Historie und weihnachtliches Brauchtum bei der adventlichen Stadtführung

Lichter, Luzien und Lebzelter

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Stadtführerin Elisabeth Summer (rechts) gab Einblicke in längst vergessene Adventsbräuche.

Fürstenfeldbruck – Rund 15 Besucher nahmen am Sonntag an der adventlichen Stadtführung von der Leonhardikirche bis zum Christkindlmarkt auf dem Viehmarktplatz teil. Elisabeth Summer präsentierte auf unterhaltsame Art Details aus der Stadtgeschichte und gab Einblicke in weihnachtliches Brauchtum.

Mit Blick auf die Amperbrücke begann die Stadtführerin mit einer Einleitung über die Namensgebung der Kreisstadt. Fürstenfeld ist der Name des Klosters, welches 1263 von Ludwig dem Strengen gegründet wurde. Die Siedlung Bruck gab es schon vorher am dortigen Amper-Übergang. Zur Überquerung der Brücke, die früher zur Salzstraße gehörte, musste man Zoll bezahlen. Langsam entwickelte sich um diese Zollstation eine Siedlung, die 1306 als Markt bezeichnet wurde. Erst ab 1935 wurde der Markt zur Stadt und am 1. Januar 2006 wurde Fürstenfeldbruck zur Großen Kreisstadt erhoben. Nach einem Besuch in der Leonhardikirche, die mit spätgotischen Dekorationsmalereien versehen ist, setzte sich die Gruppe in Richtung Amper fort. Hier konnten sich die Kinder und Erwachsenen aktiv in die Führung miteinbringen: Am Ufer angekommen durfte Fabian das Luzienhäuschen vorsichtig ins Wasser lassen. Weiter ging es in der winterlichen Dämmerung Richtung Stadtmitte.

Vor einem weihnachtlich geschmückten Schaufenster blieb die Stadtführerin stehen: ,,Wer erkennt die Besonderheit an dem Weihnachtsbaum in der Auslage?“, fragte sie. Ein Mädchen sieht eine Weihnachtsgurke hängen. Das ist eine Gurke aus Glas, die traditionell in den Christbaum gehängt wird. In Amerika sieht man darin einen alten bayerischen Brauch, dessen Ursprung aber nicht eindeutig geklärt wurde. Bei der nächsten Station, der Pfarrkirche St. Magdalena, hielt Elisabeth Summer einen Zweig in die Höhe. ,,Das ist ein Barbarazweig, früher auch als Barbarabaum bezeichnet“. Nach einem alten Brauch werden am 4. Dezember (Gedenktag der hl. Barbara) Zweige von Obstbäumen geschnitten und in einer Vase im Haus aufgestellt. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und zum Weihnachtsfest die Wohnung schmücken. Das Aufblühen der Barbarazweige verheißt Glück im neuen Jahr. Weitere Besonderheiten sind die Engelamt - oder Rorate Messen, die zu Ehren der Muttergottes im Advent abgehalten werden. Im Anschluss durfte die Gruppe von einem Früchtebrot, auch Kletzen- oder Hutzenbrot genannt, kosten.

Im Unterschied zu früher, als man Hutzenbrot ausschließlich mit getrockneten Birnen im Hefeteig gebacken hat, finden sich heute weitere getrocknete Früchte auf der Zutatenliste. ,,Sonst würde es keinem mehr schmecken, auch weil die Süße fehlt“, erklärte Elisabeth Summer. Vor dem Brameshuber konnten sich die Teilnehmer noch auf eine Lebkuchen und Lebzelter- Verkostung freuen: Während Lebzelter in aufwendiger Handarbeit angefertigt und ausschließlich mit Honig gesüßt wurden, gibt es den Lebkuchen als süßes, kräftig gewürztes Weihnachtsgebäck in allen Variationen. Lebzelter werden heute nur noch von Konditor Hans Hipp in Pfaffenhofen gebacken. Beim anschließenden Besuch im Hotel zur Post bekamen die Teilnehmer einen schwarz-weiß Abdruck der ersten Weihnachtskarte aus Fürstenfeldbruck geschenkt. ,,Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft wieder mehr Postkarten geschrieben werden würden“, regte Elisabeth Summer die Teilnehmer an. Ein Glas Glühwein oder Punsch auf dem Christkindlmarkt rundete die knapp zweistündige Stadtführung ab.

Nicole Burk

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