Gegen die Gentechniklobby – Prof. Dr. Hubert Weiger folgte gern der Einladung der 2009 in Maisach gegründeten ZivilCourage FFB

Sehr symbolträchtig-biblisch überreicht die ZivilCourage-Gesprächsleiterin Gudrun Hanuschke-Ende abschließend einen Apfel an den Referenten Prof. Dr. Hubert Weiger. Foto: Günter Schäftlein

Selten hat man im Gemeindesaal am Stockmeierweg einen derartigen Andrang gesehen. Die Aussage „Hände weg von unserem Essen!“ verfehlte nicht die beabsichtigte Wirkung. Prof. Dr. Hubert Weiger folgte gern der Einladung der 2009 in Maisach gegründeten ZivilCourage FFB mit seiner unmissverständlichen Stellungnahme gegen die Gentechniklobby.

Der Honorarprofessor an der Uni Kassel für Naturschutz und nachhaltige Landnutzung, seit 2002 bayerischer Landesvorsitzender und seit 2007 Bundesvorsitzender vom BUND Naturschutz e.V., streitet mit Verve und Temperament gegen die „menschenverachtende agroindustrielle Entwicklung durch GVO“ - die „gentechnische Veränderung von Organismen“ in Pflanzen und Tieren. Er sieht sich seit 2002 als Lehrbeauftragter für Naturschutzpolitik an der TU München im Fachbereich Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement auch für die natürlichen Erfordernisse der Menschen im Freistaat zuständig. Weitere Aktivitäten unterstreichen die Entschlossenheit des kämpferischen Gelehrten: Er ist Vorstandsmitglied im Agrar-Bündnis e.V., Kuratoriumsmitglied der Stiftung Ökologie und Landbau, Präsidiumsmitglied der EuroNatur Stiftung. Gudrun Hanuschke-Ende, Mitglied im BUND Naturschutz FFB und Sprecherin für die Arbeitsgemeinschaft ZivilCourage Fürstenfeldbruck (gegen Agro-Gentechnik) stellte die Ziele und Zugehörigkeit der AG vor: „ZivilCourage agiert vollkommen unabhängig. Die Mitarbeit bedarf keiner Beitrittserklärung, keines Mitgliedsbeitrags oder irgendeiner sonstigen Verpflichtung. Sie ist offen für alle, die zu einer positiven Veränderung beitragen wollen.“ Man lebe vom eigenen Einsatz - und Spenden. Man agiere mit Infoständen auf Hoffesten oder auch beim Bildungsfest im Veranstaltungsforum und biete Vorträge an. Zu Besuch kamen bereits der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske, und der Landhändler Josef Feilmeier (bekannt über einen Film im Bayerischen Fernsehen). Prof. Weiger sieht die weltweiten Auseinandersetzungen um gentechnisch - durch Manipulation - verändertes Erbgut in den Zellen von Pflanzen und Tieren im Agrobereich als „noch lange nicht entschieden“. Zu viele Milliarden Gewinnerwartung stünden für die Chemie-Giganten Bayer und BASF, Deutschland, Syngenta, Schweiz, Monsanto, DowAgros und DuPont, USA, im Raum. Alleine Monsanto beherrscht mit 60 bis 65 Prozent Marktanteil weltweit bei Saatgut den Anbaumarkt. Der Maisanbau mit MON 810 ist in Deutschland allerdings seit 2009 verboten; das US-Unternehmen versucht aber erneut, Fuß zu fassen. Man arbeitet hierfür mit altbekannten Pro-Argumenten: Ertragssteigerung, weniger Aufwand bei Pestiziden, Sicherung von Arbeitsplätzen, Gewinn an Vitaminen, Behebung weltweiter Ernährungsprobleme. Jedoch: „80 Prozent der weltweit angebauten, gentechnisch veränderten Pflanzen sind Futtermittel!“ Inzwischen ist man mit gentechnisch verändertem Saatgut erfolgreich bei Soja, Mais, Baumwolle und Raps, auf insgesamt 148 Millionen Hektar: In den USA (66,8 Mio Hektar), Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada, China (3,5 Mio Hektar) und in einem kleinen europäischen Teil mit insgesamt rund 91.000 Hektar anzutreffen (davon alleine in Spanien 2010 = 76.575 Hektar). Es ist weltweit nur ein Anteil von lediglich 3,1 Prozent, während 96,9 Prozent der weltweiten Anbauflächen (= 4800 Millionen Hektar) gentechnikfrei bestellt werden. Entgegen allen Unbedenklichkeitsbekundungen der Agro-Gentechniklobby nennt Prof. Weiger hierbei mangelhafte Risiko-Prüfungen aus zumeist nur Kurzzeitversuchen über 90 Tage und weniger. Völlig ungeklärt wären chronisch-gesundheitliche Auswirkungen und allgemein Firmendaten unzugänglich. Die zum Beispiel im Genmais produzierten Giftstoffe wirkten nicht nur gegen einen Schädling, sondern auch gegen weitere Insekten. Genmais-Pollen wüden sich über die Bestäuber deutlich weiter verbreiten als bisher angenommen. Daraus resultiere die Koexistenzlüge, das behauptete mögliche Nebeneinander von konventionellem oder Öko-Anbau mit gentechnisch verändertem Anbau: „Die gentechnisch veränderte Auskreuzung ist nicht kontrolllierbar!“ Prof. Weiger fordert ein Reinheitsgebot für Saatgut sowie eine Kennzeichnungspflicht für Milch, Fleisch, Eier von mit GVO-gefütterten Tieren. Als beispielhaft und für die deutsche Auffassung im europäischen Konzert „ungeheuer wichtig“ bezeichnete der Referent das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24.11.2010 zur Rechtmäßigkeit des bestehenden deutschen GEN-Technikgesetzes sowohl in der Schadenshaftungsfrage bei GVO-Verunreinigungen wie auch für die wichtige Zulässigkeit von landwirtschaftlichen Standortregistern. Grundsätzlich bestätigte auch der europäische Gerichtshof, dass Honig vor gentechnisch veränderten Pollen geschützt werden müsse. Von 16 Bundesländern lehnen inzwischen 9 den Einsatz der Gentechnik in ihrer Landwirtschaft ab. Bayern zählt bisher nicht dazu. Für „Gentechnikfrei in Bayern“ haben sich jedoch inzwischen (Stand: 2010) 19.094 Landwirte mit insgesamt bewirtschafteten 559.967 Hektar ausgesprochen.: „In 50 Prozent der bayerischen Landkreise gibt es hierzu Initiativen.“ Darauf ist Prof. Dr. Hubert Weiger besonders stolz - genauso wie auf die von ihm 2010 initiierte Groß-Demo zu Gunsten einer gesunden Ernährung in Berlin mit 20.000 Teilnehmern „und 90 Bulldogs vorweg.“ Die zweite Groß-Demo findet dort am 21. Januar 2012 statt. Infos: Gudrun Hanuschke-Ende ghe@mnet-online.de oder www.zivilcourage.ro

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