100.000 Euro sollten die beiden Hauptgläubiger zufriedengestellt werden. Zusätzlich hatte Ettner vorsorglich einen Antrag auf Schuldenerlass bei Stadt und Finanzamt gestellt.

Fördergelder wären sonst verloren

In einer Presseerklärung vom 28. Mai erklärte nun die Stadt ihren kompletten Verzicht auf etwa 80.000 Euro Gewerbesteuern. Im Fall einer Insolvenzeröffnung würde das von der Stadt für den Bau des Kunstrasenplatzes gewährte Darlehen nicht mehr bedient werden und auch Fördergelder durch den Bayerischen Landessportverband (BLSV), die die Stadt vorgestreckt hat, wären verloren, da sie im Insolvenzfall nicht mehr fließen würden, begründete die Stadt ihren Verzicht.

Nachdem auch das Finanzamt von seinen Forderungen abrückte und das Landratsamt, stellvertretend für die Regierung von Oberbayern, auf die Rückforderung von Vereinspauschalen verzichtet, war der Traditionsclub gerettet, so dass Präsident Jakob Ettner den im September 2017 gestellten vorläufigen Insolvenzantrag am 28. Mai zurücknehmen konnte.

Liegaerhalt aber abgängige Spieler

Parallel drohte den Bezirksliga-Fußballern der Zwangsabstieg, falls das Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnet worden wäre. Die Mannschaft schaffte sportlich aber den Klassenerhalt und spielt auch in der neuen Saison in der Bezirksliga Süd. Das seit Monaten über den Verein schwebende Damoklesschwert hinterließ allerdings gleich nach dem letzten Spieltag in der Bezirksliga seine Spuren. Bis jetzt haben sich zehn Fußballer und Trainer Michael Westermair nach einem neuen Verein umgesehen. So wechselte Torhüter Maximilian Knobling zum SC Oberweikertshofen, Tobias Schöler und Kristian Paluca schlossen sich dem SV Sulzemoos an, Ugur Alkan und Nickoy Ricter suchen beim TSV Dachau eine neue Herausforderung, Marcel Berger ging zum ASV Dachau und Kapitän Julius Ostarhild schloss sich dem SC Olching an. Ilija Sivonjic wechselte gar in die dritte belgische Liga, Matthias Streun zum SV Aubing und Yannick Demmers Ziel ist unbekannt. Westermair, der nach zwei Jahren sein Engagement beim SCF beendete, wird Trainer beim SC Nord-Lerchenau.

Abteilungsleiter zuversichtlich

SCF-Abteilungsleiter Alfred Thurner ist dennoch zuversichtlich, bis zum Saisonstart eine neue schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen zu können. Mit mehreren Spielern und einem neuen Trainer laufen Verhandlungen. Konkrete Abschlüsse konnte Thurner allerdings noch nicht vermelden.

Dieter Metzler

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