Gedenken an die Opfer des Olympia-Attentats im 50. Jubiläumsjahr der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen vor dem Fliegerhorst

Gedenken an die 12 Opfer und Statement gegen den Terror  

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Die Gäste und Besucher der Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 vor der Hauptwache am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Fürstenfeldbruck – Olympia-Attentat: Mit Worten des Gedenkens und Erinnerns veranstaltete der Landkreis auch in diesem Jahr an der Gedenkstelle für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 vor dem Haupttor des Brucker Fliegerhorstes eine besinnliche Feierstunde. Mit Rücksicht auf den Sabbat, dem jüdischen Ruhetag am Samstag, fand die Gedenkveranstaltung heuer bereits am 4. September, einen Tag vor der eigentlichen Tragödie vor 43 Jahren, statt. 

 Viele Landkreisbürgerinnen und –bürger erinnern sich noch an die Ereignisse von damals: Während der XX. Olympischen Spiele 1972 in München überfielen palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft, töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln. Bei dem Versuch, die Geiseln zu befreien, starben am 5. September 1972 auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes die neun israelischen Sportler und ein deutscher Polizeibeamter. Zur Erinnerung an die Geschehnisse von 1972 hat der in Gröbenzell wohnende Bildhauer Hannes L. Götz im Auftrag des Landkreises im Jahre 1999 eine Gedenkstätte geschaffen, vor der sich seitdem jedes Jahr die Menschen zu einer Gedenkstunde treffen. 

Auch in diesem Jahr nahmen neben Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU) sowie den Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel (CSU), Kathrin Sonnenholzner (SPD) und Dr. Herbert Kränzlein (SPD) zahlreiche Bürgermeister sowie politische Vertreter aus dem Landkreis, Vertreter der Bundeswehr, an der Spitze, der Kommandeur der Offizierschule der Luftwaffe, Brigadegeneral Bernhardt Schlaak, Vertreter der Polizei und von verschiedenen Vereinen und Institutionen an der Gedenkstunde teil. Antonia Wilczek von der Heinrich-Scherrer-Musikschule aus Schöngeising begleitete die Veranstaltung mit ihrer Klarinette musikalisch. „Sich hier zu erinnern, bedeutet, dass die Namen von zwölf unschuldig ermordeten Menschen, die ohne jede Vorwarnung so plötzlich und grausam aus dem Leben gerissen wurden, nicht in Vergessenheit geraten“, sagte die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler (CSU), die den Reigen der Ansprachen eröffnete. „Denn wenn Namen verschwinden, verblasst die Erinnerung.“ 

Drechsler rief noch einmal die Geschehnisse von damals in Erinnerung, verlas die Namen der elf ermordeten israelischen Sportler und den des getöteten deutschen Polizisten. „Unser gemeinsames Gedenken ist Bekenntnis, das Gewalt und Terror in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“, sagte Drechsler. Und es könne dazu dienen, „gerade in Tagen wie diesen, in denen zigtausende Flüchtlinge zu uns kommen, unser Bewusstsein zu schärfen, für Menschenrechte wie Freiheit, Sicherheit, körperliche Unversehrtheit und freie Meinungsäußerung.“ Der Landkreis werde auch in Zukunft Erinnerungsarbeit leisten und ein Zeichen setzen gegen Hass und Terror, verwies die stellvertretende Landrätin auf das bevorstehende Symposium am 25. September im Fliegerhorst, das zum Ziel hat, nach Abzug der Bundeswehr, einen neuen Erinnerungsort am authentischen Schauplatz zu schaffen. „Sind Sie dabei, wenn es darum geht, einen Erinnerungsort mit Bildungsauftrag zu gestalten, für uns und die kommenden Generationen“, lud sie die Anwesenden ein, sich zur Fachveranstaltung anzumelden. Vergessen, können und dürfen wir nie! Ich war gerade 17 Jahre alt, als die fröhlichen Spiele von München ein so grausames Ende nahmen“, sagte Yehoshua Chmiel, der Vizepräsident a. D. der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Es waren Spiele, wie wir Sie noch nie in der Neuzeit erlebt haben. Unendlich viele Menschen aus der ganzen Welt waren in meiner Heimatstadt München zu Gast, so Chmiel. Und plötzlich, mitten in dieser Euphorie, in der fröhlichen Unbekümmertheit des sportlichen Wettstreits, erfolgte die brutale Ernüchterung durch eine der feigsten und hinterhältigsten Taten, die es je in der jahrtausendalten Geschichte der Olympischen Spiele gegeben hat. „The games must go on“, sagte damals der IOC-Präsident Brundage, damit nicht auch sie, die Spiele, noch ermordet würden. „Dabei hat Brundage übersehen, dass die Spiele schon lange tot waren“, meinte Chmiel. „Genauso ermordet, wie die zwölf unschuldigen Menschen, deren wir heute gedenken.“ Der Gedanke von Olympia war mehr als nur einfach „Spiele“ zu sein. Es war die kleine Hoffnung auf eine kurze Zeit des Friedens, auch schon seit dem achten Jahrhundert vor Christus. Obwohl in der langen Geschichte Olympias die Waffenruhe außerhalb der Spiele nicht immer eingehalten wurde, markiert München und das Verbrechen der palästinensischen Terroristen eine traurige, abartige Singularität. „Vergeben werden wir müssen, wenn wir eine bessere Zukunft für uns und die nachkommenden Generationen in dieser, unseren Welt erschaffen wollen.“ 

