Der fußballbegeisterte Vereinsfunktionär Mehmet-Akif Nemutlu aus Fürstenfeldbruck setzt auch bei der Integration auf den Sport

Weit über die Stadtgrenze hinaus ist der in Fürstenfeldbruck wohnende 53-jährige Mehmet-Akif Nemutlu bekannt. Das liegt in erster Linie daran, dass der in Samsun am Schwarzen Meer geborene Türke seit 1974 nicht nur in der Kreisstadt lebt, sondern sich seit dieser Zeit intensiv und mit großem Engagement für die Interessen und Belange seiner im Landkreis lebenden Landsleute einsetzt. Gleich in mehreren Vereinen und Institutionen, die sich auf unterschiedliche Weise um die Integration ihrer türkischen Mitbürger bemühen, ist Nemutlu Mitglied bzw. in führender Funktion tätig.

So steht Mehmet-Akif Nemutlu, von zwei kurzen Unterbrechungen einmal abgesehen, dem im Jahre 1975 gegründeten Beistandsvereins türkischer Arbeitnehmer in Fürstenfeldbruck (BVTA), seit 1980 als erster Vorsitzender vor. Gegründet wurde der Verein, um der „ersten Generation“, wie Nemutlu die 1963 ersten aus der Türkei nach Bruck angekommenen Familien bezeichnete, Hilfestellung im Umgang mit den deutschen Behörden und in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten zu geben. „Die meisten haben damals bei der Firma Butan im Brucker Westen Arbeit gefunden“, berichtete der in der Datenverarbeitung bei MAN arbeitende Türke, dem Bruck längst zur zweiten Heimat geworden ist. Die 2.500 Mitglieder des Vereins leben inzwischen zerstreut im ganzen Landkreis. Als Ansprechpartner für die Schulen im Landkreis engagiert sich Nemutlu im türkischen Elternbeirat und organisiert Nachhilfeunterrichte an Schulen für türkische Kinder. Im Christlich-Islamischen Gesprächskreis, der sich alle sechs Wochen trifft und über interreligiöse sowie kulturelle Themen austauscht, wirkt Nemutlu mit und organisiert gemeinsame Feste und Veranstaltungen wie Friedensgebete oder den „Tag der Begegnung“ an der Schule West. Als erster Vorsitzender des Brucker Bürgervereins ist Nemutlu eng mit dem Projekt „Soziale Stadt“ verknüpft und fördert in enger Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt das Zusammenleben der vielen Nationalitäten an der Heimstetten- und Dianastraße im Brucker Westen. Es lag nahe, dass der fußballbegeisterte Nemutlu, kaum zwei Jahre Vorsitzender des BVTA, die bis dahin neben einer Musik-, Folklore- und Frauengruppe nur als Freizeitsport existierende Sportgruppe 1984 beim Bayerischen Landessportverband und Fußballverband zum Spielbetrieb anmeldete, um mit einer türkischen Mannschaft gegen deutsche Vereine im Landkreis anzutreten. „Sport ist eine der besten Integrations-Möglichkeiten“, begründete Nemutlu den Schritt, womit für den Vorsitzenden ein inzwischen über zwei Jahrzehnte dauernder Kampf um eine eigene sportliche Heimat in der Kreisstadt einsetzte. Heuer begingen die Fußballer von „Genclerbirligi“, was so viel wie „Junge Gemeinschaft“ heißt, mit einem großen Turnier ihr 25-jähriges Jubiläum. Nemutlu wagte einen neuen Vorstoß bei der Stadt. Bisher waren die Fußballer auf dem Sportplatz „Auf der Lände“ geduldet, gelegentlich durften sie auch im Sportzentrum an der Klosterstraße spielen. „Doch eine richtige Heimat mit einem Vereinsraum haben wir nicht“, so Nemutlu enttäuscht. „Unsere Trikotsätze, Bälle usw. muss ich in meiner Garage aufbewahren.“ Als der TSV West aus dem Sportzentrum in den Brucker Westen umzog, hatte Nemutlu gehofft, zumindest einen Raum im Sportzentrum zu erhalten. Zurzeit laufen Verhandlungen mit der Brucker Polizeischule, ob die Mannschaft den Fußballplatz der Polizeischule mitbenutzten kann.

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