Geldwäsche – Jurist/Kriminologe Rüdiger Quedenfeld präsentierte einen Koffer voller Beispiele

Rüdiger Quedenfeld, referierte im Gemeindesaal der evang. Erlöserkirche im Rahmen der Brucker Zeitgespräche. Foto: Günter Schäftlein

Im gutbesuchten Gemeindesaal der ev. Erlöserkirche begrüßte Dietrich John vom Zeitgesprächeteam einen Spezialisten für die Kehrseite der sauberen Geldvermehrung zum Thema „Geldwäsche und Wirtschaftskriminalität - Bestandteile der modernen Gesellschaft?“. Rüdiger Quedenfeld ist mit seinem Unternehmen für „Sicherheitsmanagement“ in Wang bei Moosburg zuhause. Er fühlt sich dort sicher - trotz einer brisanten Thematik.

Immerhin geht es in seinen Ausführungen um mächtige Gegenspieler in wirtschaftlich „lukrativen Bereichen“ wie Korruption, Bilanzfälschung, Insolvenz- und Subventionsbetrug, Wirtschaftsspionage, Umweltdelikte, illegalen Waffenhandel, Menschenhandel/Prostitution, Produktpiraterie, Geldwäsche und Umsatzsteuerkarussell-Betrug. Da Vorkommnisse dieser Art inzwischen nach Einschätzung des Referenten „Bestandteil der modernen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sind“ und „ihr Handeln als gesellschaftskonform und normal empfunden wird“, hinterfragt Rüdiger Quedenfeld provokant und rhetorisch „Ist Justitia mit ihrem stumpfen Schwert auch auf beiden Augen blind?“ Als Gründe für die kriminelle Energie der planenden und ausführenden Personen nennt Rüdiger Quedenfeld in diesem hochumsatzträchtigen Wirtschaftssektor „materielle Interessen - Gier - Geltungsdrang , Bestechung/Bestechlichkeit - finanzielle Not - Erpressung - unmotiviert sein - bewusst Schaden zufügen wollen - religiöser Hintergrund/Fanatismus - politische Gründe - Liebe.“ Und als Rechtfertigung für wirtschaftskriminelle Handlungen listet der Geschäftsführer auf: „Verlust von ethisch-moralischen Grundwerten - Mangelndes Unrechtsbewusstsein - Kein Schamgefühl - Das steht mir zu - Es liegt in meiner Kompetenz - Dafür arbeite ich auch mehr als Andere.“ Bei allen gegebenen Gelegenheiten zur Wirtschaftskriminalität spiele aber eine wesentliche Rolle das Wissen, bei einer Straftat nicht ertappt zu werden. Dazu gehöre die Kenntnis über fehlende oder mangelhafte Kontrollen. Und das Bewusstsein, „dass Andere das auch machen und nicht bestraft werden.“ Nach Quellenangabe der „Studie PWC Wirtschaftskriminalität 2011“ würden zwei Drittel der Täter aus dem mittleren und dem Topmanagement stammen. Im Gegensatz hierzu würden nur ca. 22 Prozent der überführten Täter aus dem Management bestraft, jedoch ca. 65 Prozent der ertappten Angestellten. „Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge beliefen sich die aus Straftaten erlangten Profite 2009 weltweit auf insgesamt etwa 2,1 Billionen US-Dollar - bzw. 3,6 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts (BIP).“ In Italien sei 2011 nach Schätzungen der Bank von Italien kriminelles Vermögen im Wert von 150 Mrd. Euro in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust worden. Europaweit würden nach einer BND-Studie aus 2006 jährlich ca. 200 Mrd. „kriminelles Geld gewaschen“. Nach der gleichen Studie kontrollierte die Organisierte Kriminalität (OK) Mitte der 1990er Jahre ca. 4000 russische Banken oder Bankfilialen. Und: 20 bis 30 Prozent der Obligationen (Bundesschatzbriefe und Staatsanleihen) der Bundesrepublik und anderer EU-Mitgliedsstaaten seien im Besitz der Organisierten Kriminalität. Nach der gleichen BND-Studie aus 2006 setze die italienische Mafia jährlich ca. 140 Mrd. Euro um und erziele dabei 100 Mrd. Euro Gewinn - was 7 Prozent der Wirtschaftsleistung Italiens entspreche. Schließlich erbringe der Weltmarkt für kopierte Waren/ Produktpiraterie nach Schätzungen der OECD jährlich bis zu 250 Mrd. US-Dollar. Rüdiger Quedenfeld hat nahezu „einen Koffer voll“ Beispiele für Wirtschaftskriminalität, insbesondere Korruption und Geldwäsche, und nennt hierzu auch Namen von involvierten PeP (politisch exponierten Personen) in Vergangenheit und Gegenwart. Aber auch die Deutsche Bundesbank habe sich erst sehr spät den „internen Sicherungsmaßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche, von Terrorismus-Finanzierung und von sonstigen strafbaren Handlungen zum Nachteil des eigenen Instituts“ angeschlossen: Erst mit dem Kreditwesengesetz vom 1. März 2011.

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