Olympia-Attentat 1972

Zeit für einen Neuanfang

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Der neue Generalkonsul Dr. Dan Shaham und Landrat Thomas Karmasin legten nach jüdischem Brauch kleine Steine an der Gedenkstätte ab.

Fürstenfeldbruck – In diesem Jahr fiel das jüdische Neujahrsfest Rosch-ha-Schana auf den 5. September. „Das ist ein guter Zeitpunkt zu einem Neuanfang“, sagte der neue Generalkonsul Israels in München, Dr. Dan Shaham, bei der Gedenkfeier an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972.

Das terroristische Attentat traf Deutschland und Israel gemeinsam, so Dr. Shaham, deshalb solle Fürstenfeldbruck als Ort des Geschehens auch in Zukunft ein Ort der Partnerschaft zwischen Israelis und Deutschen werden. „Gerade nach der großen Gedenkveranstaltung 2012, als sich das Attentat zum 40. Mal jährte und erstmals Angehörige der Opfer und Überlebende der israelischen Olympiamannschaft gleichzeitig hier im Fliegerhorst zu Gast waren, ist es wichtig, die Erinnerungsarbeit konsequent fortzuführen“, sagte Landrat Thomas Karmasin 

Jedes Jahr am 5. September rücke Fürstenfeldbruck in den Blickpunkt der Welt, so der Landrat, der die rasche Entscheidung von Kultusminister Ludwig Spaenle begrüßte, nach dem Abzug der Bundeswehr aus dem Brucker Fliegerhorst im Alten Tower des Flugplatzes einen dauerhaften Gedenkort zu errichten. Zur Erinnerung an den Überfall palästinensischer Terroristen auf die Olympia-Mannschaft des Staates Israel während der XX. Olympiade in München gedachten Vertreter aus der Politik, unter ihnen CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU), die Landtagsabgeordneten Kathrin Sonnenholzner (SPD) und Dr. Thomas Goppel (CSU), sowie zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis, darunter Brucks Oberbürgermeister Sepp Kellerer, und eine Abordnung der Bundeswehr und der Polizei, der Opfer und deren Hinterbliebenen am Mahnmal, das der in Gröbenzell lebende Bildhauer Hannes L. Götz im Jahre 1999 im Auftrag des Landkreises geschaffen hat.

Für ihn sei die Gedenkfeier ein sehr ergreifender Moment, sagte Dr. Shaham, der zum ersten Mal in Fürstenfeldbruck weilte. Zum Zeitpunkt der schrecklichen Geschehnisse war er gerade einmal sieben Jahre alt, erinnerte sich der neue Generalkonsul Israels in München und berichtete von der Sportlehrerin seiner Kinder, Ester Roth-Shachamorov, die als Leichtathletin zum Olympia-Team von 1972 gehörte und den Terroranschlag im Olympischen Dorf aus 200 Meter Entfernung miterlebte.

Sie hätte noch im Hürdenlaufwettbewerb an den Start gehen sollen, reiste jedoch mit der Mannschaft nach dem missglückten Befreiungsversuch in Fursty, bei dem auch ihr Trainer Amitzur Schapira ermordet wurde, ab. Sie wollte danach ihre Karriere beenden, doch ihr späterer Ehemann und Trainer Peter Roth führte sie wieder an den Sport heran. Sie gab Dr. Shaham die Botschaft mit, dass man trotz aller schrecklichen Erinnerungen nach vorne schauen müsse.

Vor der Gedenkfeier besichtigte Dr. Dan Shaham und Landrat Thomas Karmasin die Ausstellung „5. September 1972 – Das Ende der heiteren Spiele von München“ in der Sparkasse Fürstenfeldbruck in der Hauptstraße 8. Um die Namen der zwölf Opfer und ihre persönlichen Schicksale nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat der Landkreis zur zentralen Gedenkveranstaltung 2012 eine Wanderausstellung mit Publikation in Auftrag gegeben (siehe unten).

Dieter Metzler

Ausstellung zum Olympia-Attentat

Gegen das Vergessen des grausamen Olympia-Attentats 1972 hat der Landkreis eine Wanderausstellung mit Publikation in Auftrag gegeben. Sie ist noch bis 13. September im Fliegerhorst zu sehen. Ziel des Landkreises war es, die Ereignisse vor 40 Jahren einem breiteren Publikum anschaulich zu präsentieren und insbesondere die jüngere Generation für ein zeitgeschichtliches Thema zu interessieren. Kurze, prägnante und ansprechende Texte sowie viele Bilder laden zu einer interessanten wie emotionalen Geschichtsstunde ein.

Viele Bürger hatten im vergangenen Jahr keine Gelegenheit, diese Ausstellung im Fliegerhorst zu besuchen. Die Sparkasse, die das Projekt unterstützt, zeigt die Ausstellung noch bis 13. September zu folgenden Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr und am Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

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