Wirtschaftsempfang

150 Gäste beim Wirtschaftsempfang der Stadt Fürstenfeldbruck

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Viel Beifall erhielten die jungen Pianisten von den Gästen wie dem Redner des Abends Julian Nida-Rümelein (rechts) und OB Erich Raff (daneben) für ihren Auftritt

Die deutsche Bildungspolitik befinde sich auf dem Holzweg. Die berufliche Bildung werde immer mehr vernachlässigt, im Gegenzug werde die akademische Bildung immer beliebiger und aber gleichzeitig auch flacher. Der Philosophieprofessor und ehemalige Kultusstaatsminister Julian Nida-Rümelin setzte sich beim Wirtschaftsempfang der Großen Kreisstadt nachdrücklich für eine Stärkung des dualen Ausbildungssystems ein. „Das duale System ist das Kleinod des deutschen Bildungssystems.“

Fürstenfeldbruck – Über 150 Gäste aus Gewerbe, Handel und Politik, darunter Kreishandwerksmeister Harald Volkwein und der Vorsitzende des Gewerbeverbandes, Franz Höfelsauer, besuchten den Wirtschaftsempfang der Großen Kreisstadt, der im Kleinen Saal im Veranstaltungsforum Fürstenfeld am 15. Mai stattfand. Als Gastredner sprach Nida-Rümelin über die „Zukunft der beruflichen und akademischen Bildung“. Viel Applaus erhielten auch die zehn und elf Jahre alten Klavierschüler Max Kreklau und Merle Hartmann und die siebenjährige Marisol Gruhn von der Kreismusikschule Fürstenfeldbruck, die unter der Leitung von Cornelia Oehl für den musikalischen Rahmen sorgten.

Raff verspricht: Keine Steuererhöhungen

Die Wirtschaft boome, die Konjunkturaussichten seien bestens, eröffnete Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) sein Grußwort. Es herrsche praktisch Vollbeschäftigung bei einer Arbeitslosenzahl von 2,6 Prozent. Im Ranking der Kaufkraft liege der Landkreis bundesweit auf Platz sieben. Es scheine aber so, als ob diese positiven Fakten und Aussichten an der Stadt unbeachtet vorbeiziehen würden. Zu der Interpretation könnte man kommen, wenn man die Ablehnung des Haushalts 2018 durch die Kommunalaufsicht des Landratsamtes liest. Der Stadt werde bescheinigt, dass sie mit ihren Hebesätzen bei der Gewerbesteuer und Grundsteuer B über dem Landesdurchschnitt liegen und somit die Erträge aus diesen Steuern ausgereizt seien. „Die Stadt weiß, was sie an Ihnen hat. Es wird keine Steuererhöhung geben“, versprach Raff den Vertretern der Firmen.

Wachstum der Stadt ist schuld

Die Probleme seien nicht neu und hängen mit dem Wachstum der Stadt zusammen. Mit 38.217 Personen ist die Stadt im vergangenen Jahr um 106 Personen gewachsen. Obwohl in der Stadt immer mehr Senioren wohnen, ist die Stadt nur um 0,35 Prozent gealtert gegenüber dem Jahr 2016 und mit durchschnittlich 42,68 Jahren immer noch eine vergleichsweise junge Stadt. Diese Zahl zeige ihm, so Raff, dass die Stadt ihren Reiz für junge Familien nicht verloren hat und mit ihrem Angebot an Kindergärten, Schulen, Arbeitsplätzen und der Naherholung ein Anziehungspunkt ist. Dieser Umstand sei letztlich den ortsansässigen Unternehmen mit ihren Gewerbesteuerabgaben zu verdanken.

"Innenstadt stirbt nicht aus"

Dass die Innenstadt aussterbe, das könne er nicht nachvollziehen, meinte Raff. Die leer stehenden Geschäfte seien innerhalb kürzester Zeit wieder vermietet worden. „Es kann einer Kommune nicht egal sein, was mit ihrem Einzelhandel passiert“, sagte Raff und lud die Unternehmen zu einem weiteren „Runden Tisch“ mit dem Thema „die digitale Einkaufsstadt“ im Herbst ein.

"Der Wirtschaft fehlt es an Fachkräften"

Die hochwertige Berufsausbildung im dualen System funktioniere nur, „wenn die Mehrzahl eines Jahrgangs eine Lehre absolviert“, sagte anschließend Nida-Rümelin bei seinem Vortrag. Dazu müssen mehr Betriebe ausbilden, wandte sich der Referent direkt an die 150 Unternehmer im Saal. Dabei sollten die Unternehmer nicht nur an ihre eigenen Interessen denken. Den 2006 eingeschlagenen Weg des Akademisierungswahns, wie Nida-Rümelin die steigende Zahl von Studienanfängern bezeichnete, hält er für gefährlich. Zum Glück sei die Zahl aber seit 2014 wieder rückläufig. Es fehle der Wirtschaft nicht an Akademikern, sondern eindeutig an Fachkräften. „Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn wir durch eine Fehlsteuerung des Bildungssystems der mittelständischen Wirtschaft den Hahn abdrehen“, sagte Nida-Rümelin. 

„Die Botschaft, wenn ihr nicht studiert, habt ihr versagt, ist falsch“, untermauerte Nida-Rümelin beim abschließenden Podiumsgespräch die Aussage von Alt-OB Sepp Kellerer, der an die Vernunft der Eltern appelliert, ihre Kinder nicht mit aller Gewalt auf die höhere Schule zu schicken. 

"Es gibt 131 Ausbildungsberufe - viele Schüler haben davon keine Ahnung"

Gewerbevorstand Franz Höfelsauer forderte die Betriebe auf, weiter auszubilden, und Kreishandwerksmeister Harald Volkwein meinte, man sollte die Berufsbilder den Schülern im Unterricht vermitteln. Es gebe 131 Ausbildungsberufe, von vielen hätten die Schüler, aber teilweise auch die Lehrer, keine Ahnung.

Dieter Metzler

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