Lokale kämpfen mit den Auswirken der Corona-Pandemie

Gastronomie in ungewissen Zeiten

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Auch im Bräustüberl Maisach ist man spontan auf einen Abholservice umstiegen. Auf dem Bild der Pächter Harry Faul.

Landkreis - Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern wurden bis zum 10. Mai verlängert und dennoch gibt es bereits jetzt einzelne Lockerungen. So dürfen seit dieser Woche viele Geschäfte mit einer Fläche oder mit einer Begrenzung auf 800 Quadratmeter wieder für Kunden öffnen, wenn auch unter Auflagen. Ungewiss ist jedoch weiterhin, wie es für die Gastronomie weiter geht.

Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und trotzdem wenig Umsatz – für viele Gastronomen eine Horror-Vorstellung und derzeit traurige Realität. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Harry Faul, Koch und Pächter des Bräustüberls Maisach. An guten Tagen könnten hier allein im Biergarten bis zu 450 Personen speisen und trinken, doch von dieser Kundenzahl ist er nun weit entfernt. Umsatz generiert er momentan zwangsläufig durch einen Abholservice, doch rentabel ist das Ganze für ihn und seine 15 Mitarbeiter nicht. Wie Harry Faul geht es vielen Gastronomen, seitdem vor fast zwei Monaten die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten und die Tische in den Gaststätten und Restaurants zwangsläufig leer blieben. „Wir brauchen jetzt dringend einen Plan wie es weiter geht“, sagt Faul und ist damit nicht einzige. 

Soforthilfe lässt auf sich warten

Auch Gerhard Kohlfürst, Geschäftsführer der Fürstenfelder Gast Hotel GmbH in Fürstenfeldbruck, macht sich seine Gedanken. „Das größte Problem ist die Ungewissheit“, sagt er. So wünsche auch er sich endlich ein Konzept. Besonders betroffen von den Einschränkungen ist er in den zwei Bereichen Hotel und Veranstaltung und das werde wohl auch noch einige Zeit so bleiben. „Uns wird hier eine wichtige Existenzgrundlage entzogen“, sagt der 52-Jährige. Wie auch Faul hat er Soforthilfe beantragt, die bereits genehmigt wurde, doch das Geld lässt auf sich warten. Zur Überbrückung bis zur Wiedereröffnung hat Kohlfürst sich ebenfalls dazu entschieden, einen Abholservice einzurichten und bietet einen „Biergarten to go“ an. Dass es ab Juli befristet für ein Jahr für Speisen, die geliefert oder abgeholt werden statt 19, nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig sind – stößt daher nicht nur bei Kohlfürst auf Zustimmung. 

Versicherung will nicht zahlen

Zahlreiche Gastronomen bieten in ihren Gaststätten einen Abhol- oder Lieferservice an – wie hier beim Alten Wirt in Emmering

Goran Jokic geht sogar noch weiter: „Grundsätzlich würde das auch ohne Corona Sinn machen.“ Er ist Pächter vom Alten Wirt in Emmering und weiß, dass es in der Gastronomie nicht nur um Speisen geht. „Wir bauen seit Jahren Vertrauen zu den Kunden auf“, sagt er. Das könne auch ein Abholservice nicht ersetzen. „Die Menschen fühlen sich hier zwischenmenschlich aufgehoben“, erklärt der 47-Jährige. Anders als Kohlfürst und Faul hat Jokic eine Versicherung abgeschlossen und kann somit keine Soforthilfe beantragen. Jedoch weigert sich diese nun zu zahlen. „Man hat mir angeboten 15 Prozent der Versicherungssumme auszubezahlen“, erklärt er. Er hätte nun zwei Möglichkeiten: Entweder er nimmt das Geld oder er geht gerichtlich gegen die Versicherung vor – wobei er sich von der zweiten Option nicht sonderlich viel verspricht. Doch es geht noch weiter. „Ich kann für meine Angestellten keine Kurzarbeit beantragen, weil ich versichert bin“, sagt er. So säßen derzeit von seinen 23 Angestellten und Aushilfen viele zu Hause und bekämen kein Geld vom Arbeitsamt. Ein weiterer Grund warum er auf eine baldige Öffnung seines Lokals hofft. 

Felix Hamann

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