Hegeschau in Mammendorf

Der Wildsau ging‘s mächtig an den Kragen

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Vertieft im Gespräch (von links): Jagdberater Grüter, BJV Vize Thomas Schreder, Vorsitzender der Kreisgruppe, Gerhard von Hößlin

Im Bürgerhaus in Mammendorf hat die Kreisgruppe Fürstenfeldbruck die öffentliche Pflichthege- und Naturschau durchgeführt und öffentlich Rechenschaft über das vergangene Jagdjahr 2017/18 für den Landkreis mit 36.400 Hektar bejagbarer Fläche abgelegt.

Mammendorf – Der Vorsitzende von Hößlin begrüßte die Anwesenden und Ehrengäste mit BJV Vizepräsident Thomas Schreder, dem Leiter der unteren Jagdbehörde Hans Betz sowie den beiden Kreisjagdberatern Rainer Grüter und Andy Rauch im vollbesetzten Saal.

"Jagd ist keine Schädlingsbekämpfung"

Der als Landtagskandidat frisch nominierte Schreder lobt in seiner Begrüßung das Wesen der Hegeschau und macht die Verantwortung der Jägerschaft in dem nötigen Respekt vor dem Wild deutlich. Die Devise „Wald vor Wild“ sei nunmehr 25 Jahre alt und er fordert zur Diskussion um eine Korrektur im Sinne von „Wald mit Wild“ auf. Die Lösung sei nicht eine ständige Erhöhung des Abschussplans, sondern das Miteinander und der Zusammenhalt der Beteiligten für ein gesundes Gleichgewicht. „Die letzte Gams und den letzten Hirsch zu erlegen ist nicht nötig. Jagd ist keine Schädlingsbekämpfung sondern Dienstleistung an Wald und Natur sowie Kulturgut gleichermassen“, sagt Schreder. Als mit Populationsdynamik vertrauter Wildbiologe plädiert er ferner für eine Notzeitfütterung. „Bevor ein Reh oder ein Hirsch verhungert frisst er alles, was er bekommen kann und erzeugt dadurch sicher einen höheren Schaden. Es gibt keine guten und bösen Tiere.“

"Der Mensch ist das Problem"

Zur Diskussion um Nachtzielgeräte für die Wildschweinbejagung und ASP (Afrikanische Schweinepest) sagt Schreder: „Technik kann helfen, wird aber keine Trendwende bringen. Die Voraussetzungen für das Populationswachstum müssen sich ändern. Und eine kranke Sau läuft sicher nicht von Tschechien nach Bayern – hier ist der Mensch das Problem.“

57 Prozent mehr Wildschweine gejagt

In Folge informiert mit Hans Betz der Leiter der unteren Jagdbehörde zunächst über den guten Fortschritt der Vegetationsgutachten für eine Bewertung der Verbissbelastung und die Chancen der Natürverjüngung als Grundlage der Abschussplanung 2019-22.

Für die erfolgreiche Bejagung der Wildschweine mit 687 Stück (Vorjahr 436 Stück) und damit einer Erhöhung der Abschusszahl um 57 Prozent spricht er ein großes Lob aus. „Das hat einen wesentlichen Einfluss auf die Bestände und muss im Zusammenhang mit Maßnahmen wie Schneisen zwischen Waldrand und Äckern stehen“, sagte Betz. Zur ASP informiert Betz, dass der Erreger im Boden ein Jahr und in verarbeiteten Lebensmitteln zwei Jahre überleben könne. „Eine weggeworfene Wurstsemmel kann damit zum Auslöser werden“, sagt er. Die von Staatsregierung und Landkreis beschlossenen Prämien werden weiter bezahlt.

Auch beim Rehwild im Plan

Hinsichtlich des Rehwilds läge man gut im Plan, das drei Jahres-Soll ist nach zwei Jahren mit 2.265 Stück zu 68 Prozent erfüllt. Nach einem ballistischen Fachvortrag schlossen die beiden Kreisjagdberater Grüter und Rauch die Veranstaltung ab. Grüter appelliert dabei an die Verbraucher, Hofläden intensiv zu nutzen. Bei Milch-Preisen zwischen 29 und 40 Cent pro Liter könne man keine Rücksicht mehr erwarten. Mit einem vernünftigen Preisgefüge würden auch wieder Blühstreifen möglich.

Sorge um Rebhuhn und Fasan

Rauch weist in einem kurzen Rückblick über die letzten 25 Jahre auf die schrittweise Verbesserung bei Fichten- und Buchenschäden hin und erläutert, dass sich trotz der höheren Abschussquote der an der Gehörnentwicklung der Rehböcke feststellbare Gesamtzustand nicht verschlechtert habe. Somit habe man mehrheitlich alles richtig gemacht. Sein Apell gilt dem Fasan und dem Rebhuhn: „Statistisch ist das Rebhuhn seit Jahren nicht einmal mehr erfasst und die Zahlen beim Fasan sind besorgniserregend.

red

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