Gemeinsam stärker – Zum Tag der Einheit sprach Bundesminister der Verteidigung de Maizière in Olching

Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière trug sich ins Goldene Buch der Stadt Olching ein (v. li.): Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Stadträtin Martina Drechsler, CSU-Landeschefin Gerda Hasselfeldt, Bürgermeister Andreas Magg und sein Stellvertreter Robert Meier.

Nach 22 Jahren solle man doch endlich Schluss machen mit der Unterscheidung zwischen Ossi und Wessi, forderte der Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière bei seiner Festrede zur Feierstunde am Tag der Deutschen Einheit im Olchinger Kulturzentrum KOM, „das spalte nur unser Land.“ Gleichzeitig sprach sich er dafür aus, den Tag der Einheit mit einem symbolträchtigeren Staatsakt zu begehen. Wie er sich diesen vorstelle, erläuterte der Minister anhand von sieben Fragen, die zwar jeder auch für sich beantworten könne, deren Antwort er aber nicht schuldig bleiben wollte.

170 Gäste konnte Olchings CSU-Stadt- und Kreisrätin Martina Drechsler zur traditionellen Feier anlässlich des Tags der Einheit des Olchinger CSU-Ortsverbandes und des Kreisverbandes begrüßen. Neben Vereinsvorsitzenden, Stadträten, Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden zählten die CSU-Landesgruppenvorsitzende in Berlin, Gerda Hasselfeldt, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Landrat Thomas Karmasin, Brucks Oberbürgermeister Sepp Kellerer sowie Olchings Bürgermeister Andreas Magg zu den Gästen. „Ohne ihre Unterstützung hätte die Feier nicht stattfinden können“, bedankte sich Drechsler bei der Bundeswahlkreisabgeordneten, die den Besuch de Maizières eingefädelt hatte. Der gebürtige Bonner Verteidigungsminister, der sich zuvor ins Goldene Buch der Stadt Olching eintrug, zog sogleich die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich, als er eingangs meinte, in der CSU sei der Anteil der Schreihälse überproportional groß. Doch Gerda Hasselfeldt brauche das nicht. Sie sei eine, die sich auskenne und deren Wort Gewicht habe. Deshalb müsse sie auch in Berlin bleiben. „Wir geben sie nicht her.“ Seit dem Jahre 1848 versuche Deutschland, eine staatliche Einheit zu erlangen. Der 3. Oktober stelle für ihn mehr als eine Wiedervereinigung dar. Es sei der Tag der Herstellung der deutschen Einheit, wie sie die alte Präambel im Grundgesetz forderte, so de Maizière. Es müsse in unserem Lande, das im Schatten von Auschwitz lebe, auch einen Tag geben, wo man feiern könne, deshalb halte er den 3. Oktober als Nationalfeiertag für richtig. Nicht den 9. November (Novemberrevolution, Hitlerputsch, Reichspogromnacht, Mauerfall), nicht den 23. Mai (1949- Unterzeichnung Grundgesetz) und auch nicht den 17. Juni (1953 - Aufstand in der DDR, Nationalfeiertag von 1954 - 1990)). Seit dem 3. Oktober 1990 könne sich Deutschland der internationalen Verantwortung nicht mehr entziehen, verglich de Maizière das Land mit einem 18-jährigen Menschen, der als Volljähriger alle Rechte und Pflichten habe. „Lass die anderen machen. Das war bequem, ist aber seit dem 3. Oktober 1990 vorbei“, sagte de Maizière. Es reiche nicht, wenn Deutschland bei den Menschenrechten und dem Klimaschutz den erhobenen Zeigefinger zeige, sondern zu den Pflichten eines geeinigten, freien und souveränen Staates gehöre es auch, Verantwortung zu übernehmen. Der Cousin von Lothar de Maizière, dem letzten Ministerpräsidenten der DDR-Regierung, der beim Mitaufbau des Amtes des Ministerpräsidenten als Zeitzeuge unmittelbar dabei war, ebenso wie als Mitglied der Verhandlungsdelegation für den Einigungsvertrag, zeigte sich zwar angetan von vom großen Bürgerfest in München zum Tag der Einheit, das er als „eine heitere Entspannung zwischen Politikern und Bürgern“ empfand. Es sei für ihn aber kein Ersatz für einen symbolträchtigen Staatsakt. So regte er an, Menschen, die etwas für das Land getan haben, öffentlichkeitswirksam zu ehren. Er denke beispielsweise an Soldaten, die in Afghanistan ein Bein verloren haben, an THW-Mitarbeiter, die bei Aufräumarbeiten nach dem Erdbeben in Chile eingesetzt waren oder an Polizisten, die bei einem Amoklauf ihr Leben verloren haben. Abschließend ging de Maizière auf die damalige Diskussion um eine neue Nationalhymne ein. Er begrüßte, dass man sich nicht für den Text der ehemaligen DDR-Hymne von Johannes Becher „Auferstanden aus Ruinen“ zur Melodie von Joseph Haydn entschied, sondern den Text von Hoffmann von Fallersleben beibehielt. Der Minister sieht die Worte Einigkeit und Recht und Freiheit gleichzeitig als Geschenk, Gabe und Aufgabe. „Warum sollten wir das am 3. Oktober also nicht singen?“

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