Fürstenfeldbrucker Kriminächte mit früherem Top-Ermittler & Bestseller-Autor Josef Wilfing

‚Gegenüberstellung’ der handelnden Personen am Krimiabend im Fürstenfelder Barocksaal: (v.li.) Manfred Frei, Ono Mothwurf, Sabine Thomas, Josef Wilfing und Hermann Vogelgsang. Alle Fotos: Günter Schäftlein

Im Kreuzverhör durch die Krimi-Autorin Sabine Thomas präsentierten sich die echten ‚Kriminaler’ Josef Wilfing (ehem. Leiter der Münchner Mordkommission), Kriminaloberrat Manfred Frei (Leiter der Kripo FFB) und Hermann Vogelgsang (Direktor der Fachhochschule). Und ganz nebenbei auch noch der Autoren-Kollege Ono Mothwurf.

Locker ging es zu im dichtgefüllten Barocksaal der Fürstenfelder Polizei-Fachhochschule, durchweg mit schlagfertigen Antworten gespickt. Allerdings waren die Fragen von Frau Thomas an die polizeidienstlich Zuständigen auch nicht gerade harmlos-zurückhaltend. Ono Mothwurf („“Taubendreck“), Josef Wilfing („Abgründe“) und Sabine Thomas („Eine tückische Wohnungssuche“) streuten mit ihren Buchauszügen munter Pfeffer in die gut 2 1/2stündige Veranstaltung. Mothwurf, gebürtiger Oberösterreicher und seit 1983 in Bayern ansässig („meine Leichen sollten es gut haben, deshalb spielt die Geschichte am Ammersee“) beschrieb seine spezielle Erfindung des in Fürstenfeld beheimateten Brucker Kommissars, Wondrak’ so: „Ein ehrgeiziger Typ mit einer Vorliebe für Wasserleichen aus Starnberger und Ammersee, zur Not auch in der Amper. Wie bei den drei Schwestern, die bei einer Bootstour in diesem Gewässer ihren Vater zu Fall und Tode bringen - und über die Unzulänglichkeit eines übriggebliebenen vierten Paddels im Verhör stolpern.“ Mothwurf staunte nicht schlecht angesichts des vollen Barocksaals und bekannte, bei seiner ersten Lesung vor genau elf Leuten gesessen zu haben, „… einschließlich Veranstalter!“ Josef Wilfing, der in München mit seinem Team u.a. die Mordfälle Walter Sedlmayr und Rudolf Mooshammer aufklärte, gestand in eigener Sache, als 16Jähriger bereits für ein Wochenende in der JVA Hof eingesessen zu sein. Wegen einer Jugendsünde (Kirchweih-Rauferei) bei Wasser und Brot. „Aber meine Mutter fand das erzieherisch prima!“ Fälle lösen sich - so Wilfing - nur im Team mit sehr viel Kleinarbeit, Recherche, Vernehmungen - und Hartnäckigkeit. Natürlich müsse dabei einer den Fall wie einen roten Faden im Kopf behalten. Das Herumdüsen im Fahrzeug sei Filmspektakel, aber keine echte Kriminalistenleistung. „Und merken Sie sich bitte: In Deutschland ist niemand tot, bevor der Totenschein ausgestellt ist!“ Befragt, ob Frauen ‚anders’ morden würden, fiel die Antwort knapp aus: „Seltener! Sie sind nur mit rund 10 Prozent an Tötungsdelikten beteiligt.“ Sabine Thomas ergänzte mit „Frauen töten leiser. Sie wollen die Kinder nicht aufwecken …“ Wilfing las aus seinem Krimi-Bestseller „Abgründe“ dass nicht gerade sensible Kapitel über eine Leichenzerstückelung mit anschließendem Transport durch halb Deutschland. Der bereits im Ruhestand befindliche Ex-Kriminaloberrat schult heute noch in der Fürstenfelder Fachhochschule den polizeilichen Nachwuchs zum Thema Verhör/Vernehmungen. Kriminaloberrat Manfred Frei, Kripo FFB, befragt, wann er sich noch in die polizeiliche Ermittlungsarbeit einschalten könne: „Also, ich sitze für gewöhnlich am Schreibtisch und kümmere mich um Budgetfragen und Fahrzeugangelegenheiten. Die Autoren hier sind krimineller.“ Das wird organisatorisch verständlicher, wenn man die polizeiliche Zuständigkeit in Fürstenfeldbruck für drei weitere Landkreise erkennt: Dachau, Starnberg und Landsberg/L. Manfred Frei zur Klarstellung der Zuständigkeit im aktuellen Fall der Kindermorde: Krailling gehöre zwar zum Landkreis Starnberg, unterstehe aber der Münchner Polizei. Wenn es überhaupt einen TV-Krimi-Kommissar gibt, den er schätze , dann sei es „Barnaby“. Die Fachhochschule war auch seine polizeiliche Ausbildungsstätte. Hermann Vogelgsang, Leiter des Hauses, der schon den Krimiabend auf dem Keyboard einleitete, entwickelte zwischendurch noch ein musikalisch gewaltig anschwellendes Crescendo mit dem Namen „Vor dem Geständnis“. Er lobte die Zusammenarbeit und gegenseitige Befruchtung mit der Polizeischule im westfälischen Hiltrup: „Sich austauschen können ist ein Vorteil im föderalen Staat.“ Und: Bayern hat die größte Aufklärungsquote!“ Allerdings würden tendenziell Angriffe auf Polizisten zunehmen. Den Abend beschloß Frau Thomas mit einem kabarettreifen Kurzkrimi über eine drastische Wohnungsbeschaffungsmaßnahme, „in Fürstenfeldbruck, Dachauer Straße.“

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