Die Verschmelzung von Germering und München

Der neue Stadtteil Freiham

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Kaum jemand kann sich wahrscheinlich noch an die alte Bodenseestraße erinnern, die sich noch vor ein paar Jahren von Germering nach Aubing, vorbei an Freiham schlängelte. Kein Wunder. Hat sich hier doch so viel getan.

Rund zwölf Kilometer vom Münchner Zentrum entfernt, wird eine der letzten großen Freiflächen bebaut. Hier, zwischen der A 99 und Aubing entstehen Häuser und Wohnungen für mehr als 20.000 Menschen und Firmen für etwa 7.500 Angestellte. Das sei notwendig, denn die Wohnungsnot erdrücke München fast, sind sich die Verantwortlichen einig. 15 Jahre nach Planungsbeginn zieht sich der Bau des neuen Stadtteils vor München allerdings in die Länge und das auch wegen eines Vogels. Brutpaare der geschützten Feldlerche wurden hier gesichtet, was damals zum kompletten Baustopp führte. Diese werden derzeit an eine andere Stelle gelockt.

Viele Angebote 

Tagtäglich rollen hier die Lkw und bringen Tonnen an Material zu den Baustellen. Auf der einen Seite der Bodenseestraße ist der neue Stadtteil Freiham eher noch eine Geisterstadt. Auf der anderen Seite beginnt Freiham bereits zu leben.

Freiham als neues Stadtviertel hat jetzt schon viel zu bieten. Ein großes Möbelhaus, ein Küchenstudio, die Kletterhalle oder einen Indoor-Spielplatz nennt der Bezirk bereits sein Eigen. Doch darüberhinaus gibt es hier gerade für junge Familien ein großes Angebot. Neben vier Grundschulen und 13 Kindertagesstätten wird hier auch die Volkshochschule ein eigenes Gebäude beziehen. Aber damit nicht genug. Großzügige Parkanlagen und natürlich die kurzen Wege, beispielsweise nach München oder auch auf die Autobahn, machen das neue Stadtviertel so attraktiv. 

Die S-Bahn 

Bereits seit September 2013 kann man Freiham mit der S-Bahn erreichen. Zwar herrscht hier auch während der Stoß- und Berufszeiten noch kein Andrang, dennoch wird die Station gut angenommen. Rundherum stehen allerdings heute noch halbfertige Gebäude und ein Ende scheint noch nicht in Sicht. Die Planungen beziehungsweise die Idee eines Entlastungsviertels wie Perlach oder Oberschleißheim besteht schon seit den 1960er Jahren. Damals sicherte man sich die Grundstücke. Doch die Visionen der Planer sind mittlerweile mehr als überholt. Die Experten sind sich einig, hier solle dichter gebaut werden, um zum einen der Explosion der Mietpreise entgegenzuwirken, zum anderen die vorherrschende Wohnungsnot zu lindern. Doch die Pläne sind fertig. Für den ersten Teil Freihams gibt es kein zurück mehr. Vielleicht aber für den zweiten großen Bauabschnitt. Dann nämlich, solle alles enger gebaut werden. Ob das allerdings den Ansprüchen in 20 Jahren noch genüge, sei fraglich. 

Fehler vermeiden 

Die Sanduhr von Freiham. Nur wenige kennen sie, noch weniger haben bereits ihre Stufen erklommen. Wer sich einmal einen Überblick verschaffen möchte, hat hier die Gelegenheit dazu.

In Freiham versucht man, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. So wurden in Perlach große Wohnblöcke hochgezogen. Dieser Stadtteil entwickelte sich quasi zu einem richtigen Brennpunkt. Das soll hier in Freiham natürlich nicht passieren. Dennoch kämpfen die Aubinger nach wie vor gegen den neuen Stadtteil. Sie befürchten, dass der Verkehr und somit der entstehende Lärm der neuen Nachbarn überhand nehmen könnte. 

Schulen ohne Kinder 

In den nächsten Tagen eröffnen in Freiham bereits zwei Grundschulen. Nur gibt es hier keine Wohnungen, in denen Familien leben und somit auch keine Kinder. Bis auf Weiteres werden wohl einige Schulklassen aus Aubing hierher ausweichen. Dass hier bereits Fehlplanungen stattgefunden haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Einige Gewerbetreibende haben schon beobachtet, wie Bauarbeiter Gehewege gebaut und dann wieder abgerissen haben. Wenn das mit Häusern auch passiere, werde man hier in 20 Jahren noch nicht fertig sein. Wer sich von Freiham einmal sein eigenes Bild machen möchte, der kann hier den Aussichtsturm in Form einer Sanduhr emporsteigen. Zwar befindet man sich nur in knapp fünf Metern Höhe, was aber ausreicht. Bei gutem Wetter hat man hier auch eine sensationelle Fernsicht in die Berge. Noch gibt es hier zahlreiche grüne Flächen, die wohl in den nächsten Jahren weichen werden. Für diejenigen, die von der B 2 kommend in Richtung München fahren wollen, gibt es etwas Gutes: der Anschluss in das Gewerbegebiet besteht bereits, darf bisher aber nur von Baustellenfahrzeugen befahren werden.

Sebastian Essberger

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