Weitreichende Öffnungen in der Theorie

Gastronomen und Kinobetreiber teilweise noch nicht bereit – einige Bedingungen unklar

Vatertag im Biergarten war 2020 im Landkreis FFB noch möglich.
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Vatertag im Biergarten war 2020 im Landkreis noch möglich.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Schlemmen im Biergarten, ein Theaterstück schauen und ins Kino gehen, dies soll in bayerischen Landkreisen mit einer Inzidenz unter 100 laut Ministerpräsident Markus Söder ab dem 10. Mai wieder möglich sein – theoretisch. Denn die Praxis sieht wohl anders aus. 

Sollte der Landkreis FFB eine stabile 7-Tage-Inzidenz unter 100 haben, könnten auch hier die Regelungen schon ab Montag, 10. Mai, eingesetzt werden. Am Mittwoch, 5. Mai, meldet das RKI eine Inzidenz von 90,7 für den Landkreis und damit zum ersten Mal nach langem wieder einen Wert unter 100. Gekoppelt sind die Öffnungen stets an die Testpflicht, einen festen Termin und ein Hygienekonzept. VEBWK-Geschäftsführerin Ursula Zimmermann kritisiert die Testpflicht für Biergärten: „In ländlichen Gebieten ist dies problematisch. Apotheken bieten Corona-Testungen oftmals nur wenige Stunden pro Tag an und sind dabei oft ausgebucht. Testzentren gibt es meist nur in der Stadt“. Sie fordert deshalb: „Wer verpflichtende Tests verlangt, muss dafür auch die Kapazitäten schaffen.“ Harry Faul, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststätten Verbandes sagt zur Öffnungs-Möglichkeit: „Das Licht am Ende des Tunnels ist wieder sichtbar.“ Auch sein Bräustüberl Maisach hat nun seit sechs Monaten geschlossen: „Keine Gäste, keine Arbeit, kein Spaß, kein Geld“, fasst er zusammen. Er hält sich, wie viele andere Gastronomen, mit einem „To Go“-Service über Wasser. Faul ist für Montag bereit, doch er kritisiert die fehlenden Infos. Am Mittwoch vermutet er: „Die Leute müssen einen Test mitbringen und vor Ort machen oder einen bestätigtes Negativergebnis dabeihaben.“ Der Wirt will auch Tests vor Ort anbieten, die dann aber womöglich etwas kosten, wenn er keine zur Verfügung gestellt bekommt.

Zu wenige Infos, zu viel Ungewissheit

Markus Droth, Wirt des Ameisenstüberls Fürstenfeldbruck und Initiator der Petition „Öffnung der Außengastronomie in Bayern“, die er im Frühling gestartet hatte, geht weiter, indem er den Landkreis und die Wirtschaftsförderungen kritisiert „Ich bin freudig ratlos, begegne den Öffnungen mit gemischten Gefühlen, denn ich habe keine Informationen, mit welchen Anforderungen wir öffnen dürfen.“ Im Landkreis Starnberg laufe die Kommunikation besser, hier würden Geschäftstreibende stets mit E-Mails über die aktuellsten Bestimmungen informiert werden. Droth glaubte am Mittwoch nicht, dass er Montag wieder öffnen werde. „Ich brauche Vorlaufzeit in der Personalplanung und im Einkauf“, sagt er, „Wenn ich wieder nur jeden zweiten Tisch besetzen darf und mehr Personal für die Kontrollen brauche, macht es für mich mehr Sinn, weiterhin nur meinen Imbiss anzubieten.“

Ungewissheit herrscht nicht nur in der Gastronomie, auch bei den Kinobetreibern. „Wir können nicht öffnen, wenn wir keine Filme haben“, sagt Markus Eisele vom Lichtspielhaus FFB. Alle Filmverleiher haben ihre Filmstarts nach hinten geschoben. So versuchten Kinoverbände der Regierung seit Wochen zu erklären, dass die Inzidenzabhängigkeit und die damit einhergehenden unterschiedlichen Öffnungen im ganzen Land, Kinoöffnungen nur schwer zulassen. „Wir wollen jetzt die Inzidenz unter 50 anpeilen, dann hätten wir mehr Planungssicherheit und Puffer, sollte die Inzidenz wieder nach oben gehen“, sagt Eisele auch in Hinblick auf die Bestellungen für die Snacktheke. Indes berät er gerade mit seinem Team, ob ein Autokino auf dem Brucker Volksfestplatz wieder Sinn machen könnte. Doch auch dies sei von vielen Faktoren abhängig. „Wenn es sich abzeichnet, dass wir das Lichtspielhaus im Juni öffnen können, ist uns das natürlich lieber, als die aufwendige Planung eines Autokinos“, so Eisele.

Gleichstellung von vollständig geimpften Bürgern und negativ Getesteten ab 6. Mai

Zudem bestätigt Söder, dass ab 6. Mai vollständig gegen Covid-19 geimpfte Bürger mit negativ Getesteten gleichgestellt sind. Unter anderem sollen Menschen, die bereits beide Impfdosen erhielten, von der Testpflicht und von den Ausgangsbeschränkungen befreit werden. Bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte werden sie zudem nicht mitgezählt.

Söder kündigt außerdem an, dass man ab Montag für Grundschulen die Inzidenz von 165 anwenden wird – dies ist der Wert aus der Bundes-Notbremse. Bis zu diesem Wert gelte Wechselunterricht mit Test und Maske – was aktuell der Fall ist. Über den Wert von 165 muss wieder Distanzunterricht angeboten werden.

Kohr

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