Projektwochen "Schule fürs Leben"

Fachgespräch über »Alltagskompetenzen in der Schule« - wenn Landwirte Lehrer werden

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Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel sprach auf dem Kandlerhof mit Vertretern des BBV, der Kreisbauernschaft und Landwirten über die Projektwoche an Schulen.

Landsberied – Gabriele Triebel (Grüne) lud zum Fachgespräch über »Alltagskompetenzen in der Schule« ein

Wo kommen unsere Lebensmittel her? Wie kann ich damit gesund und lecker kochen? Was leistet die bayerische Landwirtschaft für unsere Gesellschaft? Diese und andere Themenbereiche stehen im Mittelpunkt des vom bayerischen Kabinett im Januar beschlossenen Konzepts „Schule fürs Leben“. Damit wird die langjährige Forderung der Landfrauen nach der verstärkten Vermittlung von Alltagskompetenzen im Schulunterricht aufgegriffen.

Nur mit Wissen folgt Nachhaltigkeit

Gabriele Triebel, Grünen-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, liegt dieses Thema am Herzen und lud deshalb zu einem Fachgespräch auf den Kandlerhof ein. „Unsere Kinder wachsen heute anders auf als wir früher. Alltagskompetenzen wie selber kochen oder einkaufen, gehen bei den Kindern immer mehr verloren. Nur mit Wissen darüber, wie unsere Nahrungsmittel hergestellt werden, lässt sich wertschätzendes und nachhaltiges Konsumverhalten erreichen. 

Welche Strukturen fehlen noch?

Ausgehend von den Fragen „Welche Strukturen bestehen schon, welche benötigt es noch und was ist nötig um die Kompetenzen über die heimische Landwirtschaft an junge Menschen zu transportieren?“, fanden sich die Vertreterinnen des Bauernverbandes, Andrea Fuß und Marie-Theres Janka, die Bäuerin vom Kandlerhof Christine Haas, die Kreisbäuerinnen Rita Behl und Karin Sepp, die Kreisobmänner Johann Drexl und Georg Huber sowie die Bäuerin Monika Drexl am Montag zu einer Gesprächsrunde auf den Kandlerhof ein.

Projekt »Schule fürs Leben« ab 2021 verpflichtend

Nach der Begrüßung durch Gabriele Triebel stellte Andrea Fuß als Vertreterin des Bauernverbandes das Konzept vor. „Uns als Landfrauen beschäftigt das Thema schon seit 20 Jahren“, sagte sie. „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass es mehr Alltagskompetenzen an den Schulen geben soll.“ Diese langjährige Forderung wurde nun Mitte Januar 2020 vom bayerischen Kabinett mit dem Konzept „Schule fürs Leben“ beschlossen. Damit will das bayerische Kultusministerium bayerischen Schulkindern „Alltagskompetenzen und Lebensökonomie“ vermitteln. Fünf Themenbereiche stehen schwerpunktmäßig im Vordergrund: Ernährung, Gesundheit, selbstbestimmtes Verbraucherverhalten, Haushaltsführung und Umweltverhalten. Ab dem Schuljahr 2020/2021 sollen Schüler einmal während der Grundschule (erste bis vierte Klassen) und einmal in der Sekundarstufe (fünfte bis neunte Klassen) verpflichtend an einer Projektwoche zum Thema „Schule fürs Leben“ teilnehmen. 

800 Landwirte und 200 Experten würden bereits mitmachen

Dabei steht auch ein Besuch auf dem Bauernhof, wie dem Kandlerhof an, der als Erlebnisbauernhof schon viele Erfahrungen mit Kindern gesammelt hat. „Uns ist es wichtig, das Thema Ernährung ins Zentrum der Projektwochen zu rücken und die Aspekte ‚wo kommen Lebensmittel her und was kann man damit machen?‘ einzubauen“, erklärte Andrea Fuß. Seit dem Beschluss haben sich mehr als 800 Landwirte sowie 200 weitere Experten aus der Agrar-Branche in Online-Schulungen weitergebildet und sind beim BBV als interessierte Betriebe gelistet.

Hauptproblem ist das Budget

Eines der größten Probleme momentan sei das für die Projektwoche angedachte Budget, berichtete Andrea Fuß. Bayernweit sind es 50.000 Schulklassen, die an einer Projektwoche teilnehmen. „Wir sind von mindestens 500 Euro pro Klasse ausgegangen“, erklärte sie. Mit dem Geld, das die Regierung zur Verfügung stellt, verblieben aber am Ende nur 100 Euro pro Klasse. „Das wird so nicht funktionieren.“ Immerhin müsse man von dem Geld eventuelle Busfahrten sowie die Bauernhofbesuche für die Woche bezahlen. „Der Knackpunkt ist doch, wie man Schüler aus den Städten aufs Land hinausbringen und gleichzeitig die Landwirte bezahlen kann“, so die Meinung von Kreisobmann Georg Huber. „Wir in der Landwirtschaft bringen eine Leistung für die Gesellschaft, die man angemessen vergüten muss.“ Auch Kreisbäuerin Karin Sepp sieht sich als Landwirtin in der Aufgabe, den Kindern wichtige Lebensgrundlagen zu vermitteln. „Wertschätzung kostet eben etwas.“ Christins Haas vom Kandlerhof stimmt dem zu und fordert eine gerechte Entlohnung: „Dahinter steckt viel Arbeit und für viele Landwirte ist es ein zweites Standbein.“

Nicole Burk

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