Ein Genosse in Istanbul - Erfahrungsbericht - Das Eichenauer Ehepaar Hoeschen arbeitet für drei Jahre in der Türkei

Erik Hoeschen, früherer stellv. SPD-Ortsvorsitzender von Eichenau, baut in Istanbul eine Zweigstelle einer Eichenauer Firma auf, seine Frau arbeitet als Oberstudienrätin am Alman Lisesi.

Als Deutsche für drei Jahre nach Istanbul - dafür haben sich der frühere stellv. SPD-Ortsvorsitzende von Eichenau, Erik Hoeschen und seine Frau, eine Gymnasiallehrerin, entschieden. Seit 16. August ist die Türkei ihr Lebensmittelpunkt. Frau Hoeschen ist als Oberstudienrätin am Özel Alman Lisesi tätig und verantwortlich für die Abnahme des deutschen Abiturs in den Fächern Französisch und Englisch. Die Deutsche Schule Istanbul oder in Türkisch Özel Alman Lisesi ist ein privates, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu, in der Nähe des Galataturmes. Erik Hoeschen baut hier das Office Istanbul auf, eine Zweigstelle einer Eichenauer Firma für den englischsprachigen arabischen und vorderasiatischen Raum. Diese hat eine hochverfügbare Telekommunikationsplattform auf Basis von Sprachkonvertierung entwickelt - SSMS.COM- die hier u.a. als Notrufmanagementsystem für Panik- oder Amokalamierungen eingesetzt werden soll. Hier bietet sich Istanbul geradezu an, da es in einer für die nahe Zukunft erdbebengefährdeten Zone liegt.

