Gedenken an die israelischen Opfer des Olympia-Attentats von 1972 vor dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck – Israelischer Gesandter  wegen Pilotenstr ...

Knobloch zum Olympia-Attentat: "Attentat auf unsere Idee von Freiheit, Frieden, Menschenrechte"

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Von links: Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Dr. Charlotte Knobloch, stellvertretender Landrat Johann Wieser. 

Fürstenfeldbruck – Nachdem der Politik Attaché der Botschaft des Staates Israel, Gesandter Yair Even, der den Generalkonsul für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, bei der Gedenkfeier vertreten sollte, wegen Verspätung des Flugzeugs aus Berlin ebenfalls nicht an der Gedenkstunde teilnehmen konnte, sprach die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, zu den zahlreichen politischen Vertretern des Landkreises, der Stadt, sowie der Polizei und der Bundeswehr und den erschienenen Bürgerinnen und Bürgern.

Zum 42. Mal jährte sich am 5. September der Tag des Attentats palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft der XX. Olympischen Sommerspiele in München 1972. Noch im Olympischen Dorf erschossen sie damals zwei israelische Athleten. Beim Versuch, die anderen Geiseln zu befreien, kamen auf dem Militärflugplatz in Fürstenfeldbruck neun weitere Israelis und ein deutscher Polizist ums Leben.

 Der Landkreis gedachte auch heuer mit einer Feierstunde den Opfern und deren Angehörigen sowie den Überlebenden an der Gedenkstätte vor der Hauptwache des Brucker Fliegerhorstes. „Erinnern – Gedenken – Hoffen: das waren die Worte, die 2012 auf den Kerzen bei der 40-jährigen Gedenkfeier für die Angehörigen und die Hinterbliebenen der Getöteten standen“, erinnerte der stellvertretende Landrat Johann Wieser an die große Gedenkfeier im Brucker Fliegerhorst, die vor zwei Jahren in die ganze Welt übertragen wurde. Und genau das wird der Landkreis auch in Zukunft tun, versicherte Wieser für den in Urlaub befindlichen Landrat Thomas Karmasin. Wieser erinnerte nochmals an das Geschehen vor 42 Jahren und verlas die Namen der zwölf ohne jegliche Vorwarnung so plötzlich und grausam aus dem Leben gerissenen jungen Menschen. „Auch nach über 40 Jahren sind die Toten nicht vergessen“, sagte der stellvertretende Landrat. 

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, legt einen Stein an der Gedenkstätte für die beim Olympia-Attentat getöteten israelischen Sportler nieder.

Eingangs dankte Dr. Knobloch dem anwesenden ersten Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, Reinhold Bocklet, für sein vorbildliches, couragiertes und herausragendes Engagement. „Sie sind seit vielen Jahren unermüdlich in Ihrem Streben nach Versöhnung und einer Kultur des Erinnerns, die die Menschen vor neuen humanitären und zivilisatorischen Katastrophen bewahrt“, so Knobloch. Der Fliegerhorst und der Landkreis stelle sich seit vielen Jahren in herausragender Weise, wie man es sehr selten erlebt, seiner Vergangenheit, lobte die Präsidentin das langjährige Engagement als beispiellos und vorbildlich. 

Dabei richtete Knobloch zugleich die Bitte an die Staatsregierung, dass sich die Erinnerungsorte in München und in Fürstenfeldbruck ergänzen sollten. Sie hoffe auf finanzielle und ideelle Unterstützung. Die Gedenkstätte im Alten Tower in Fursty halte sie für unerlässlich. Nur am historischen Ort sei das ganze Ausmaß der Tragödie spürbar, so Dr. Knobloch. Mit wachsender Distanz zu den Ereignissen sei das von entscheidender Bedeutung, insbesondere, wenn junge Menschen erreicht werden sollen.

 Die Ereignisse der letzten Monate zeigen in beklemmender weise die anhaltende Aktualität des Olympiaattentats von 1972, meinte Dr. Knobloch. Immer deutlicher formiere sich das Bild einer bunten, liberalen, nach Frieden und Freiheit strebenden Welt auf der einen Seite, die sich einer diffusen und vielschichtigen Front von Gegnern ausgesetzt sehe, deren Ideologie auf gnadenlosem Hass und Unterdrückung basiere. Weite Teile des arabischen Raums versinken gegenwärtig - nach den hoffnungsvollen Ansätzen des Arabischen Frühlings – heillos in grauenvollen, blutigen Konfrontationen. Islamistische Terroristen, Jihadisten, selbsternannte „Gotteskrieger“ metzeln politische Widersacher und religiöse Minderheiten in so unbeschreiblicher grauenvoller Art nieder, dass uns der Atem stockt, so Dr. Knobloch. Man müsse erkennen, dass eine offene, liberale Welt eben nicht das Ziel aller Menschen sei. Diese Botschaft hinterließen auch die Opfer des Attentats von „72“. Die israelischen Sportler kamen als „Brückenbauer der Versöhnung“ nach Deutschland. Doch was dann geschah, habe die ganze Welt verändert, wie die Anschläge auf die Twin Towers vor 13 Jahren. 

Unter den Augen der Welt rissen palästinensische Terroristen zwölf Menschen aus ihrem Leben. Diese monströse Tat war kein Anschlag auf Israel, auch nicht auf Juden, so Dr. Knobloch, „das war ein Attentat auf unsere Idee von Freiheit, Frieden und Menschenrechte für jedermann.“ „Die Terroristen können das Prinzip „leben und leben lassen“ nicht akzeptieren“, sagte Knobloch zum Ende ihrer Rede. „“Sie sind bereit, ihr Leben zu opfern, um uns für das unsere zu bestrafen. Wir dürfen diesem Hass und diesem Wahn nicht weichen. Das ist unsere Pflicht als Demokraten, als geschichts- und verantwortungsbewusste Menschen und nicht zuletzt als Trauernde, die nicht wollen, dass die Botschaft der Opfer des 5. Septembers 1972 vergessen wird."

Dieter Metzler

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