Staatssekretär Georg Eisenreich, der Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, rief den stolzen Einzug der israelischen Mannschaft in das Olympiastadion am 26. August 1972 nochmals in Erinnerung und erzählte vom jüngsten israelischen Sportler, dem Ringer Mark Slavin, der er seinen Eltern einen Brief schickte und berichtete, wie stolz er sei, dass sich sein Traum erfüllt habe, für Israel bei Olympia an den Start zu gehen. Als seine Eltern den Brief in den Händen hielten, war ihr Sohn bereits tot. „Es heißt die Toten sterben ein zweites Mal, wenn wir sie vergessen“, sagte Eisenreich. Er dankte dem Landkreis und der Stadt, dass diese zwölf Namen nicht in Vergessenheit geraten. 

Im Gespräch Yehoshua Chmiel, Vizepräsident a. D. der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern mit Dr. Dan Shaham, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland

Zur Überraschung aller anwesenden Ehrengäste und Besucher der Gedenkfeier beendete nicht der anwesende Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Dr. Dan Shaham, sondern seine Pressereferentin Sybil Schmücker den Reigen der Ansprachen. Erst während ihres Studiums in Israel (2005 – 2009) erfuhr sie bei einer Recherche zu ihrer Studienarbeit über den Terrorismus in Israel und Deutschland zum ersten Mal über den Überfall und die Ermordung der israelischen Sportler, berichtete die 30-jährige Pressereferentin. „Die erschreckenden Bildes des Terroristen auf dem Balkon im Olympischen Dorf sowie des ausgebrannten Hubschraubers vor dem Tower im Fliegerhorst sind seitdem in mein Gedächtnis eingebrannt.“ Ihre erste Aufgabe bei ihrem Arbeitsantritt im Generalkonsulat 2011 sei die Vorbereitung für die jährliche Gedenkveranstaltung vor dem Fliegerhorst gewesen, berichtete Schmücker. Es habe sie zutiefst bewegt, wie Jahr für Jahr das Landratsamt mit viel Engagement und Herz die Erinnerung an das Geschehene und die Opfer aufrechterhält. Für diesen Einsatz möchte sie dem Landkreis den zutiefst empfundenen Dank des Staates Israel aussprechen. Der Dank gelte auch dem Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst sowie der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung. „Sie setzen sich unermüdlich und entgegen allen denkbaren und undenkbaren Hindernissen dafür ein, ein würdiges Gedenken an die Opfer in München zu ermöglichen.“ Schmücker ist überzeugt, dass durch dieses Engagement auch künftige Schüler und Studenten, so wie sie damals, in Deutschland und in Israel über die Tragödie erfahren. „Durch Sie werden die Erinnerungen an die Opfer in Ehren gehalten. Und dieser Einsatz ist, wie man auf Hebräisch sagen würde: Meod meragesch - zutiefst bewegend.“ 

Im 50. Jubiläumsjahr der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen ist das gemeinsame Gedenken zugleich ein Blick zurück, aber auch in die Zukunft. Die Botschaft ist, dass Mord und Terrorismus von der internationalen Gemeinschaft nicht akzeptiert werden, denn so können wir keinen Frieden erreichen.“ 

Dieter Metzler

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