"Ein Genosse in Istanbul" - İstanbul'da bir Yoldaş - so betitetelte Hoeschen seinen ersten Erfahrungsbericht aus Istanbul, den er seiner Heimatzeitung in Fürstenfeldbruck per email zuleitete. " Am 16. August diesen Jahres brachen wir auf nach Istanbul. Hier wird unser neuer Wirkungskreis für die nächsten 3 Jahre sein. Hier werden wir leben und arbeiten. Meine Frau ist als Oberstudienrätin am Alman Lisesi tätig und verantwortlich für die Abnahme des deutschen Abiturs in den Fächern Französisch und Englisch. Die Deutsche Schule Istanbul oder in Türkisch Özel Alman Lisesi ist ein privates, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu, in der Nähe des Galataturmes. Sie gehört zum Kreis der mit offiziellem Gütesiegel zertifizierten Auslandsschulen und erhielt das Gütesiegel "Exzellente Deutsche Auslandsschule". Sie hat ungefähr 600 türkische und 150 ausländische (darunter auch deutsche) Schüler. Die Deutsche Schule genießt ein hohes Ansehen als weiterführende Schule in der Türkei. Sie wurde im Mai 1868 als Deutsch und Schweizer Bürgerschule für die Kinder in Istanbul lebender deutscher Händler, Künstler, Ingenieure und Diplomaten gegründet. Sie führt bis zum Abitur, die Absolventen besuchen dann oft angesehene Hochschulen in der Türkei, Deutschland oder den Vereinigten Staaten. Unter den Absolventen der Schule finden sich eine Anzahl bekannter türkischer Künstler, Wissenschaftler und Politiker. Ich baue hier das Office Istanbul auf, eine Zweigstelle der Eichenauer Firma Dictocom für den englischsprachigen arabischen und vorderasiatischen Raum. Dictocom hat eine hochverfügbare Telekommunikationsplattform auf Basis von Sprachkonvertierung entwickelt - SSMS.COM- die hier u.a. als Notrufmanagementsystem für Panik- oder Amokalamierungen eingesetzt werden soll. Hier bietet sich Istanbul geradezu an, da es in einer für die nahe Zukunft erdbebengefährdeten Zone liegt. Ich wäre natürlich kein richtiger Genosse, also Mitglied der SPD, wenn ich hier nicht versuchen würde ein wenig politisch tätig zu werden. Es gibt in der Türkei, in großen Städten sogenannte „Auslands-Ortsvereine“, wo sich Mitglieder und Sympathisanten treffen um ein wenig zu politisieren. Nur in Istanbul gibt es keinen. Mein Ziel ist es, auf längere Sicht hier einen zu gründen. Starten werde ich wieder mit dem „Polit-Circle“, eine Art Stammtisch, wie er von mir schon vor über 5 Jahren, bis heute erfolgreich bestehend, in Eichenau gegründet wurde. Istanbul ist das Bindeglied zweier Kontinente, zweier Kulturen, Schnittpunkt von Okzident und Orient. Zudem darf die Stadt 2010 für ein Jahr den Ehrentitel „Europäische Kulturhauptstadt" führen.“ Istanbul - die inspirierendste Stadt der Welt!“ So lautet der Slogan. Sie ist die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und deren Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Das Stadtgebiet erstreckt sich am Nordufer des Marmarameeres auf beiden Seiten des Bosporus, der Meerenge zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Durch diese beidseitige Lage, sowohl im europäischen als auch im asiatischen Kontinent ist Istanbul die einzige Metropole der Welt, die sich auf zwei Kontinenten befindet. Diese Metropole kann seit der Gründung auf eine 2600-jährige Geschichte zurückblicken, in der sie drei großen Weltreichen als Hauptstadt diente. Die Architektur ist von antiken, mittelalterlichen, neuzeitlichen und zuletzt modernen Baustilen geprägt. Sie vereint Elemente der Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen und Türken miteinander zu einem Stadtbild. Aufgrund dieser Einzigartigkeit wurde die historische Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Woher kommt eigentlich der Name? Es existiert eine Vielzahl von Hypothesen zur Namensgebung. Nach der Eroberung durch Sultan Mehmet im Jahre 1453 nannten die Osmanen die Stadt zunächst Islambol (türk. Islamreich oder Islam im Überfluss), später im Alltagsgebrauch Istanbul, auch wenn der offizielle Name bis 1930 weiter Konstantinopel blieb. Eine weitere These besagt, dass sich Istanbul aus dem griechischen „is tin poli(n)“ ableitet, was „in die Stadt“ bedeutet. Istanbul ein Moloch! Eine Stadt ohne Grenzen! Pulsierend, niemals schlafend, immer laut und immer hektisch. Offiziell wird bereits von 15 Mio. Einwohnern gesprochen, realistisch sind 18 - 20, da der Zuzug von Zentralanatolien weiterhin stark ist. Diese Zahlen lassen erahnen welche Probleme es hier gibt. Aber auch welche Dynamik von dieser Stadt ausgeht. Und nicht nur von der Stadt, sondern von der gesamten Türkei als Wirtschaftsraum. Das Wirtschaftswachstum der Türkei wird 2010 doppelt so hoch liegen wie der europäische Durchschnitt“, prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF). 7,8 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr zulegen, erwarten die Experten. Das ist der höchste Wert unter den G-20-Nationen, ausgenommen China. Die politische Entwicklung hier wird von uns so gut es geht verfolgt, aber nicht immer ist uns wirklich klar, worum es geht. Zuerst glaubten wir an einen Kampf zwischen "Säkularisten" und "Islamisten". Doch so einfach ist es nicht. Wenn man versucht die türkische Politik zu analysieren, sollte man sich vor täuschenden simplen Begriffen hüten. Zunächst einmal kann man die regierende AKP nicht als "islamistisch" bezeichnen. Ob sie uns gefällt oder nicht, "fundamentalistisch" agiert sie nicht. Sie hat während ihrer Regierungszeit mehr für den EU-Beitritt getan als jede andere türkische Partei. Sie ist aufgeschlossener als die Sozialdemokraten, was überfällige Reformen angeht. Man kann sagen, die AKP ist westlicher als viele ihrer Gegner. Im Übrigen sind nicht alle türkischen Säkularisten Demokraten. Und zur Opposition gehören ja auch nationalistische, antiwestliche Gruppierungen. All das macht die Türkei zu einem Land, in dem politische Etiketten ziemlich verschwommen sind und die "islamistische" Regierungspartei, aus unserer Sicht fortschrittlicher handelt als die oppositionellen "Sozialdemokraten". Das alles ist interessant und hat die Stadt für uns attraktiv gemacht. Heute leben wir drei Monate hier und die waren geprägt von Warten und verwaltungstechnischen Aktivitäten. Nach immerhin schon 5 Wochen kamen unsere Möbel aus dem Zoll und wir mussten nicht mehr im eigenen Haus campen! Wir, im vereinten Europa haben vergessen wie es ist im „Ausland“ zu leben und zu arbeiten. Hier sind wir im europäischen Ausland. Das bedeutet eine Aufenthaltsgenehmigung, das sogenannte “Ikamet“ und eine Arbeitsgenehmigung zu beantragen. Das alles geht nur wenn man schon im Land ist und leider nicht vorher. Dann auch nur mit einem Übersetzer und trotzdem vielen Missverständnissen gepaart mit nervenaufreibender Wartezeit. Wir können uns hier noch als „privilegiert“ ansehen, da wir entsandt wurden und Hilfestellung bekommen. Andere haben mit noch größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Jetzt wissen wir, wie sich ein Türke fühlt der in die Bundesrepublik einreist und dort arbeiten will. Denn unsere Vorschriften sind bestimmt nicht besser. Das alles haben wir jetzt glücklich überstanden. Und es ging nur mit ununterbrochener Hilfe freundlicher und hilfsbereiter Türken. In dieser Hinsicht haben wir in Deutschland noch so manches Vorurteil zu überwinden. Allah bilir! Zum Schluss noch eine kleine Geschichte aus Istanbul. Die Tulpe kommt ursprünglich nicht aus Holland, sondern aus Kleinasien und über den heutigen Iran in die Türkei. Die Sultane liebten die Blume, züchteten und pflanzten sie. Einem Habsburger Gesandten gelang es, sie nach Europa auszuführen. Die Holländer waren verrückt nach ihr und gelten seitdem als die Erfinder der Tulpe. In Istanbul fand man die Tulpe lange Zeit nur noch als Dekoration, auf getöpferten Tellern und auf den Fliesen in Kirchen und Moscheen. Heute blüht sie wieder in den Parkanlagen und Gärten."

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